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Der Rangierbahnhof von Böhlau, Helene (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.05.2015
  • Verlag: RUTHebooks
eBook (ePUB)
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Der Rangierbahnhof

Helene Böhlau - Der Rangierbahnhof

'Der Rangierbahnhof' ist ein Roman der Autorin Helene Böhlau.

Im letzten Winkel des Reichs' dort' wo aus dem bayrischen Allgäu die niedrigen Pässe nach Vorarlberg führen' liegt lautlose Dämmerung. Gewaltige Schneemassen bedecken das Hochtal und mitten drin liegt in einer erstarrten Welt' von Schnee halb begraben' ein warmes Nest' das einsame Gehöft Rohrmoos ...

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Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 200
    Erscheinungsdatum: 15.05.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783959231374
    Verlag: RUTHebooks
    Größe: 302kBytes
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Der Rangierbahnhof

Erstes Kapitel

Im letzten Winkel des Reichs' dort' wo aus dem bayrischen Allgäu die niedrigen Pässe nach Vorarlberg führen' liegt lautlose Dämmerung. Gewaltige Schneemassen bedecken das Hochtal und mitten drin liegt in einer erstarrten Welt' von Schnee halb begraben' ein warmes Nest' das einsame Gehöft Rohrmoos.

Über der weitausgedehnten Felsenmasse' die das Hochtal östlich begrenzt' schimmert der erste Tagesschein' der verkündet' daß hier über die Herrgottswände' die wie ein leichter' grauer Schatten aus dem Dämmerlicht sich abheben' die Sonne' wenn ihre Stunde gekommen ist' schauen wird. Erde und Himmel weiß' die ganze Atmosphäre wie aus zarten Eiskristallen gewoben.

Die unabsehbaren Schneemassen' die festgewurzelte Kälte' die eisige Dämmerung' all' diese kalten lebensfeindlichen Mächte umgeben das warme Nest mit solch unheimlicher Gewalt' als gelte es' diesen Unterschlupf von allerlei pulsierenden Leben aufzusaugen' jeden Tropfen' der sich dort birgt' zu erstarren. Alles aber' was sich auf dem dämmerigen Hof regt' atmet einen Überfluß von Wärme und Leben.

Aus den eisüberzogenen Stallfenstern fällt der rotgelbe Schein der Laternen' bei deren Licht schon seit Stunden in den Ställen und draußen auf dem zertretenen' strohuntermischten Schnee hantiert wird.

Wird eine Tür geöffnet' so quillt warmer Dampf in die Kalte hinaus und mit ihm die Brummchöre des Viehs.

Auf der Miststatt dampft es. Die Pfosten' welche das Erzeugnis des ansehnlichen Rohrmooser Viehstandes umgeben' sind durch diese warmen Dämpfe' die die großen Schneehauben auf ihnen tauen ließen' mit fußdicken bräunlichen Eiskrusten überzogen' die in sonderbaren Zapfen herunterhängen. Aus der großen Futterscheune duftet es nach gut eingebrachtem Heu und der Geruch kräftiger Sommertage strömt in den starren Wintermorgen hinaus. Die Mägde und Knechte laufen über den Hof' blasen in die Hände und strömen auch warmen Dunst und Dampf aus' der sich ihnen als weißer Reif an Haar und Mütze festsetzt.

Alles was lebt' dampft auf Rohrmoos; die Pferde' die ein Knecht anschirrt' blasen ganze Wolken aus ihren Nüstern' hüllen sich damit gegenseitig ein' so daß ihnen Mähnen' Köpfe und Leiber wie in wogendem Nebel stecken.

An den großen' verdeckten Milchgefäßen' die aus den Ställen in die Molkerei geschafft werden' dampft das feuchtwarme Holz; jeder feuchte Strohhalm' der von den Knechten und Mägden aus den Ställen hinaus in den Schnee verschleppt wird' läßt ein Weilchen eine zierlich sich ringelnde Dunstsäule wie ein kleines Opfer emporsteigen.

Alles lebt der großen meilenweiten Schneewucht zum Trotz doppelt mächtig.

In der einfachen Stube des Wohnhauses sitzen vier Personen bei der Lampe' deren Schein jetzt schon von der Tagesdämmerung geschwächt wird' die weißbläulich zu den breiten Fenstern des Zimmers eindringt.

Schinken' Eier' frische Butter' Schwarzbrot und eine summende' brodelnde Kaffeemaschine stehen auf dem weißgedeckten Frühstückstisch und vier Personen sitzen daran. Ludwig Gastelmeier' einst Pächter' jetzt Besitzer von Rohrmoos' schaut nachdenklich vor sich hin' während er mit einem Fidibus die Pfeife anzündet.

Er ist ein gedrungener Mann' der in einer mächtigen braungehäckelten Weste steckt. Man denkt unwillkürlich bei feinem Anblick an allerlei Strapazen und Hantierungen' wie sie zu landwirtschaftlichem Betriebe gehören.

Sein Sohn Friedrich' der neben der Mutter und einem jungen' blonden Frauenzimmer sitzt' gleicht ihm. Er ist einen guten Kopf kleiner als der Vater' doch auch breit' gedrungen gebaut. Die Augen sind die Augen des Alten' nur hat sich eine fleischigere Nase zwischen dieselben geschoben' so daß sie nicht so nah zu einander haben rücken können' wie die des Vaters.

Der Mund hat dieselbe feuchte Frische' die auf den Lippen des Alten liegt' und die dem Gesicht ein merkwürdig lebensvolles Ansehen gibt.

Niemand spricht

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