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Der Feldzug der Rache Historischer Roman von Schumacher, J. M. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.06.2015
  • Verlag: Bergischer Verlag
eBook (ePUB)
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Der Feldzug der Rache

Erzbischof Engelbert, Usurpator, Reichsverweser und meistgehasster Mann seiner Zeit, wird am 7. November 1225 ermordet. Seine Leiche weist (als historische Tatsache) fünfzig Hieb- und Stichwunden auf. Thomas, nicht gerade ein erklärter Freund des Erzbischofs, gerät in den Kreis der Verdächtigen, sein Hof wird niedergebrannt, seine Kinder werden verschleppt. Um seine Unschuld zu beweisen und den Fall aufzuklären, verfolgt er den wahren Mörder, Friedrich von Isenberg, bis nach Rom und zurück nach Köln, wo dieser ein Jahr später vor dem Severinstor auf dem Rad hingerichtet wird. Doch die wahren Hintermänner drohen ungeschoren davonzukommen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 648
    Erscheinungsdatum: 29.06.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783943886917
    Verlag: Bergischer Verlag
    Größe: 1856 kBytes
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Der Feldzug der Rache

2. Buch

In Köln, 14. November 1226

Noch immer hatte der Verurteilte keinen einzigen Laut von sich gegeben. Stattdessen johlte die Menschenmenge umso lauter, je näher sie der Hinrichtungsstätte kam. Längst hatte der rumpelnde Karren mit dem in Ketten gelegten Delinquenten darauf das Severinstor mit der trutzigen Vorburg passiert und hielt nun auf den Judenbüchel zu. Seit Jahrhunderten wurde der alte jüdische Friedhof auch als Hinrichtungsstätte genutzt. Die ins Jenseits beförderten Verurteilten hier, sozusagen in ungeweihter Erde, zu verscharren, sollte als zusätzliche Abschreckung dienen. Doch hatte diese gängige Praxis längst ihren Schrecken verloren, denn wer hier hingerichtet wurde, hatte meist nicht genug Mittel, um sich überhaupt ein Begräbnis leisten zu können. Für diese ärmsten unter den gerichteten Verbrechern stellte der Judenbüchel gewissermaßen ihre letzte Zufluchtsstätte dar. Und das war besser als nichts. Der Verurteilte auf dem Karren hätte sich ein Begräbnis leisten können, sogar ein deutlich besseres als alle anderen, die man hier jemals abgeurteilt hatte und wohl auch in Zukunft aburteilen würde. Zumindest hatte er das einmal gekonnt, als er noch als Graf mit Frau und Kindern auf seiner als uneinnehmbar geltenden Burg oberhalb der Ruhr gethront hatte. Gut, die Frau hatte einen Buckel gehabt, aber sie war einer der mächtigsten Familien des deutschen Adels entsprungen. Das hatte vieles wettgemacht. Aber auch damit war es nun vorbei. Wahrscheinlich wünschte er sich jetzt, er könnte noch einmal mit ihr das eheliche Lager in der zugigen Kemenate teilen. Aber daraus würde nichts werden, denn stattdessen hatte der einstige Graf nun eine Verabredung mit dem Henker. Doch statt zu wimmern oder um Gnade zu flehen, wie viele es taten, wenn sie einmal der Richtstätte ansichtig wurden, blieb der in Ketten gelegte Edelmann die Ruhe selbst. Und wieder fragte sich der unter seiner Kapuze unsichtbare Beobachter im Hintergrund, ob hier der wahre Mörder – denn um einen solchen sollte es sich handeln – seiner Hinrichtung entgegensah. Er fragte sich das auch noch, als das mit Blei überzogene Rad auf und ab sprang und begann, die Knochen des Verurteilten zu zermalmen. Der jedoch ließ noch immer keinen Schmerzenslaut über seine Lippen kommen.

In Norditalien, Frühjahr 1226

Mit schweren, schlurfenden Schritten schleppte sich eine letzte Pilgerschar an diesem Tag den windigen Gebirgspass hinauf, der den Übergang von der Alpennordseite ins südlich gelegene Italien ermöglichte. Da die Sonne schon tief hinter den westlichen Gipfeln stand, ebbte der Strom der Reisenden, die sich den ganzen Tag über zu Fuß, mit Eseln oder Saumpferden ihren Weg über die bereits arg zerfallene, uralte Straße bahnten, langsam ab. Die sechs Gestalten, die sich zum Schutz gegen den jetzt am Abend auffrischenden Wind in dunkle Umhänge gehüllt hatten, waren mit deutlich besseren Reittieren ausgerüstet, führten diese aber zumeist am Zügel, weil der Weg zu beschwerlich war, um im Sattel zu bleiben. Auch ohne Reiter hatten die Pferde reichlich Mühe, den starken Anstieg zu bewältigen und auf dem schmalen, steinigen Pfad Halt zu finden, der sich in Serpentinen den Berg hinaufwand. Früher hatte hier eine gut befestigte Römerstraße einen festen Tritt ermöglicht, doch unzählige, einst sauber verlegte Pflastersteine hatten sich über die Jahrhunderte unter den steten Schritten Abertausender von Pilgern, Händlern und Soldaten gelöst und waren talwärts gerollt. Nur an einigen wenigen Stellen vermittelten teilweise erhaltene Straßenabschnitte noch einen vagen Eindruck vom einstigen Glanz der Via Imperii, über die d

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