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Das Wunder am Ende der Straße Roman von Moore, Edward Kelsey (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.10.2018
  • Verlag: Limes
eBook (ePUB)
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Das Wunder am Ende der Straße

Zuhause ist dort, wo dein Herz geblieben ist ...
Als eine späte Liebe zwischen Mr. Forrest Payne, dem Besitzer des Herrenclubs zum Pinken Pantoffel, und Miss Beatrice Jordan, die gern auf dem Parkplatz ebenjenes Clubs die Besucher vor ewiger Verdammnis warnt, erblüht, ist klar, dass diese Hochzeit legendär wird. Dafür reist sogar Mr. El Walker, der berühmte Bluesgitarrist, an - obwohl er einst geschworen hat, nie wieder einen Fuß in die Stadt zu setzen. Und dann sind da noch die drei Freundinnen Clarice, Barbara Jean und Odette, besser bekannt als "Die Supremes", die sich jeden Sonntag in Earl's All-You-Can-Eat treffen, und in deren Leben es momentan auch drunter und drüber geht ...

Edward Kelsey Moore wurde 1960 in Indianapolis geboren. Er studierte Musik und Cello an der Indiana University und an der State University in New York. Er ist ein begeisterter aber unbeständiger Gärtner und ein enthusiastischer Amateur-, ehemals Profi-Barkeeper. Mrs Roosevelt und das Wunder von Earl's Diner ist sein erster Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 22.10.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641217853
    Verlag: Limes
    Originaltitel: The Supremes Sing The Happy Heartache Blues
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Das Wunder am Ende der Straße

1

E s war ein Liebeslied. Zumindest fing es so an. Der Liedtext erzählte von der Romanze zwischen einem Mann und der Frau seines Herzens. Da es ein Blues war, handelte es auch davon, wie die Frau dem Mann immer wieder das Herz brach und ihm seine Nachsichtigkeit damit vergalt, dass sie unendliches Leid in sein Leben brachte. Die wunderschöne Melodie schwoll an und ebbte ab, jede Strophe verkündete überschwängliches Glück und herzzerreißende Qual. Nirgends hätte dieses Musikstück seinem natürlichen Umfeld ferner sein können als in dieser Kirche. Doch die angenehme Traurigkeit der Melodie hallte von der Rückwand bis zum Taufstein und vom Marmorfußboden bis zum Deckengewölbe und ließ sich darin nieder, als gehörte der verzweifelte Klageruf schon immer hierher.

Während das Lied weiterging und mit jeder Zeile noch trauriger wurde, dachte ich an meine Eltern, Dora und Wilbur Jackson. Der Blues war Mamas und Papas Musik. In meiner Kindheit hörten sie sich fast jedes Wochenende abends im Wohnzimmer auf der Stereoanlage verkratzte Aufnahmen alter Blues-Songs an. Darunter hätte sich gut ein so schmerzerfüllter Trauergesang finden können, wie er nun durch die Kirche schallte. Ich konnte mich allerdings nicht erinnern, jemals etwas auch nur annähernd so Herzzerreißendes gehört zu haben.

Meine Mutter mochte ihren Blues lieber fröhlicher und ein bisschen verrucht - scheußliche Melodien, vollgepackt mit geschmacklosen Witzen über Hot Dogs, Biskuitrollen und pinke Cadillacs. Mein Vater bevorzugte düstere Balladen wie diese. Ich habe ihn nie glücklicher gesehen, als wenn er zusammengekuschelt mit meiner Mutter auf dem Sofa lag und eine Ode an den Schmerz mitsummte. Dann wippte er mit dem Kopf zum Takt der Musik, so, als würde der verzweifelte Sänger, der heiser sein Unglück hinausschrie, direkt neben ihm sitzen, und er wolle ihn aufmuntern.

Bevor sie mich ins Bett schickten, erlaubten mir meine Eltern manchmal, mich zwischen sie zu quetschen. Beide sind nun schon etliche Jahre tot, aber ihr schräger Gesang klingt noch immer in meinem Gedächtnis nach. Und da ich ihre unmelodischen Stimmen geerbt habe, erinnere ich mich immer dann an meine Eltern, wenn ich ein unglückliches Lied schmettere. Wann immer ich einen melancholischen Blues höre, spüre ich die rauen, von jahrelanger Arbeit als Zimmermann schwieligen Fingerspitzen meines Vaters über meinen Arm gleiten, als spielte er auf imaginären Saiten zwischen Ellbogen und Handgelenk einen gefühlvollen Riff.

Ich wurde immer dann zu Bett geschickt, wenn Mama der Trostlosigkeit überdrüssig wurde und sich eine Platte mit Rock 'n' Roll und Liebe anhören wollte, was für meine jungen Ohren viel zu erwachsen war.

Obwohl das Lied, das jetzt im Altarraum ertönte, für Mamas Geschmack ein bisschen zu düster gewesen wäre, hätte sie die klagende Stimme des Sängers und das Auf und Ab der Melodie geliebt. Und sie hätte dieses Lied nicht unkommentiert gelassen. Wäre sie mit mir in der Kirche gewesen, hätte sie sich mir zugewandt und erklärt: "Odette, dieser Song hätte deinem Vater gefallen. Jedes einzelne Wort weckt Todessehnsucht. Das muss ich in mein Buch schreiben."

Das "Buch" meiner Mutter war ein Kalender von Stewarts Bestattungsinstitut, den sie in ihrer Handtasche aufbewahrte. Das Deckblatt des Kalenders zeigte ein grau-weiß geschecktes Hengstfohlen und einen kleinen Jungen in einer blauen Latzhose auf einer Wiese. Beide sprangen in die Luft und sahen aus, als wären sie außer sich vor Glück. Über dem Bild stand das Wort "Freudensprünge" und darunter "Positive Gedanken für Sie und Ihre Lieben von Stewarts Bestattungsinstitut". Wann immer Mama auf etwas stieß, das ihr bemerkenswert genug für eine kleine Würdigung erschien, notierte sie es an dem entsprechenden Datum im Kalender, damit sie es nie mehr vergaß.

Mamas Buch tauchte zum ersten Mal an einem Sonntagnachmittag auf, ungefähr zehn Jahre vor ihrem Tod. Wir waren ge

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