text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Der japanische Liebhaber Roman von Allende, Isabel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.09.2015
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
10,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Der japanische Liebhaber

Für Irina ist der neue Job ein Glücksfall. Die junge Frau soll für die Millionärin Alma Belasco als Assistentin arbeiten. Mit einem Schlag ist sie nicht nur ihre Geldsorgen los, sondern gewinnt auch eine Freundin, wie sie noch keine hatte: extravagant, überbordend, mitreißend und an die achtzig. Doch bald spürt sie, dass Alma verwundet ist. Eine Wunde, die nur vergessen scheint, wenn eines der edlen Kuverts im Postfach liegt. Aber wer schreibt Woche um Woche diese Liebesbriefe? Und von wem stammen all die Blumen? Auch um sich von den eigenen Lebenssorgen abzulenken, folgt Irina den Spuren, und es beginnt eine abenteuerliche Reise bis weit in die Vergangenheit. Isabel Allende erzählt von Freundschaft und der unentrinnbaren Kraft einer lebenslangen Liebe. Davon, wie Zeit und Zwänge über eine solche Liebe hinweggehen und sie verwandeln, in Verbundenheit, Wehmut und ein leises Staunen - darüber, schon so lange gemeinsam unterwegs zu sein. Isabel Allende, 1942 in Chile geboren, ging nach Pinochets Militärputsch 1973 ins Exil. Die Erinnerungen ihrer Familie, die untrennbar mit der Geschichte ihres Landes verwoben sind, verarbeitete sie in dem Weltbestseller Das Geisterhaus . Allende zählt zu den meistgelesenen Autorinnen weltweit, ihr gesamtes Werk erscheint auf Deutsch im Suhrkamp Verlag.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 06.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518741757
    Verlag: Suhrkamp
    Originaltitel: El amante japonés
    Größe: 5417 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Der japanische Liebhaber

Lark House

A ls sie mit der Arbeit in Lark House am Stadtrand von Berkeley begann, war Irina Bazili gerade dreiundzwanzig geworden und wenig zuversichtlich, denn seit acht Jahren stolperte sie von Job zu Job und von einer Stadt in die nächste. Sie hätte sich nicht träumen lassen, dass sie hier in dieser Seniorenresidenz den perfekten Ort für sich finden würde und in den kommenden drei Jahren so glücklich werden sollte, wie sie es zuletzt in Kindertagen gewesen war. Lark House war in den Fünfzigern als würdige Wohnstatt für alte, nicht sehr begüterte Menschen eröffnet worden und hatte aus ungeklärten Gründen schon zu Beginn vor allem linke Intellektuelle, entschlossene Esoteriker und wenig erfolgreiche Künstler angezogen. Mit der Zeit war vieles hier anders geworden, die Kosten für den Aufenthalt richteten sich aber wie eh und je nach den Einkommensverhältnissen der Bewohner, was theoretisch für ein breiteres Spektrum an Hautfarben und Herkunftsmilieus hätte sorgen sollen. Tatsächlich lebten in Lark House durchweg Weiße aus der Mittelschicht, und die Vielfalt beschränkte sich auf feine Unterschiede zwischen Freidenkern, Suchenden auf spirituellen Pfaden, Sozial- und Ökoaktivisten, Nihilisten und einigen wenigen Hippies, die in der Bay Area von San Francisco noch am Leben waren.

In ihrem ersten Gespräch wies Hans Voigt, der Leiter der Einrichtung, Irina darauf hin, sie sei zu jung für eine derart verantwortungsvolle Tätigkeit, da jedoch für die offene Stelle in der Verwaltung und bei der Betreuung dringend jemand gebraucht werde, könne sie übergangsweise bleiben, bis die geeignete Person gefunden wäre. Irina dachte, dasselbe ließe sich von ihm sagen, schließlich sah er aus wie ein vorzeitig kahl gewordener, pausbäckiger Junge, für den die Leitung einer solchen Einrichtung bestimmt eine Nummer zu groß war. Mit der Zeit sollte sie allerdings feststellen, dass Voigts Erscheinung aus der Entfernung und bei schlechter Beleuchtung trog, tatsächlich war er vierundfünfzig Jahre alt und ein ausgezeichneter Geschäftsführer. Irina versicherte ihm, auch wenn sie keine Ausbildung in dem Bereich vorweisen könne, habe sie in ihrer Heimat Moldawien doch eine Menge Erfahrung im Umgang mit alten Leuten gesammelt.

Vom schüchternen Lächeln der Bewerberin milde gestimmt, vergaß der Geschäftsführer seine Frage nach einem Empfehlungsschreiben und begann, ihr die Pflichten aufzuzählen, die mit der Stelle einhergingen und die kurz gesagt darin bestanden, den Bewohnern von Haus zwei und Haus drei das Leben zu erleichtern. Die in Haus eins mussten Irina nicht kümmern, sie lebten als selbständige Mieter in einem Gebäude mit kleinen Apartments, und auch für Haus vier, treffend "Paradies" genannt, weil man dort auf seinen Eintritt ins Himmelreich wartete, würde Irina nicht zuständig sein, denn dessen Bewohner verbrachten die meiste Zeit in einem Dämmerzustand und brauchten fachkundige Betreuung. Irinas Aufgabe würde es sein, ihre Schützlinge zum Arzt zu begleiten, zum Anwalt oder Steuerberater, ihnen mit den Formularen für Krankenversicherung und Steuer zu helfen, mit ihnen einkaufen zu gehen und sie auch sonst im Alltag zu unterstützen. Mit den Bewohnern des Paradieses würde sie nur insofern zu tun haben, als sie ihre Beisetzung zu organisieren hätte, aber dazu werde sie jeweils detaillierte Informationen bekommen, versicherte ihr Hans Voigt, denn die Wünsche der Sterbenden deckten sich nicht immer mit denen der Angehörigen. Die Menschen in Lark House hingen den unterschiedlichsten Glaubensvorstellungen an, weshalb sich die Beisetzungen öfter zu komplizierten ökumenischen Zeremonien auswuchsen.

Nur die Angestellten in der Hauswirtschaft, das Pflegepersonal und die Krankenschwestern trügen einheitliche Arbeitskleidung, erklärte der Geschäftsführer, die übrigen Beschäftigten hielten sich aber stillschweigend an die Kleiderordnung; Anstand und Geschmack seien ob

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen