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Der Codex der Macht Historischer Roman von Martin, Sabine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.09.2018
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
8,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Der Codex der Macht

Ein Buch, von Engeln geschrieben, in einer Sprache, die kein Mensch zu lesen weiß. Es heißt, es enthalte ein Rezept für Gold - und für einen Trank, der selbst Schwerkranke heilt. Die Mächtigen tun alles, um es in die Hände zu bekommen. Henricus, ein erfahrener Medicus, weiß diese Gier für sich zu nutzen. Er bittet seine Gehilfin Emilia, den Codex für ihn zu fälschen - nicht ahnend, dass sie diesen nicht mit Fantasiewörtern füllt, sondern mit dem medizinischen Wissen ihrer Zeit. Und sie allein verfügt über den Code ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 474
    Erscheinungsdatum: 28.09.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732556540
    Verlag: Bastei Lübbe AG
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Der Codex der Macht

R ostock, M ecklenburg

Es war noch dunkel, als Emilia mit Henricus den Karren durch die Gassen zum Hafen zog. Nur wenige Menschen begegneten ihnen, und obwohl Emilia wusste, dass Nikolaus am Vorabend nach Schwerin aufgebrochen war, erwartete sie an jeder Biegung, ihm gegenüberzustehen.

Die Begegnung nach all den Jahren hatte eine Mischung aus Freude, Angst und Wehmut in ihr wachgerufen und noch etwas anderes, das sie nicht näher zu ergründen wagte. Noch Stunden später, als sie auf dem Lager kein Auge zubekam, hatten ihre Finger gezittert. Und auch wenn sie sich eingeredet hatte, dass es die Furcht vor der Seereise war, wusste sie doch, dass zumindest ein Teil ihrer Aufregung nichts mit der Fahrt ins Unbekannte in der Gesellschaft von grobschlächtigen Seeleuten zu tun hatte, sondern mit Nikolaus von Brunn und seinen eindringlichen grünen Augen.

Endlich erreichten sie den Hafen. Auf den fünf Koggen, die heute gemeinsam in See stechen sollten, herrschte bereits geschäftiges Treiben. Letzte Waren und Proviant wurden an Bord gebracht, die Segel wurden gehisst.

Der Kapitän der Santa Eulalia erwartete sie mit in die Hüften gestemmten Händen. "Da sind ja meine Gäste", donnerte er aufgeräumt.

Er wies zwei seiner Männer an, Henricus dabei zu helfen, die Räder von dem Karren zu montieren und ihn an Bord zu schaffen. Dann wandte er sich an Emilia.

"Ich habe für Euch Platz im Proviantraum geschaffen, eine kleine Ecke mit ein paar Decken abhängen lassen, damit Ihr Ruhe vor den Männern habt. Sonderlich bequem ist es nicht, aber Ihr seid ja gewohnt, mit wenig auszukommen." Er blickte zu Henricus, der gerade das letzte Rad vom Karren löste.

"Habt Dank", erwiderte Emilia. "Ich bin sicher, dass für alles gesorgt ist."

Ein Räuspern ertönte hinter ihnen. Als Emilia sich umdrehte, entdeckte sie den dürren Kaufmann, dem das Schiff gehörte. Er trug einen schweren Pelzmantel, Handschuhe und eine Mütze aus Samt.

Ungeduldig winkte er zwei Burschen, die eine schwere Kiste an Bord trugen. "Macht schon, ihr faules Gesindel, in die Kapitänskajüte damit!" Er klatschte in die Hände und folgte den Knechten an Bord, ohne Emilia und den Kapitän eines Blickes zu würdigen.

"Reist der Herr mit uns?", fragte Emilia.

"So ist es. Josephus Havelmann gehört das Schiff, deshalb ist er in der Kapitänskajüte untergebracht."

"Und Ihr?"

"Macht Euch um mich keine Sorgen." Kapitän Gutson lachte. "Ich finde schon ein Plätzchen." Er blickte in den Himmel. "Der Wind steht günstig, wir sollten machen, dass wir fortkommen. Mit etwas Glück schaffen wir es bis zum Abend nach Bornholm."

Als Emilia hinter dem Kapitän über die schmale Planke an Bord balancierte, spürte sie die Augen der Männer auf sich. Sie musste ihre ganze Willenskraft aufwenden, um nicht umzudrehen und davonzulaufen.

Der Kapitän befahl einem seiner Leute, ihr und Henricus den Weg in den Proviantraum zu zeigen. Er lag unter Deck im Vorschiff, war über eine Leiter von der Kombüse aus zu erreichen. In der Mitte des Proviantraums war eine Luke in den Boden eingelassen, durch die es in das Kabelgatt hinabging, wo Werkzeug, Tauwerk und Segeltuch aufbewahrt wurden. Der Proviantraum war gefüllt mit Fässern und Kisten. Nur die Nische zwischen der Leiter und der Rückwand, die an die Laderäume grenzte, war ausgespart. Hier hingen zwei Decken. Dahinter lagen zwei einfache Strohsäcke. Eine Laterne war an der Wand befestigt, in der ein Talglicht flackerte. Es roch nach Seetang und Tran.

Emilia warf ihr Bündel auf den Boden und ließ sich auf dem Strohsack nieder. Plötzlich brannten Tränen in ihren Augen. Groß war der Unterschied nicht zwischen diesem Ort und dem Kerker von Wasdow. Würde sie ihre Heimat je wiedersehen? Würde sie je wieder als Grafentochter auf einer Burg leben, von einer Zofe versorgt, von Köchen bekocht und von Dienern bewirtet? Oder war das hier n

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