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Das Verharren des Odysseus Roman von Frischauf, Stefan (eBook)

  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Das Verharren des Odysseus

Drei frühere enge Studienfreunde auf ihren ganz verschiedenen Wegen: Der Erste, damals im Studium nur "der Ägypter" genannt, fliegt irgendwann an einem denkwürdigen Tag ein Flugzeug in ein Hochhaus in New York City hinein. Der Zweite, wie er Stadtplaner und Architekt wurde im Studium nur "der Sizilianer" genannt. Er schlägt sich irgendwie durch. Sein Name rührt aus der Geschichte seines Urgroßvaters, der 16-jährig in den ersten Tagen des 20. Jahrhunderts aus Palermo aufbricht, irgendwo einen sicheren Ort zu finden, um dort ein Leben zu beginnen und eine Familie zu gründen. Er landet im westdeutschen Rheinland. Seine Familie und die Nachgeborenen erleben dort die Wirren der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Dritte, der mit "dem Sizilianer" schon das vorangegangene Architekturstudium dort im Rheinland abgeschlossen hat, kommt ursprünglich aus der ehemaligen DDR. Erst kurz vor dem abschließenden Diplom in Stadtplanung in Hamburg bekennt sich David, wie er von allen genannt wird zu seinen jüdischen Wurzeln. Er, der nie sonderlich religiös war, bekommt kaum das Zerwürfnis mit "dem Ägypter" mit, der sich darauf von ihm distanziert. Erst später macht "der Sizilianer" ihn darauf aufmerksam. In den "Wirren des Alltags" geht so manches unter. Beide, David und "der Sizilianer" erleben den Tag, an dem ihr früherer Studienfreund ein Kapitalverbrechen begeht und so zum "tragischen Helden" für manchen wird auf ihre Art und in ihrem Umfeld. Bald jedoch kommen beiden gewisse Zweifel an den Dingen. Auch in der Erinnerung an "den Ägypter". David geht als "Aufbauhelfer" nach Afghanistan. Dort kreuzen sich manche Spuren auch mit "dem Ägypter" wieder. Er trifft auf Naqib, einen etwas jüngeren afghanischen Kollegen, der in der Altstadt von Kabul aufgewachsen ist. Naqib hat als Jugendlicher das Land verlassen, um in Deutschland zu studieren. Beginnend mit einer Begegnung im Frühjahr 1979 erzählt er dem Kollegen aus seiner zweiten Heimat seine Geschichte. So lässt er David allmählich verstehen, warum die Menschen hier in Afghanistan so sind, wie sie sind. Shukria ist in dem Altstadtviertel, in dem beide arbeiten aufgewachsen. Naqibs Wiedersehen mit ihr als Mitarbeiterin dieser "Aufbauorganisation" weckt bald die Liebe der beiden. Die Liebe, der dies dann auch gefällt. So gewinnen Naqibs Geschichte und Davids Eindrücke von dem Land auf "der zentralasiatischen Brücke" noch einmal eine ganz andere Wendung. Stefan Frischauf ist Architekt und Städtebauer. Als er 2009/10 nach Kabul/Afghanistan ging, dachte er, er sei gut vorbereitet darauf, in einem seit 1955 "gescheiterten Staat" zu arbeiten. Lange bevor dieser Begriff überhaupt "offiziell" definiert wurde. Ein Land, das damals einmal mehr "kippte". Bald leitete er ein "Regenerationsprojekt" für einen Teil der Altstadt von Kabul. Die "größte berufliche Herausforderung seines Lebens", wie er auch heute noch sagt. "Menschlich allzu menschlich" alle Male. Danach hat er auch in China, Indien und Bangladesch gelebt und gearbeitet. Er wurde 1964 in Düsseldorf geboren und lebt heute auch wieder dort. www.stefanfrischauf.com

