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Der lachende Mann - Vollständige Ausgabe von Hugo, Victor (eBook)

  • Verlag: Books on Demand
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Der lachende Mann - Vollständige Ausgabe

"Er war das Erzeugnis des Verhängnisses und der Vorsehung. Das Unglück hatte seine Hand auf ihn gelegt und das Glück auch. Zwei entgegengesetzte Schicksale bildeten sein seltsames Los. Ein Fluch lag auf ihm und ein Segen. Er war verworfen und auserwählt. Wer war er? Er wusste es nicht. Wenn er sich betrachtete, so sah er einen Unbekannten. Aber dieser Unbekannte war grausig. Gwynplaine lebte wie in einem Zustande des Geköpftseins; er trug ein Gesicht, das ihm nicht gehörte. Dies Gesicht war schrecklich, so schrecklich, dass es amüsant war. Er erregte solche Furcht, dass er Lachen erregte. Er war ein teuflischer Possenreißer." Der zehnjährige Gwynplaine, seines väterlichen Erbes beraubt, grausam entstellt und während eines Schneesturms am Strand ausgesetzt, überlebt wider alles Erwarten. Bei einem umherziehenden Gaukler findet er ein Zuhause, wächst heran, wird zum Publikumsmagneten und begegnet seiner großen Liebe. Doch dann bricht das Unerwartete über ihn herein ... Eingehüllt in eine Anklage gegen die Ungerechtigkeit und Ungleichheit in Großbritanniens politischem System, entfaltet sich anhand der Geschichte des jungen Gwynplaine ein philosophisches Meisterwerk voller Menschenkenntnis und Lebenserfahrung, die exemplarische Schilderung einer tragischen Entwicklung, eines Mannes, der unschuldig zum Spielball seines Geschickes wird. Vollständige Ausgabe, 4 Bände in einem Band. Sorgfältig mit dem französischen Original abgeglichene und sprachlich schonend überarbeitete Neuausgabe der Übersetzung von Georg Büchmann aus dem Jahre 1869.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 524
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783744867009
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 711 kBytes
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Der lachende Mann - Vollständige Ausgabe

Erstes Buch.
Die Nacht nicht so schwarz als der Mensch.

I.
Die Südspitze von Portland.

W ÄHREND des ganzen Dezembers 1689 und während des ganzen Januars 1690 wehte ein hartnäckiger Nordwind ohne Aufhören auf dem europäischen Festlande und noch heftiger über England. Daher jene unglückselige Kälte, derentwegen dieser Wind am Rande der alten Bibel der presbyterianischen Kapelle der Non-Jurors in London als "denkwürdig für die Armen" bezeichnet ist. Dank der brauchbaren Festigkeit des alten monarchischen, zu den offiziellen Registern verwendeten Pergaments sind noch heute lange Listen von verhungerten und verkommenen Armen in vielen lokalen Amtsstuben zu lesen, namentlich in den Pfründenverzeichnissen des Clink Liberty Gerichts des Fleckens Southwark, des Pie Powder Court, was so viel heißt als Gericht der staubigen Füße und in dem Whitechapel-Gericht, das im Dorfe Stapney vom Amtmann des Grundherrn abgehalten wurde. Die Themse fror zu, was höchstens einmal in einem Jahrhundert vorkommt, weil die Eisbildung daselbst wegen der Flut schwierig ist. Auf dem zugefrorenen Flusse rollten Wägen; auf der Themse wurde ein Jahrmarkt mit Zelten, Bärenhetzen und Stiergefechten abgehalten; man briet einen ganzen Ochsen auf dem Eise. Diese Dichtigkeit der Eisrinde dauerte zwei Monate. Das traurige Jahr 1690 übertraf an Strenge der Kälte selbst die berühmten Winter des Anfangs des 17. Jahrhunderts, die mit so großer Genauigkeit vom Doktor Gideon Delaun beobachtet worden sind, dem die Stadt London als Hofapotheker Jakobs des Ersten eine Büste auf einem Piedestal errichtet hat.

Eines Abends, am Ende eines der eisigsten Tage jenes Monats Januar 1690 ging in einer der zahlreichen ungastlichen Buchten der Portland Bay etwas Ungewöhnliches vor, was die Möwen und Enten veranlaßte, kreischend am Eingange umherzukreisen, da sie sich nicht hineinwagten. In dieser Bucht, bei gewissen Winden der allergefährlichsten und folglich der einsamsten der Bay, die gerade ihrer Gefährlichkeit wegen Schiffen zusagt, die sich zu verbergen wünschen, war ein kleines Fahrzeug ganz dicht an der hohen Küste, was wegen der Tiefe des Wassers möglich war, an einen Felszacken festgebunden. Man sagt mit Unrecht: die Nacht bricht ein; man sollte sagen: die Nacht bricht auf; denn die Dunkelheit steigt von der Erde empor. Unten an der Küste war es bereits Nacht, oben war es noch Tag. Wer sich dem angebundenen Fahrzeug genähert hätte, würde darin eine biscayische Urca erkannt haben.

Die Sonne, welche den ganzen Tag in Nebel gehüllt gewesen war, war soeben untergegangen. Man begann jene tiefe und finstere Angst zu empfinden, die man die Angst der abwesenden Sonne nennen könnte.

Da der Wind nicht von der See hinein wehte, so war das Wasser in der Bucht ruhig.

So etwas war namentlich im Winter eine glückliche Ausnahme. Fast alle Buchten Portlands sind Fluthäfen, d. h. die See tritt nur zur Flutzeit in dieselben. Bei schlimmem Wetter ist das Meer daselbst sehr aufgeregt, und es erfordert jedes Mal Geschicklichkeit und Erfahrung, sicher darauf loszufahren. Diese kleinen Häfen, die es mehr dem Anschein nach als in Wirklichkeit sind, leisten schlechte Dienste. Die Einfahrt ist schrecklich und die Ausfahrt fürchterlich. An diesem Abend war ausnahmsweise keine Gefahr vorhanden.

Die biscayische Urca ist ein jetzt aus der Mode gekommenes Fahrzeug. Sie hat sich nützlich erwiesen, selbst zum Kriegsdienst. Es war ein kräftiges Fahrzeug, der Ausdehnung nach eine Barke, der Stärke nach ein Schiff. Sie spielte eine Rolle in der Armada. In der Tat erreichte die zur Kriegsflotte bestimmte Urca einen ansehnlichen Tonnengehalt, wie denn das Admiralschiff "Der große Greif", auf dem Lope de Medina kommandierte, einen Tonnengehalt von 650 Tonnen hatte und vierzig Kanonen führte; aber die zur Kauffahrt und zum Schmuggelhandel eingerichtete Urca

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