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Der Feuerbock Jugendroman von Ohle, Bent (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.09.2013
  • Verlag: Landwirtschaftsverlag
eBook (ePUB)
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Der Feuerbock

Schule und Familie interessieren Andreas wenig, man ist letztlich ja doch immer auf sich gestellt. Seine Lieblingsbeschäftigung heißt deshalb 'Carcrash', bei dem es darum geht, im Schutz der Berliner Nacht Autos zu knacken, sich an der Geschwindigkeit zu berauschen und es am Ende in Flammen aufgehen zu lassen. Nach einer abgesessenen Jugendstrafe schließlich reicht es seiner Mutter: Andreas wird zu seinem Onkel und seiner Cousine Anna aufs Land geschickt. Endlose Äcker, stinkendes Vieh und Arbeit über Arbeit - so hatte sich Andreas seinen Sommer nicht vorgestellt. Kein Wunder, dass er so schnell wie möglich abhauen will. Doch plötzlich ist da Annas Geschichte, die Andreas irgendwo tief drinnen berührt. Und plötzlich ist zwischen Kornfeld und Kuhstall ein Gefühl von Freiheit, das er nie gekannt hat. Und als Andreas beginnt, sein Leben neu zu finden, steht plötzlich die Scheune lichterloh in Flammen und seine Vergangenheit holt ihn ein... Bent Ohle, Jahrgang 1973, aufgewachsen in Wolfenbüttel, studierte nach dem Abitur zunächst an der Universität Osnabrück Sozialwissenschaften, Italienisch und Englisch. Danach wechselte er an die Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam-Babelsberg und schloss dort das Studium der Film- und Fernsehdramaturgie ab. Bent Ohle ist Vater zweier Söhne und lebt als freier Autor mit seiner Familie in Braunschweig.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 180
    Erscheinungsdatum: 01.09.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783784390123
    Verlag: Landwirtschaftsverlag
    Größe: 2631 kBytes
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Der Feuerbock

5. Kapitel

Sie stiegen aus und fanden sich auf einer Straße vor einem alten Kloster wieder. Andreas konnte zwei riesige Türme erkennen, die über einem massiven roten Backsteinbau zu schweben schienen. Die kleinen Fenster blickten ihn wie Augen an, schwarz wie Kohle und ebenso leblos. Das Kloster glich mehr einer Festung, fand Andreas, oder vielleicht einem Gefängnis. Er hielt nach einem rotgesichtigen, übergewichtigen Mann Ausschau mit schlecht geschnittenen, blonden strohigen Haaren und Gummistiefeln. Umso überraschter war er, als seine Mutter einem Mann zuwinkte, der aussah wie ein Lehrer oder wie ein Buchhändler.

"Norbert!", rief seine Mutter und freute sich, ihren Cousin wiederzusehen. Norbert war schlank, blass und trug eine Brille mit dünnem Drahtgestell. In seinem Poloshirt und den Jeans sah er noch sehr jung und sportlich aus. Das Einzige, was ihn als Bauer und nicht als Lehrer identifizierte, waren seine großen Hände, die für seine Statur viel zu massig waren. Er kam lächelnd auf sie zu, und als er Andreas' Mutter von Nahem sah, konnte man ihm ansehen, dass er sein Lächeln nur mit Mühe aufrechterhalten konnte. Andreas bemerkte es, seine Mutter bemerkte es und schämte sich sogleich für ihr Aussehen. Norbert war gerade mal zwei Jahre jünger als sie, doch wenn man sie jetzt zusammen sah, hätte man den Altersunterschied auf fast fünfzehn Jahre geschätzt. Norbert umarmte Andreas' Mutter.

"Hallo, Iris! Schön, dich zu sehen!"

"Hallo!", sagte sie verlegen. Norbert drehte sich zu Andreas, der mit auf den Boden gerichtetem Blick und vorgestreckter Stirn vor ihm stand, als wolle er ihn rammen. Der Junge wollte ihn nicht ansehen. Also würde es auch zwecklos sein, ihm die Hand zu reichen. Da wusste Norbert, dass es keine gute Idee gewesen war, auf Iris' Bitte einzugehen. Er hatte sich

etwas Hilfe von einem jungen Mann erwartet, die er dringend gebrauchen konnte auf seinem Hof. Eine zusätzliche Arbeitskraft in der Weizen-ernte. Doch Andreas trug eine Aura von Lustlosigkeit und Desinteresse wie einen Kokon mit sich herum. Und da war noch etwas. Aggressivität. Er schwitzte sie förmlich aus. Sie glitzerte auf seiner Stirn, die er wie ein Stier in der Arena auf Norbert gerichtet hatte.

"Na, dann lasst uns mal fahren! Ich steh gleich da vorne!" Er deutete auf einen großen schwarzen staubigen Jeep mit chromfarbenen Stoßfängern. Zum ersten Mal schienen sich Andreas' Gesichtszüge aus ihrer Starre zu lösen, und sein Blick wurde klarer. Wenigstens der Jeep gefällt ihm, dachte Norbert, und sie setzten sich alle drei in den Wagen.

Die Fahrt mit dem Jeep dauerte noch mal zwanzig Minuten. Sie fuhren über Landstraßen, die nach jedem Abbiegen immer kleiner wurden, bis schließlich sogar der Mittelstreifen verschwand und die Fahrbahn nur noch so breit war, dass auch wirklich nur ein einziges Auto darauf hätte fahren können. Übelkeit überkam Andreas. Er wusste nicht, ob das noch die Auswirkungen von gestern Nacht waren oder ob diese Gegend hier ihn so deprimierte, dass es ihm auf den Magen schlug. Norbert unterhielt sich mit Iris, zeigte ihr andere Höfe seiner Freunde hier im Umkreis und blickte sie immer wieder über den Rückspiegel an. Andreas, der auf dem Beifahrersitz saß, sagte die gesamte Fahrt über kein Wort. Er starrte nur auf die weite nichtssagende Landschaft. Das hier war das Ende der Welt. Das ödeste, langweiligste Ende, das man sich vorstellen konnte.

Norbert setzte den Blinker und bog in eine kleine Einfahrt ein, die brückenartig über einen Entwässerungsgraben führte. Sie hielten mitten auf dem Hof.

"So, da w&a

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