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Der Buchdrucker der Medici Eine Hommage an Michael Wagner von Bauer, Christoph W. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.01.2013
  • Verlag: Haymon
eBook (ePUB)
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Der Buchdrucker der Medici

Inmitten der Wirren des Dreißigjährigen Krieges lässt sich der Buchdruckergeselle Michael Wagner in Innsbruck nieder. Wenig später hält Wagner einen Brief der Tiroler Landesfürstin Claudia de' Medici in Händen, in dem sie ihn zum Hofdrucker ernennt. Welche Zukunft liegt vor der Wagner'schen Hofdruckerei und Buchhandlung? Welche Bücher werden dort in den Regalen stehen, welche Menschen in den Geschäftsräumen ein und aus gehen? Christoph W. Bauer schickt Michael Wagner selbst auf die Reise. Er lässt ihn durch die Jahrzehnte und Jahrhunderte bis in unsere Gegenwart streifen, voller Neugier, Erstaunen und auch Befremden über die Umbrüche, denen er begegnet. Seine Chronik eines Unternehmens wird so zugleich zu einem unterhaltsamen, leichtfüßigen Streifzug durch mehrere Jahrhunderte der Geschichte des Buches und des Büchermachens. Folgen Sie dem Hofbuchdrucker auf seiner mitreißenden Tour d'Horizon durch fast 400 Jahre Geschichte: Tauchen Sie ein in das Getümmel des barocken Innsbruck, erleben Sie die Wirren des Dreißigjährigen Krieges, den Ausbruch der Pest, den Tiroler Volksaufstand 1809 und die unrühmlichen Irrwege des Ersten und Zweiten Weltkrieges aus der Sicht des Buchdruckers, der über seinem Geschäft und seinen Nachfahren wacht - und so manches Mal ungläubig den Kopf schüttelt, die Augen verschließt oder sich ärgert. Es ist eine lebendige, brillant recherchierte Alltagsgeschichte, der Christoph W. Bauer hier pulsierendes Leben einhaucht. Eine Erzählung, in der sich die großen Umbrüche und Herausforderungen der vergangenen Jahrhunderte spiegeln und nicht zuletzt ein großes Lesevergnügen, das mit spielerischer Leichtigkeit einige hundert Jahre Geschichte einfängt und erlebbar macht. Leichtfüßiger Streifzug durch die Geschichte des gedruckten Buches - gut recherchiert, eindrucksvoll erzählt, ein kurzweiliges Lesevergnügen.

Christoph W. Bauer, geboren 1968 in Kärnten, aufgewachsen in Lienz/Osttirol und Kirchberg/Tirol, lebt derzeit als Autor in Innsbruck. Lyrik, Prosa, Essay, Hörspiel ('Und immer wieder Cordoba', ORF 2006, zuletzt: 'Franzens Feste', ORF 2010), Übersetzungen. Bei Haymon: wege verzweigt. Gedichte (1999), die mobilität des wassers müsste man mieten können. Gedichte (2001), fontanalia.fragmente. Gedichte und Prosa (2003), Aufstummen. Roman (2004), AHOI! Gedichte aus 25 Jahren Haymon Verlag (Hrsg., 2007), Im Alphabet der Häuser (2007), Graubart Boulevard (2008), Als Kind war ich weise (Hrsg., 2009), Der Buchdrucker der Medici (2009), gemeinsam mit Anton Christian schweben im kopf (2010), die Gedichtbände mein lieben mein hassen mein mittendrin du (2011) und getaktet in herzstärkender fremde (2011) sowie zuletzt der Porträtband Die zweite Fremde. Zehn Jüdische Lebensbilder (2013), der Erzählband In einer Bar unter dem Meer (2013) und der Gedichtzyklus orange sind die äpfel blau (2015).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 152
    Erscheinungsdatum: 14.01.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783709974520
    Verlag: Haymon
    Größe: 1316 kBytes
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Der Buchdrucker der Medici

2

März 1639. Gäch ist tot. Als Wagner davon erfährt, gibt es kein Halten mehr. Die plötzlich gebotene Chance nicht zu nützen, nie würde er sich das verzeihen. Er informiert Hans Wolf Zech, ein Glück, dass er den Schlossherrn von Kindheitstagen an kennt. Prompt fertigt Zech die benötigen Dokumente an. Einen Geburtsbrief braucht Wagner, ohne die Beglaubigung der ehelichen Abkunft stehen die Chancen schlecht. Und jetzt nichts wie - ins Bett der Gächin.