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 524
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783752810677
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 1112 kBytes
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Das Verharren des Odysseus

auf einer Ebene

An jenem Morgen wachte er auf und verspürte einen unglaublichen Schmerz in seinen Knochen. Sein Kopf: es pochte und hämmerte darin auf eine sehr dumpfe und hintergründige Art und Weise. Der dumpfe Schmerz begann in seinem Nacken und seinem Hinterkopf. Von dort zog sich die tiefe Pein entlang der Mittelachse. Durch die Zentralfurche bis hinauf zu seiner Stirnplatte. Von dort breitete sie sich wieder aus. Es gab immer wieder Momente, in denen der Schmerz sich impuls-, ja geradezu schwallartig von dieser Mittelachse aus ergoss. Von dort, wo eigentlich jener gedachte Pfosten auch wirklich eingegraben und vergossen war, der seinen aufrechten Gang ermöglichte. Und der verhinderte, dass er stolperte und torkelte und fiel, wenn er ging. Der Schmerz kroch dann weiter auf beide Seiten und eroberte vielmehr die rechte oder linke Hemisphäre des riesigen Labyrinths da unterhalb der dünnen knöchernen Schale. Jener zerbrechliche Schutzschild für ein Firmament aus grauen Zellen. Ein Firmament mittelalterlicher Dunkelheit, als der Mensch sich selbst entdeckte und seinen eigenen Standort im gesamten Universum meinte zu bestimmen. Der Mensch, der dann zur Aufklärung dort hindurchbrach und in einer Renaissance menschlicher Vernunft als wahrer Mensch wiedergeboren wurde. Als Mensch von Wahrheit. Von nebeneinander existierenden Wahrheiten, die danach streben sollten, Erfahrungen zu teilen. Diese mitzuteilen. Weiter zu geben. Wahrheiten, die als Teil-Wahrheiten immer breitere Lücken in einem zersplitterten Gesamtbild ohne Tiefe und voller Untiefen hinterließen. Fehlstellen?

Das Bett war vom Schweiß seiner Alpträume und Träume, die er in jener Nacht durchlebt hatte völlig durchnässt. Das Laken, die gesamte Matratze waren tief durchtränkt von der Flüssigkeit seiner Ängste, seiner Wut. Seiner Trauer und seines Kummers. Seiner Ängstlichkeit und seines Kampfes gegen alle Widerstände da im Königreich seiner Träume. Hindernisse, Widerstände, gefangen zu sein, nicht gewürdigt und anerkannt zu sein als Regisseur seines eigenen Lebens: eines Filmes, der außergewöhnlich bemerkenswert sein sollte. Ein Film, der an vielen Orten aufgeführt werden sollte. Ein Film, über den seine Enkelkinder noch sprechen sollten. Ein Film, der von vielen Menschen geteilt werden sollte. Der Held ein bewunderter Mensch, zu dem alle aufschauen sollten. Ein führender Charakter. Ein göttlicher Botschafter gar.

An jedem Tag verlor er etwas davon. Jeden Tag war er persönlichen Stellvertreterkriegen ausgesetzt. o Menschen ihre eigene Hölle bauen und versuchen, andere dort hineinzuziehen. Menschen wie Du und ich, die scheinbar nicht mehr weiter wissen. Sartres "huis clos" - "Geschlossene Gesellschaft". Kein Ausgang. Nirgends.

Aber war er nicht auch ein Teil dieses Spiels? Auf der Jagd nach der goldenen Gans versuchend, besser zu sein als die anderen? Die höchsten Ziele zu erreichen? Wer oder was war die Hölle: einfach nur die anderen, die da versuchten, ihn in ihrem eigenen persönlichen Höllenfeuer zu verbrennen? Er selbst?

Nein. Völlig ausgeschlossen.

Wann immer diese Zweifel zu nahe an die Oberfläche kamen und ihn zerfraßen, würde er versuchen, so schnell wie möglich davon weg zu kommen. So wie an jenem Morgen in seinem durchnässten Bett, das alle seine Ängste seines schwachen Körperseelegeistes aufgesaugt hatte. Nein. Völlig ausgeschlossen. Er musste weg kommen von all diesen Zweifeln. Etwas direkt unter der Oberfläche, unter der dicken Decke dieses kalten deutschen Wintertages in einer zugigen Studentenbude sagte ihm das. Befahl ihm das. Kein Ort keine Zeit, um da Schwäche zu zeigen. Laufenlaufenlaufen. Wegwegweg. Owehoweh. Da werden bessere Tage und Nächte kommen, an denen er die Dinge ändern können würde. Er und seine Freunde würden einen Weg finden. Einen Weg. Und sie würden Helden sein nur für diesen einen Tag. Und für jeden Tag darüber hinaus. Dafür, dass sie die Dinge geändert hätten.

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