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Der Professor von Brontë, Charlotte (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.03.2016
  • Verlag: ars vivendi
eBook (ePUB)
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Der Professor

Nach dem Tod seiner Eltern geht der etwas naive junge Professor William Crimsworth nach Brüssel, um dort sein Glück zu machen. Er tritt eine Stelle als Lehrer an der von Mademoiselle Reuter geführten Mädchenschule an. Obwohl die Dame älter ist als er, verliebt er sich in sie und schmiedet bereits Pläne für eine gemeinsame Zukunft - bis er ein Gespräch belauscht, das ihre Verlobung mit einem anderen Mann offenbart. Ernüchtert wendet William sich von ihr ab. Doch als er einige Zeit später für die junge Lehrerin Frances Henri entflammt, schürt dies den Unmut von Mademoiselle Reuter, die gekränkt versucht, einen Keil zwischen die Liebenden zu treiben ... Der erste Roman Charlotte Brontës in bibliophiler Ausstattung zum 200. Geburtstag der Weltautorin am 21. April 2016.

Charlotte Brontë (1816-1855), die älteste und berühmteste der drei Brontë-Schwestern, wuchs mit ihren Geschwistern in der weltabgeschiedenen Pfarrei ihres Vaters in der kargen Hügellandschaft der Moore Yorkshires auf. Berühmt wurde sie mit dem Roman Jane Eyre, den sie 1847 unter Pseudonym veröffentlichte. Brontë starb ein Jahr nach ihrer Hochzeit mit 39 an Tuberkulose.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 300
    Erscheinungsdatum: 11.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783869134598
    Verlag: ars vivendi
    Größe: 1318 kBytes
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Der Professor

I

EINFÜHRUNG

Als ich kürzlich meine Papiere durchsah, fand ich in meinem Schreibtisch die nachfolgende Kopie eines Briefes, den ich ein Jahr zuvor an einen alten Schulfreund geschrieben hatte:

"LIEBER CHARLES, - ich glaube, dass zu der Zeit, als Du und ich zusammen in Eton waren, keiner von uns beiden das gewesen ist, was man als einen 'populären Charakter' bezeichnen könnte. Du warst ein sarkastisches, wachsames, streitlustiges, kaltblütiges Subjekt; mein eigenes Porträt will ich gar nicht erst zu zeichnen versuchen, aber ich kann mich nicht erinnern, von auffallender Attraktivität gewesen zu sein, oder? Von welch hypnotischem Magnetismus 6 wir beide gegenseitig angezogen wurden, weiß ich nicht; mit Sicherheit verspürte ich nichts von einem Pylades-und-Orestes 7 -Gefühl Dir gegenüber, und ich habe Grund anzunehmen, dass Du Deinerseits gleichermaßen frei von allen romantischen Schwingungen mir gegenüber warst. Dennoch: Außerhalb der Unterrichtsstunden gingen wir beständig zusammen spazieren und unterhielten uns. Wenn der Gegenstand unserer Unterhaltung unsere Kameraden oder Lehrer waren, verstanden wir einander, und wenn ich auf etwas zu sprechen kam, das mit Gefühl und Zuneigung zu tun hatte, mit einer unbestimmten Liebe gegenüber einem besonders auffallenden oder schönen Objekt in der belebten oder unbelebten Natur, dann hat mich Deine sardonische Kälte nicht berührt. Über solche Brüskierungen fühlte ich mich damals schon erhaben und tue das auch jetzt noch.

Viel Zeit ist vergangen, seit ich Dir geschrieben, und noch mehr Zeit, seit ich Dich gesehen habe. Als ich kürzlich aus Zufall eine Zeitung aus Deiner Grafschaft in die Hand nahm, fiel mein Blick auf Deinen Namen. Ich fing an, der alten Zeiten zu gedenken, all das durchzugehen, was sich ereignet hat, seit wir uns trennten, und ich setzte mich hin und begann diesen Brief. Wie es Dir seither ergangen ist, weiß ich nicht; aber falls es Dir beliebt zuzuhören, sollst Du erfahren, wie das Leben mit mir umgesprungen ist.

Nach meinem Weggang aus Eton hatte ich zunächst eine Unterredung mit meinen Onkeln mütterlicherseits, Lord Tynedale und dem Ehrenwerten John Seacombe. Sie fragten mich, ob ich nicht eine geistliche Laufbahn einschlagen wolle, und mein adeliger Onkel offerierte mir für diesen Fall die Pfründe von Seacombe, über die er verfügen darf; danach deutete mein anderer Onkel, Mr Seacombe, an, dass ich, würde ich Pfarrer in Seacombe-cum-Scaife werden, eventuell die Erlaubnis erhielte, als Herrin meines Hauses und Vorsteherin meiner Gemeinde eine meiner sechs Cousinen zu nehmen, die seine Töchter sind und die ich allesamt nicht ausstehen kann.

Ich lehnte beides ab, die geistliche Laufbahn und die Ehe. Ein guter Kirchenmann ist etwas Gutes, aber ich wäre ein sehr schlechter geworden. Was die Ehefrau angeht: Schon der Gedanke, lebenslänglich an eine meiner Cousinen gebunden zu sein, ist wie ein Albtraum! Kein Zweifel, sie sind gebildet und hübsch; aber weder ihre Bildung noch ihre Reize bringen in meinem Innern auch nur eine Saite zum Schwingen. Sich vorzustellen, die Winterabende am Wohnzimmerkamin des Pfarrhauses in Seacombe alleine mit einer von ihnen - zum Beispiel mit der großen und gut gebauten Statue Sarah - zu verbringen: nein. Unter diesen Umständen würde ich ein genauso schlechter Ehemann wie Geistlicher sein.

Als ich die Angebote meiner Onkel abgelehnt hatte, fragten sie mich, 'was ich zu tun beabsichtigte'. Ich sagte, dass ich darüber nachdenken würde. Sie erinnerten mich daran, dass ich keinerlei Vermögen hatte und auch keines in Aussicht, und nach einer beträchtlichen Pause verlangte Lord Tynedale streng zu wissen, ob ich daran dächte, 'den Fußstapfen meines Vaters zu folgen und Kaufmann zu werden'. Solcherlei Gedanken hatte ich nicht gehegt. Ich glaube nicht, dass ich die Begabung habe, einen guten Kaufmann abzugeben; mei

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