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Deine Worte in meinem Herzen von Schiffer, Nina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.09.2017
  • Verlag: Forever
eBook (ePUB)
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Deine Worte in meinem Herzen

Ein Mädchen kämpft sich zurück ins Leben Seitdem ihr Bruder nach ihrem Autounfall im Koma liegt, spricht die 16-jährige Ella nicht mehr mit Fremden. Selbst bei der Polizei, die auf der Suche nach dem Unfallverursacher ist, bringt sie kein Wort über die Lippen. Doch da lernt sie im Krankenhaus Leonard kennen, dessen Mutter an Krebs erkrankt ist. Vom ersten Moment an ist sie fasziniert von dem Jungen, der sein Schicksal so leicht zu schultern scheint. Immer wieder kreuzen sich ihre Wege, und als es Leonards Mutter immer schlechter geht, wird Ella eins klar: Sie muss endlich wieder sprechen. Denn nur so kann sie Leonards Herz erreichen ... Eine wirklich wunderschöne und emotionale Geschichte, die mich doch so manches Mal hart schlucken ließ. - Bloggerin von Sturmhöhes Buchparadies Nina Schiffer, geboren 2001, ist noch Schülerin und lebt in der Nähe von Düsseldorf. Sie hat schon mehrere Schreibwettbewerbe gewonnen, unter anderem war sie 2017 Stipendiatin des sechsmonatigen Mentorenprogrammes des Friedrich-Bödecker-Kreises NRW. Sie wurde dabei von der Kinder- und Jugendbuchautorin Aygen-Sibel Çelik exklusiv betreut. Auf der Plattform Wattpad hat sie viele Leser mit ihren Geschichten begeistert. Sie liebt deutsche Popmusik, Schokolade und gute Bücher. Auf Instagram führt sie einen erfolgreichen Buch-Blog.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 270
    Erscheinungsdatum: 04.09.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783958182158
    Verlag: Forever
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Deine Worte in meinem Herzen

Kapitel 1

Ich lausche der Musik. 48 Tage. Ein Kopfhörer steckt in meinem Ohr, der andere in dem meines Bruders. Mein Blick fliegt über die Maschinen, die Levins Leben seit eineinhalb Monaten kontrollieren. Er hat keine Macht darüber, ob sie da sind oder nicht. Niemand hat das. Denn ohne sie würde er nicht mehr leben. Er liegt im Koma, seit genau 1140 Stunden. Und ich vermisse ihn, obwohl er doch irgendwie noch da ist und auch wenn mir sein Pfleger immer sagt, dass es so besser für ihn ist. Dieser Unfall hätte einfach nie passieren dürfen. Wenn dieser betrunkene Mann nicht in unser Auto hineingeschlittert wäre, würde Levin jetzt quietschlebendig neben mir sitzen. Dann müsste ich gar nicht hier sein. Wahrscheinlich würde er gerade zwischen einer Menge Müll in seinem Zimmer versinken und wir würden uns lauthals darüber streiten, wessen Musik schöner ist. Was würde ich alles dafür geben, dass er noch einmal mit mir darüber diskutiert. Selbst das vermisse ich. Ich möchte am liebsten gar nicht an diesen Abend zurückdenken, zu tief sitzen die Wunden, zu viel ist an diesem Abend kaputtgegangen.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass diese Monitore nur ein Alibi sind. Eigentlich steckt in Levin gar kein Leben mehr. Er atmet nur noch, weil eine Maschine es für ihn übernimmt; er isst nur noch, weil er künstlich ernährt wird. Doch ich will ihn nicht aufgeben. Ich kann ihn nicht aufgeben. Es ist so mies, dass ihn so viele sofort verabschiedet haben. Es erkundigen sich keine Freunde mehr nach ihm. Niemand meldet sich. Aber Levin lebt. Das hoffe ich zumindest.

Irgendwann wird er hören, dass ich jeden Tag hier bin und ihm Musik vorspiele. Vielleicht wird er dann ein klitzekleines Zeichen von sich geben. Das würde uns alle ein bisschen beruhigen.

Mein Blick huscht zur Tür, als diese ein Geräusch von sich gibt. Hannes, Levins Pfleger, betritt den Raum. Wie jeden Tag. Seine blauen Augen fliegen routiniert über die Bildschirme.

"Na, Ella, alles gut bei dir?", fragt er. Er schenkt mir ein freundliches Lächeln.

Ich nicke automatisch. Er weiß, dass ich mich um meinen Bruder sorge, doch es lockert die Stimmung ein wenig auf, wenn er diese Frage stellt.

"Und meinst du, bei Levin ist auch alles in Ordnung?" Er schielt auf die Maschinen. Vielleicht, vielleicht auch nicht, wer weiß das schon. Hannes geht näher an den Monitor, der Levins Herzschlag kontrolliert. Das Herz meines Bruders scheint gleichmäßig zu schlagen, genau weiß ich das aber nicht. Er kritzelt etwas auf sein Klemmbrett.

"Später kommt noch einmal der Doktor zur Kontrolle." Fünf Sekunden Pause. "Schauen deine Eltern heute vorbei?"

Ich schüttle den Kopf. Hannes hat gelernt, mir nur Fragen zu stellen, die ich mit Ja oder Nein beantworten kann. Mit einem Nicken oder einem Kopfschütteln. Es hat gedauert, bis er kapiert hat, wie unsere Kommunikation funktionieren soll, aber jetzt klappt es. Und ich freue mich immer, wenn ich ihn sehe, denn er gehört zu den wenigen Leuten, die meinen Bruder und mich noch nicht aufgegeben haben. Er glaubt daran, dass alles gut werden wird. Auch wenn er es nie ausspricht, ich sehe es in dem Glitzern seiner Augen. Vielleicht muss man so optimistisch sein, wenn man hier arbeitet, sonst hält man die psychischen Strapazen nicht aus.

Ich betrachte Levins dunkelblonde Haare und seine blassen Gesichtszüge. Man könnte meinen, er würde einfach nur schlafen, so regungslos liegt er da. Doch in seiner mageren, blassen Gestalt steckt so viel mehr. Ich vermisse seine blassblauen, strahlenden Augen und sein Lächeln mit den süßen Grübchen. Meine Augen fixieren das Muttermal auf seiner Wange, für das er sich immer geschämt hat, weil er es uncool fand, aber meine Mutter hat es immer gemocht. Wie Mütter halt so sind. Hannes steht neben mir und sieht ihn auch an. Er atmet laut, aber irgendwie beruhigt mich das. Und aus dem Augenwinkel kann ich sehen, dass er lächelt. Dieser Mann sprüht vor Optimismus.

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