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Der Bunker Roman von Berndorf, Jacques (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.04.2018
  • Verlag: KBV
eBook (ePUB)

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Der Bunker

'Der Bunker ist mein Lebensscharnier. Ohne ihn wäre ich nicht in die Eifel gekommen.' Er galt als das bestgehütete Geheimnis der Bundesrepublik: der Bunker der Bundesregierung. Abgeschirmt von der Öffentlichkeit, tief in den Weinbergen an der Ahr, plante man den Fall 'Rot'. Ein neunzehn Kilometer langes Tunnelsystem war bereit, im Ernstfall den führenden Politikern des Landes Zuflucht vor dem Atomkrieg zu bieten. Von hier aus sollten zehntausend Beamte Deutschland weiterregieren. Als Reporter hat sich Michael Preute im Jahr 1983 aufgemacht, um die Geheimnisse dieses Bauwerks zu lüften. Er kam in die Eifel und ging nicht mehr von hier fort. Er wurde zu Jacques Berndorf, dem meistgelesenen deutschen Kriminalschriftsteller. Dieses Buch erzählt die faszinierende Geschichte eines Mannes auf Spurensuche. Eine, die ihn tief in die Unterwelt führte und unvorstellbar absurde Details deutscher Geschichte zutage förderte. Das Buch war im Jahr 1984 buchstäblich der Geburtshelfer für die erfolgreichste Regionalkrimireihe aller Zeiten: der Eifel-Krimis von Jacques Berndorf. Jacques Berndorf ist das Pseudonym des 1936 in Duisburg geborenen Journalisten, Sachbuch- und Romanautors Michael Preute. Sein erster Eifel-Krimi, 'Eifel-Blues', erschien 1989. In den Folgejahren entwickelte sich daraus eine deutschlandweit überaus populäre Romanserie mit Berndorfs Hauptfigur, dem Journalisten Siggi Baumeister. Berndorf setzte mit seinen Romanen nicht nur die Eifel auf die bundesweite Krimi-Landkarte, er avancierte auch zum erfolgreichsten deutschen Kriminalschriftsteller mit mehrfacher Millionen-Auflage. 2003 erhielt er vom 'Syndikat', der Vereinigung deutschsprachiger Krimi-Autoren, den 'Ehren-Glauser' für sein Lebenswerk.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 220
    Erscheinungsdatum: 16.04.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783954414239
    Verlag: KBV
    Serie: KBV Krimi
    Originaltitel: Der Bunker der Bundesregierung
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Der Bunker

Der erste Bunker

I ch wurde 1936 geboren. Den Krieg erlebte ich mit meinen Eltern in Osnabrück. Diffuse Erinnerungen. Keine Angst. Der Weg in den Bunker ist heute noch sehr klar. Wir liefen ein Stück die Klöcknerstraße entlang, bogen rechts in eine Straße ein, deren Namen ich vergessen habe. Nach zweihundert Metern vielleicht lag linker Hand auf einem sehr großen, unbebauten Gelände der gewaltige, mehrstöckige Betonklotz des Bunkers. Gegenüber war ein Tor zu den Klöckner-Werken.

Der Bunker bedeutete erregende Betriebsamkeit, hier traf ich meine Spielkameraden. Keine Angst, eher verdichtete der Bunker die wilden Spiele der Kindheit. Da war die Ursula Richthoff, die ich heiß und innig liebte, ein dunkelhaariges, großäugiges Mädchen. Ich erinnere mich genau, dass die mit Strohsäcken belegten Betten im Bunker zweistöckig waren, dass die Ursula hoch oben auf dem Bett in der rechten hinteren Ecke kauerte, dass ich begeistert zu ihr kletterte, dass sie wie eine kleine, sehr perfekte Mami mit mir spielte. Das Spiel hieß 'Mensch-ärgere-dich-nicht'. Sie ließ es nicht zu, dass ich verlor, ich hätte es wohl auch nicht ertragen. Ich habe sie geliebt, ich weiß nicht, wo sie jetzt ist, und ob sie sich in gleicher Weise erinnert. Möglich, dass etwas von den Schrecken dieser Zeit in ihre Seele gekrochen ist, sie war zwei oder drei Jahre älter als ich. Es ist eine sanfte, gute Erinnerung. Zuweilen besuchte ich Ursula im Nebenhaus. Sie hockte auf einem Sessel im behaglichen Wohnzimmer und spielte Blockflöte. Weihnachtslieder übte sie, und sie war mein Rattenfänger.

Ihr Bruder Egon war einige Jahre älter, in meiner Erinnerung ein sehr großer starker Junge, den ich maßlos bewunderte. Er hatte ein Privileg, das der Himmel für mich war. Er durfte eine dunkle Uniform tragen und nannte sich Hitlerjunge. Sehr energisch, sehr hart, sehr bestimmend. Deutlich ist dieses Bild in mir: ich lauerte im Kinderzimmer hinter der Gardine, bis er in seiner strengen dunklen Kluft auf der Straße erschien, ein Mann, der zweifellos den Geruch von Gefahr an sich hatte. Dann rannte ich hinaus. So konnte die Geschichte mit den Holunderbeeren geschehen, die mich stolz machte.

Egon besaß ein Luftgewehr. Mir schien dieses Ding ein Zauberstab zu sein. Er sagte solche Sätze: "Bald werde ich ein richtiges Gewehr haben und auf unsere Feinde schießen!" Ein wenig breitbeinig stand er auf der Straße, stets umgeben von Bewunderern und nichts war für mich so berauschend wie sein Satz: "Michael, du darfst das Gewehr halten."

Vor den Klöckner-Werken war ein hoher Bretterzaun. Wir wussten, dass dahinter russische Kriegsgefangene lebten, die ihre kargen Rationen durch Basteleien aufbesserten. Sie sägten aus Sperrholz Flugzeuge aus und bemalten sie, vornehmlich Stukas. Es war schön, diese hölzernen Todesboten zu besitzen.

Egon sagte: "Wer Mut hat, soll sich an den Bretterzaun stellen."

Niemand hatte Mut. Da sagte er: "Ich wette, der Michael ist ein ganzer Kerl." Ich bemühte mich, ein ganzer Kerl zu sein und stellte mich an den Zaun. "Mach die Beine breit!", sagte Egon. Ich machte die Beine breit und fühlte im Rücken die Bretter des Zaunes. "Ich habe keine Kugeln für das Luftgewehr", sagte Egon. "Ich schieße mit diesen kleinen grünen Holunderbeeren. Genau zwischen deine Beine. Hast du Angst?" O ja, ich hatte sehr viel Angst, aber ich bewunderte ihn und dachte wohl, es sei nicht der Augenblick, Angst zu haben. Eine Männersache. Er lud das Gewehr und zielte auf irgendeinen Punkt zwischen meinen Beinen. Dann schoss er und traf mich sicher in den rechten Oberschenkel. Es schmerzte. Er lud erneut und sagte: "Der Michael ist ein echter deutscher Junge." Ich blieb also mit gespreizten Beinen stehen und duldete es klaglos, dass er ein zweites Mal schoss. Er traf.

Viele Jahre später habe ich

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