text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Der Glanz eines neuen Tages Roman von Dillon, Lucy (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.12.2018
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Ab 17.12.2018 per Download lieferbar

Online verfügbar

Der Glanz eines neuen Tages

Die junge Lorna arbeitet ehrenamtlich in einem Hospiz in London. Zuletzt hat sie die exzentrische Betty gepflegt, die ihr zwei Dinge mit auf den Weg gab: den Rat, dem Leben mit Mut zu begegnen, und ihren Dackel Rudy. Und so wagt Lorna einen Neuanfang und kehrt mit Rudy zurück in ihre Heimat Longhampton, wo sie sich den Traum einer eigenen Galerie erfüllen möchte. Doch in Longhampton lauern auch die Geister der Vergangenheit: Hier zerbrach ihre Familie und auch ihre Jugendliebe, die sie nie vergessen konnte. Erst als Lorna die ältere menschenscheue Künstlerin Joyce bei sich aufnimmt, erfüllt sich das Leben beider Frauen mit neuem Glanz.

Lucy Dillon kommt aus Cumbria, einer Grafschaft im Nordwesten Englands. Sie studierte Englische Literatur in Cambridge und lebt heute mit ihren zwei Hunden, einem alten Range Rover und viel zu vielen Büchern in einem Dorf in der Nähe von Hereford.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 544
    Erscheinungsdatum: 17.12.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641232658
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: Where the Light Gets in
Weiterlesen weniger lesen

Der Glanz eines neuen Tages

Prolog

Betty Dunlop hatte keine Angst vor dem Tod. Andererseits hat sie auch keine Angst vor der Luftwaffe, dem Kalten Krieg, der Gefahr eines nuklearen Winters, Salmonellen, Cholesterin oder einem ihrer unterschiedlich grässlichen Ehemänner gehabt.

Lorna Larkham war nicht so entspannt. Je näher sich der Tod an Bettys Bett im St-Agnes-Hospiz heranschlich, desto schneller schlug ihr das Herz in der Brust, und zwar so heftig, dass sie ihre Beine krampfhaft still halten musste, um nicht aufzuspringen und aus dem Zimmer zu rennen.

Die alte Reise-Uhr schien stehen geblieben zu sein. War es möglich, dass es erst sieben war? Lorna war um sechs gekommen, um die Schicht ihres Ehrenamts anzutreten. Die Stationsschwester hatte sie abgefangen, noch bevor sie ihre Jacke ausgezogen hatte, und Lorna darauf vorbereitet, dass Betty - die in der Woche zuvor dreiundneunzig geworden war, ihr Haar aber immer noch mit Lockenwicklern aufdrehte und mit Haarspray in Form brachte - in der Nacht immens abgebaut hatte.

"Uns war sofort klar, dass irgendetwas nicht stimmt, als sie nicht nach ihrem Kakao geklingelt hat." Beim Anblick von Lornas panischer Miene hatte die Schwester ihr eine Hand auf den Arm gelegt. "Sie weilt noch unter uns. Lassen Sie einfach die Musik laufen und reden Sie weiter, auch wenn sie nicht antwortet. Lassen Sie Betty spüren, dass sie nicht allein ist. Ich bin am anderen Ende der Station, falls Sie mich brauchen."

Jetzt ließ Lorna unauffällig ihr Strickzeug sinken, um Bettys schwere Augenlider zu betrachten. Stricken war auch Bettys Hobby gewesen; sie hatten darüber gesprochen, als Lorna zum ersten Mal gekommen war, um ihr ein Stündchen Gesellschaft zu leisten. Lorna brachte immer ihren Strickbeutel mit ins Hospiz. Sie hatte festgestellt, dass das rhythmische Klappern die Momente des Schweigens überbrückte, wenn die Patienten in einen Dämmerschlaf fielen. Für viele war das ein vertrauter Klang, eine Kindheitserinnerung an Mütter und Tanten, die stopften und strickten und munter plauderten. Während eine Reihe nach der anderen entstand, schien der Charakter der alten Damen ins Strickmuster einzufließen. Später stiegen dann unvermittelt Erinnerungen auf und ließen angesichts bestimmter Wollreste Junes wissende Augen oder Mabels Seidenblumen lebendig werden. Betty, das war jetzt schon klar, würde nicht mehr vom Perlmuster zu trennen sein: stark strukturiert und von einem grellen Grün, das Lorna mit dem sauberen Geruch von Pears-Seife verband. Sie wollte ihr Strickzeug gerade umdrehen, als eine kaum merkliche Bewegung ihren Blick auf sich zog.

Rudy, Bettys Dackel, hatte sich in seinem Körbchen geregt. Draußen war ein prächtiger weißer Mond hinter einer Wolke hervorgetreten. Unvermittelt fühlte sich der Raum kühler an, als hätte jemand das Fenster geöffnet.

Lornas Herz klopfte ihr bis zum Hals, lebendig, heiß und entschlossen. Die Musik - ein banales klassisches Stück, das eine der Pflegerinnen ausgewählt hatte - war verstummt, aber Betty atmete nicht aus.

Mit jedem Summen der elektrischen Wechseldruckmatratze schnürte sich Lornas Brustkorb stärker zusammen. War das der letzte Atemzug? Oder dieser ? Sie blinzelte und hielt nach Indizien Ausschau, die sie eigentlich gar nicht wahrhaben wollte. Die Pflegerinnen hatten Lorna darauf vorbereitet, was es hieß, dem Ende eines Lebens beizuwohnen, aber bislang hatte sie es nie erlebt, nicht wirklich. Die Sekunden erstarrten im Raum, dann bewegten sich die Laken über Bettys eingefallenem Körper, und das Leben ging weiter. Vorerst.

Lorna stieß Luft aus, ein zittriges Echo von Bettys Atem, und berührte vorsichtig die fleckige Hand auf der Bettdecke. Sie spürte, wie sich die Haut unter ihrem Finger bewegte, weich und durchscheinend. Bis vor Kurzem hätte Lorna nicht geglaubt, dass der Tod Betty je ereilen würde. Sie hatte so leuchtende Augen und nahm an allem so regen Anteil, selbst im Hospiz

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen