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Der Mittelstürmer Die Geschichte eines schwulen Profi Fussballers von Altman, Julian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.01.2012
  • Verlag: Bruno Gmünder Verlag
eBook (ePUB)
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Der Mittelstürmer

Marc Kliff ist Profi-Fußballer. Er erklimmt die Karriereleiter geradezu im Sturm. Er lebt nur für seinen Sport und den Erfolg, dabei vernachlässigt er sein Privatleben vollständig. Dahinter steckt ein Verdrängungsprozess, denn Marc fühlt sich zu Männern hingezogen. In der homophoben Welt des Fußballs ist für ihn an ein Coming-out eben nicht zu denken. Der innere und äußere Druck, unter dem der jungen Mann steht, führt dann aber doch zu einem Ausbruch, den es im deutschen Mannschaftssport so noch nicht gegeben hat. Diese mutige Geschichte eines Tabubruchs um den Fußballstar Marc Kliff erscheint zusammen mit Texten von Vertretern des internationalen Spitzensports.

Julian Altmann studierte in der Schweiz und in Los Angeles. Zwölf Jahre lang arbeitete er als Schauspieler und Regisseur in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien. Seit zehn Jahren ist er als Personality Coach in den Bereichen Medien, Sport, Wirtschaft und Politik tätig.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 01.01.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783867872652
    Verlag: Bruno Gmünder Verlag
    Größe: 296 kBytes
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Der Mittelstürmer

1. Buch

1.

Es roch nach Chlor und altem Schweiß. Der Raum war dampfig, dunkel und wirkte wie eine Halle aus einer anderen Zeit. Darin verteilt saßen gelangweilt fremde Männer. Alte ungepflegte Männer. Sie starrten ihn ohne Scham an. Marc wollte aufzustehen, aber er war gelähmt. Jeder Versuch zu fliehen misslang. Da spürte er eine raue Hand auf seinem Oberschenkel. Warum konnte er seine Beine nicht bewegen? Angst durchfuhr seinen Körper. Angst und Ekel. Am liebsten hätte er geschrien, aber jeder Laut blieb ihm im Hals stecken. Langsam näherten sich die Gestalten und streckten ihre gierigen Hände nach ihm aus. Er wollt sich wehren. Doch jede Kraftanstrengung zerrann wie der feuchte Nebel um ihn herum. Die Situation wurde immer unerträglicher. Er rang nach Luft, doch er schaffte es nicht auszuatmen.

In einem seltsamen Wachschlaf wälzte sich Marc unruhig hin und her. Er hatte Schwierigkeiten, seine Augen zu öffnen. Von draußen hörte man die quietschenden Reifen eines Busses. Schweiß rann ihm über die Stirn und über seinen Oberkörper, bildete einen kleinen See in seiner Nabelöffnung. Wieder und wieder zwang er sich, seine Augen zu öffnen. Erst mal nur eins, hoffte er. Nur ein kleiner verschwommener Schein. Ja! Endlich erkannte er eine der Wände in seinem Schlafzimmer. Zwischen den Schatten der Jalousien tauchten die schemenhaften Umrisse eines Bildes auf. Anfangs nur schwarz-weiß. Die Konturen wurden schärfer. Schließlich nahm er das Bild wahr. Merkwürdigerweise konnte er es aber nicht deuten.

Marc versuchte, sich aufzurichten. Ein stechender Schmerz durchzuckte seinen Kopf. Der Schmerz half ihm ein wenig mehr, zu sich zu kommen. Nun nahm er das Bild ganz real wahr. Kokospalmen, Meer und ein kleiner Junge in einem Wollpullover.

Panik erfüllte ihn. War heute nicht der ersehnte Tag? Mit einem Ruck setzte er sich auf und hielt nach seinem Handy Ausschau. Verdammt, wie spät ist es? Er schaute sich um. Ein Berg von Taschen, ein Koffer und, überall verstreut, seine Klamotten.

Vorsichtig tastete er sich ins Bad und trat dort in seine eigene Kotze. Scheiße! Er suchte einen Lappen. Er konnte nicht anders und musste schmunzeln, als er den Boden sauber wischte. Heute war endlich der Tag, auf den er so lange schon gewartet hatte.

Am Vorabend hatten sie den DFB-Pokal gefeiert. Langsam kamen die Erinnerungen zurück. So unwohl wie in der letzten Saison hatte er sich während seiner gesamten Fußballerkarriere noch nicht gefühlt. Derart besoffen wie gestern Abend war er wahrscheinlich noch nie gewesen. Gott sei Dank hatte ihn sein Teamkollege René nach Hause gebracht, obwohl er es hasst, wenn andere Kollegen in seine Wohnung kamen. Sein Blick streifte den Badspiegel, und er erschrak. Sein rotblondes Haar hing fettig in sein fahles Gesicht. Schnell stellte er sich unter die Dusche und ließ heißes Wasser über seinen geschundenen Körper laufen.

Freiheit! Auszeit für seine Zerrungen und Prellungen. Das Wasser weichte seine Gedanken auf. "Soll ich mir noch einen runterholen?", fragte er sich laut, da hörte er den Weckruf seines Handys. Dieses verdammte kleine Ding! Mit einem Halbständer tappte er aus der Dusche und holte das Gerät aus seiner Hose, die wie eine Leiche im Vorzimmer lag. Er stellte die Weckfunktion aus.

Koh Samui. Heute war der Tag, an dem Marc in seine alte Heimat reiste. Er hatte seine ersten 16 Jahre mit seinen Eltern dort verbracht. Immer wenn er sich an diese Zeit erinnerte, verspürte er ein Gefühl von Geborgenheit. Das Meer, die Sonne, die Art, wie die Menschen miteinander umgingen, all dies war seine wahre Heimat.

Pass, Geldbörse, Tickets, Handy, zwei Taschen. Es läutete. Das Taxi. Draußen schlug ihm ein kühler Wind entgegen. Der Taxifahrer machte keine Anstalten auszusteigen. Marc überlegte, ob er sich ärgern sollte. Fand aber, dass das Wetter dieses Verhalten wohl rechtfertigte. Er setzte sich nach hinten und schloss die Augen. Glücklich und zufrie

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