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Der indische Fächer von Holt, Victoria (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.08.2014
  • Verlag: Edel Elements
eBook (ePUB)
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Der indische Fächer

Der prächtige, mit Edelsteinen besetzte indische Pfauenfederfächer soll, so heißt es, Unglück über seine Besitzerinnen bringen. Dass durchaus etwas Wahres an der Geschichte ist, muss auch die junge Engländerin Lady Lavinia erfahren, die 1857 bei Unruhen in Indien auf grausame Weise ums Leben kommt. Ihre Freundin und Begleiterin, die nicht besonders attraktive, jedoch hoch intelligente Pfarrerstochter Deborah, erbt den blutbefleckten Fächer von Lady Lavinia. Sie will den unheilvollen Bann brechen - und ist entschlossen, das Schicksal herauszufordern ... Victoria Holt, die Meistererzählerin des Unheimlichen, verbindet in diesem aufregenden Roman ein Höchstmaß an Spannung mit einer romantischen Handlung, die den Leser bis zur letzten Seite fesselt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 15.08.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955305062
    Verlag: Edel Elements
    Größe: 1518 kBytes
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Der indische Fächer

ENGLAND UND FRANKREICH

Das große Haus

Das große Haus Framling hatte schon immer eine starke Anziehungskraft auf mich ausgeübt. Vielleicht begann es damit, daß ich mit zwei Jahren von Fabian Framling entführt und zwei Wochen dort festgehalten worden war. Daß das Haus voller Schatten und Geheimnisse steckte, erfuhr ich später, als ich den Pfauenfederfächer entdeckte. In den langen Huren, auf der Galerie, in den stillen Räumen schien einen die Vergangenheit aus allen Winkeln anzugrinsen, als wolle sie sich heimtückisch der Gegenwart bemächtigen, um sie auszulöschen, was ihr allerdings niemals vollends gelang.

Solange ich zurückdenken kann, hatte Lady Harriet Framling über unser Dorf geherrscht. Die Landarbeiter, die respektvoll an den Straßenrand traten, wenn die Kutsche mit dem majestätischen Wappen der Familie vorüberrollte, berührten grüßend die Stirn, und die Frauen versanken in einen ehrerbietigen Knicks. Sie sprachen im Flüsterton von ihr, als fürchteten sie, ihren Namen zu beschmutzen. In meinem kindlichen Gemüt kam sie der Königin gleich und hatte nur Gott über sich. Kein Wunder, daß ich, als ihr Sohn Fabian mir befahl, seine Sklavin zu sein - ich war damals erst sechs Jahre alt - , nicht widersprach. Es schien nur natürlich, daß wir Leute von niederem Stande dem großen Haus auf jede Weise dienten.

Das große Haus - allgemein "das Haus" genannt, als seien die Behausungen, die wir übrigen bewohnten, etwas anderes - hieß Framling; nicht Framling Hall oder Framling Manor, sondern schlicht Framling. Es war seit hundert Jahren im Besitz dieser Familie. Lady Harriet hatte sich gnädig herabgelassen, in die Familie einzuheiraten, war sie doch die Tochter eines Grafen. Das durfte man niemals vergessen; sie hatte wahrhaftig unter ihrem Stande geheiratet, als sie die Gemahlin eines bloßen Barons wurde. Er war längst tot, der Ärmste, aber ich hörte erzählen, daß sie ihn stets an ihren höheren Rang erinnert hatte, und obwohl sie erst als Braut ins Dorf gekommen war, hielt sie es seitdem für ihre Pflicht, über uns zu herrschen.

Die Ehe war jahrelang unfruchtbar geblieben - sehr zum Leidwesen Lady Harriets. Ich nehme an, sie beklagte sich unentwegt bei Gott dem Allmächtigen bitterlich über ein solches Versehen; doch selbst der Himmel konnte Lady Harriet nicht ewig übergehen, und mit vierzig Jahren, fünfzehn Jahre nach ihrem Hochzeitstag, schenkte sie Fabian das Leben.

Ihre Freude war grenzenlos. Sie betete den Knaben an. Es war nur logisch, daß ihr Sohn vollkommen war. Allen seinen Launen mußten die Bediensteten stattgeben, und die Dienerschaft der Framlings verbreitete, daß Lady Harriet nachsichtig über jede kindliche Missetat lächelte.

Vier Jahre nach Fabian wurde Lavinia geboren. Obwohl sie als Mädchen ihrem Bruder im Range etwas nachstand, war sie als Lady Harriets Tochter dem Rest der Gemeinde weit überlegen. Es amüsierte mich stets, Lady Harriet die Kirche betreten und durch den Mittelgang schreiten zu sehen, gefolgt von Fabian, hinter dem wiederum Lavinia ging. Ehrfürchtig beobachtet, nahmen sie ihre Plätze ein und knieten auf den rotschwarzen, mit dem Buchstaben bestickten Polstern nieder; und die Leute hinter ihnen durften Zeugen des erstaunlichen Schauspiels sein, wie Lady Harriet vor einer höheren Macht kniete - ein Erlebnis, das alles wettmachte, woran es dem Gottesdienst ansonsten mangeln mochte.

Ich starrte die drei verwundert an und vergaß, daß ich in der Kirche kniete, bis ich mich, durch einen Stups von Polly Green ermahnt, auf die Andacht besann.

Das Haus Framling beherr

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