Mitte August heiratet Wagner Maria Gäch. Der Rest ist nur noch ein formaler Akt. Wagner sucht bei der Landesfürstin um die Gewerbekonzession an. Nicht lange muss er auf Antwort warten:

"Wir, Claudia, bekhennen offentlich mit diesem Brieff und thuen kundt meniglich, demnach unns Michael Wagner von Deubach in Unnterthänigkeit zu erkennen geben, wellichermassen er auf ableiben wailand Hans Gächen, gewesten Puechdrucker und Puechfürers allhie nachgelassenen Witib in eheliche Verheyratung sich eingelassen, auch des Khunstbrauch gemeß alhero beschrieben worden, seine erlehrnte Kunsst der Puechtruckherey neben der Puechfürerey zu yeben und zu treiben vorhabens, damit er aber solche Khunst und Hantierung unverhindert exercire, uns um unseren consens" -

Wagner ist am Ziel. "Das mainen wir gnediglich", Claudia de' Medici, gegeben zu Innsbruck den 11. Oktober 1639.

Unverzüglich macht sich Wagner an die Arbeit. Als Drucker der Medici will er fortan nichts unversucht lassen, seiner Landesfürstin zur Ehre zu gereichen. Sie ist die Tochter des Großherzogs der Toskana, des Gründers der Villa Medici in Rom, halbe Sachen duldet sie nicht. Nach dem Tod ihres Mannes Leopold hat Claudia die Regentschaft übernommen. Einer der Männer, dem sie vertraut, ist Wilhelm Biener. Dem begegnet Wagner oft, mit Behörden hat er ohnehin stets zu tun. Für jeden Druck muss er den Sanctus der Obrigkeiten einholen. Gerade in religiösen Belangen ist mit Claudia nicht zu scherzen.

Neues Letternmaterial muss angeschafft werden, besser heute als morgen. Der Gäch'sche Setzkasten ist eine Katastrophe. Das erste Druckwerk, das Wagners Presse verlässt, ist eine Tragödie. Das Drama handelt vom Burgunderkönig Sigismund, der seinen Sohn erdrosseln lässt, da er in ihm einen Verschwörer vermutet. Doch schon der Untertitel des Stücks verweist auf das schlimme Schicksal, das dem strengen Katholiken Sigismund bevorsteht. Er wird von heidnischen Ostgoten kopfüber in einen Brunnen geworfen. Seitdem gilt er als christlicher Märtyrer.

Zu den Autoren der frühen Stunde gehört Hippolytus Guarinoni. Wagner stellt sich gut mit ihm, man weiß ja nie. Die Schriften des Arztes und Pfalzgrafen Guarinoni sind weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt. Im ersten Jahr seiner Innsbrucker Tätigkeit trifft Wagner auch auf einen Mann, dem er zeitlebens freundschaftlich verbunden bleiben wird: Johann Stadlmayr. Für den Komponisten und Innsbrucker Hofkapellmeister fertigt er einen Notendruck um den anderen an. Stadlmayr hatte schon mit Hans Gäch zusammengearbeitet.

In Sachen Notensatz gibt es an Gäch nichts zu bemäkeln. Auch andere Drucke seines Vorgängers findet Wagner nicht übel. Das Werk mit den Kupferstichen des Hans Sadeler ist ein wahres Meisterstück. Die Sadeler sind Wagner von Jugend an ein Begriff, vor allem Egidius Sadeler, der gebürtige Antwerpener, einer der berühmtesten Kupferstecher seiner Zeit. Stümper war Gäch keiner, als Drucker hatte er durchaus seine Qualitäten, als Mensch jedoch -

Ein stadtbekannter Feuerkopf sei Gäch gewesen, stets für einen Streit zu haben und durchaus nicht abgeneigt, die Fäuste sprechen zu lassen, schildert der Stadtapotheker. Gäch und sein Rivale Paur hätten sich derart befetzt, dass sich mitunter Menschentrauben vor den Offizinen ansammelten. Zudem habe es Gäch mit der Treue nicht immer so genau genommen. Wagner hebt abwehrend

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