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Der Palast der Meere Ein Waringham-Roman von Gablé, Rebecca (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.09.2015
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Der Palast der Meere

London 1560: Als Spionin der Krone fällt Eleanor of Waringham im Konflikt zwischen der protestantischen Königin Elizabeth I. und der katholischen Schottin Mary Stewart eine gefährliche Aufgabe zu. Ihr fünfzehnjähriger Bruder Isaac soll unterdessen das Erbe des Hauses Waringham antreten. Aber Isaac flieht und schleicht sich als blinder Passagier auf ein Schiff. Nach seiner Entdeckung nimmt ihn der junge Matrose Francis Drake unter seine Fittiche, doch bei einem Stopp auf der Insel Teneriffa verkauft Kapitän und Freibeuter John Hawkins ihn als Sklaven an spanische Pflanzer. Erst nach zwei Jahren kommt Isaac wieder frei - unter der Bedingung, dass er erneut in Hawkins' Dienst tritt. Zu spät merkt Isaac, dass Hawkins sich als Sklavenhändler betätigt - und dass sein Weg noch lange nicht zurück nach England führt ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 957
    Erscheinungsdatum: 10.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732511808
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Serie: John of Waringham Bd.5
    Größe: 8567 kBytes
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Der Palast der Meere

Greenwich, März 1560

"Aber irgendwen muss sie heiraten, Mylady", sagte Don Álvaro de la Quadra, der spanische Gesandte. Es klang beschwörend.

Eleanor of Waringham zog die linke Braue in den Höhe. "Irgendwen?"

"Natürlich wäre es die beste Lösung gewesen, sie hätte sich für Seine Majestät, meinen Herrn König Felipe, entschieden, der ihr Schwager und immer ein Freund der Engländer war, aber ..." De la Quadra brach kopfschüttelnd ab.

"Aber König Felipe war des Wartens müde und hat eine französische Prinzessin genommen, darum ist es jetzt wirklich müßig, davon zu reden, nicht wahr?", bemerkte Eleanor. Sie sagte es mit leisem Spott. Verschmitzt, hätte man meinen können. Denn der spanische Gesandte sollte nicht merken, wie besorgt man am englischen Hof über Felipes eheliche Verbindung mit Frankreich war.

Ein zweistimmiges Lachen ließ sie beide aufschauen. Die Königin stand ein wenig außer Atem vor ihrem Tanzpartner. "Wollt Ihr wohl achtgeben, Ihr unmusikalischer Klotz!", schalt sie. "Wenn Ihr die Schritte nicht auswendig kennt, müsst Ihr eben zählen. Oder war es Eure Absicht, Eurer Königin den Hals zu brechen?"

Robin Dudley verneigte sich. "Ich ersuche untertänigst, mir die Antwort zu erlassen", erwiderte er frech.

Elizabeth schlug ihm mit dem Fächer vor die Brust - nicht gerade sanft. "Gleich noch einmal", befahl sie, und auf ihr Zeichen setzten die Musiker wieder ein. Dudley legte die Hände um ihre Taille, sie die Linke auf seine Schulter, und er hob die Königin zu einer Drehung, als wiege sie nicht mehr als ein Strohhalm. Als er sie absetzte, fanden ihre Hände zueinander, und dieses Mal klappte die komplizierte Wende ohne Pannen.

Elizabeths Augen strahlten.

Dudley setzte zur nächsten Hebefigur an, sodass der Lord Chamberlain und der Lord Treasurer ihm eilig Platz machen mussten.

"Aber die Königin kann doch unmöglich daran denken, ihn zum Gemahl zu nehmen", wisperte de la Quadra.

"Wie kommt Ihr nur darauf, Exzellenz?", gab Eleanor zurück, ohne den Blick von den Tänzern abzuwenden. "Ganz abgesehen von allem anderen, hat Robin Dudley bereits eine Gemahlin."

Der Gesandte schnaubte diskret. "In diesem Land sind Scheidungen doch leichter zu erwirken als Weiderechte ..."

Eleanor wandte den Kopf und schaute ihm in die Augen. Sie hielt jeden Ausdruck aus ihrem Gesicht fern und sagte nichts. Schweigen, hatte sie gelernt, konnte manchmal mehr sagen als tausend Worte, und so war es auch dieses Mal: Dem spanischen Gesandten fiel plötzlich siedend heiß ein, dass auch Eleanors Eltern sich hatten scheiden lassen. Seine Taktlosigkeit beschämte ihn so sehr, dass er errötete. Eleanor verbuchte das als persönlichen Triumph, denn Diplomaten sah man nicht gerade oft erröten.

Für einen winzigen Moment berührte sie seinen Ärmel, um ihm zu bedeuten, dass ihm verziehen war. Dann vertraute sie ihm an: "Sie ist sich ihrer Lage sehr wohl bewusst, seid versichert. Ihr mögt die Königin für flatterhaft halten, Exzellenz, oder gar für verantwortungslos, weil sie sich noch für keinen Bräutigam entschieden hat. Aber sie ist weder das eine noch das andere."

"Natürlich nicht", pflichtete er ihr hastig bei, aber sie hörte, dass er nicht überzeugt war.

Kühl und grau ging der Tag vor den Fenstern des Presence Chamber zur Neige, und Regen begann gegen die Butzenscheiben zu klimpern. Die Diener gingen umher und zündeten eine verschwenderische Zahl von Kerzen an, sodass die Brokatgewänder und Juwelen der Höflinge zu funkeln begannen.

Wie meistens verbrachte Elizabeth den Nachmittag auch heute hier in der großen Audienzhalle, empfing Gesandte, Lords, Bischöfe oder andere wichtige Gentlemen, um sich ihre Anliegen oder Berichte anzuhören. Es war ein ansprechender, wundervoll ausgestatteter Raum und in der kalten Jahreszeit immer ausreichend beheizt, aber alle Anwesenden im Presence Chamber mussten stehen - und zw

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