text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Der Säugling und andere Tragikomödien Satirische Kurzgeschichten von Schmitz, Hermann H. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.02.2016
  • Verlag: Verlag 28 Eichen
eBook (ePUB)
12,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Der Säugling und andere Tragikomödien

Es ist möglich, sehr leicht möglich, daß man eines Tages unter ein Auto oder die Elektrische kommt, oder daß einem der Propeller eines Luftschiffes oder ein Geraniumtopf aus der dritten Etage auf den Kopf fällt, oder daß man von einer Hutnadel aufgespießt wird oder sich über eine Dame im Hosenrock kaputtlacht oder auf irgendeine andere Weise einen plötzlichen Tod findet. Man kann nie wissen. Und es wäre wirklich ein Verlust für die medizinische Wissenschaft, wenn mein Fall unbekannt bliebe. Darum halte ich es als fanatischer Arbeiter an dem großen Werk der menschlichen Erkenntnis und Aufklärung für meine Pflicht, meinen Fall in Nachstehendem niederzulegen. Auf Anfragen von Ärzten wegen einer eingehenden Untersuchung gebe ich keine Antwort. Ich lasse mich nicht untersuchen, ich bin nämlich wahnsinnig kitzlig. - Hermann Harry Schmitz, 12.7.1880 (Düsseldorf) - 8.8.1913 (Bad Münster am Stein), absolvierte eine Kaufmannslehre und wurde mit satirischem bis schwarzem Humor zur literarischen Düsseldorfer Lokalgröße, die er im Simplizissimus, vos allem aber im Düsseldorfer General-Anzeiger publizierte und als Conférencier selbst vortrug. Eine unheilbare TB trieb ihn in den Selbstmord.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 23.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960270027
    Verlag: Verlag 28 Eichen
    Größe: 347 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Der Säugling und andere Tragikomödien

Was so in der Familie vor sich geht

Der Säugling

Gott, das war schon eine maßlose Aufregung und ein unglaubliches Durcheinander bei Beckers! Es wurde das erste Baby erwartet. Schon seit Wochen harrte man gespannt darauf; es hätte schon lange da sein müssen.

Tante Tine aus dem Westfälischen, Tante Meta aus Düren, Tante Hucklenbroich aus Gladbach, Barbara Tröpfeli, eine unendlich ferne Verwandte aus dem Breisgau, Mutze Mandel, die Patin von Frau Becker, sie alle hatte es auf das Gerücht von dem bei Beckers zu erwartenden Ereignis nicht länger mehr in ihrer Heimat gehalten, und sie hatten sich eine nach der anderen bei Beckers zum Logierbesuch eingefunden. Sie führten ein für einen längeren Aufenthalt vorgesehenes umfangreiches Gepäck mit sich. Außerdem brachte eine jede, mit Ausnahme von Mutze Mandel, eine monumentale Amme aus ihrer Gegend mit.

Herr Becker war im allgemeinen ein Mann von einer gewissen Energie. Er konnte heroisch werden, wenn der Bäckerjunge zu spät mit den Brötchen kam oder der Kohlenmann sich die Füße nicht abgeputzt hatte.

Aber mit jeder Tante, die bei ihm einzog, schwand sein Mannesmut mehr und mehr.

Tante Tine mit fünf großen Koffern und einer Amme hatte er als ersten Besuch harmlos, ohne Ahnung der folgenden Serie, süßsauer lächelnd, aber höflich entgegengenommen. Er erkannte den guten Willen der Tante an. Edle Beweggründe, ein schönes Menschenmitleid, ein blutsverwandtschaftliches Mitempfinden mochten sie veranlaßt haben, herbeizueilen.

Tante Meta mit acht Koffern und wieder einer Amme bekam schon einen weniger milden Empfang. Aber richtig grob und deutlich wagte Herr Becker nicht zu werden. Tante Meta war nämlich wohlhabend, und Beckers kamen als Erben in Frage.

Als Tante Hucklenbroich aber eines Tages mit einer Burg von Koffern und Körben und einer kolossalen Amme vor seinem Hause stand, war es mit seiner Selbstbeherrschung aus, und er ließ sich zu einigen häßlichen Bemerkungen hinreißen.

Da kam er aber schlecht an bei Tante Hucklenbroich.

Ob er wohl meine, man verlasse sein liebes Gladbach, sein gemütliches Gladbach und mache die anstrengende Reise zum Vergnügen oder gar seinetwe-gen? Da irre er sich aber gewaltig! Nur ihre Pflicht als Verwandte, als Tante habe sie dazu getrieben. Ja, ja. Wer solle sonst der armen, unwissenden Mutter beistehen und sie beraten? Und woher bekäme er hier in der Stadt eine solche Amme, wie sie eine mitgebracht? Hä. Sie bliebe hier und wiche nicht, da könne er machen, was er wolle. Außerdem habe sie das gleiche Recht hier im Hause wie die beiden anderen Tanten. Und übrigens seien bei so was nie Hände genug.

So hatte den zukünftigen Vater die Tante Hucklenbroich angefahren und drohend und bestimmt mit ihrem Schirm - mit einem Storchenknopf aus Elfenbein als Griff - auf den Boden gestoßen.

Herr Becker war ganz klein geworden und hatte nur noch verzweifelt zu stöhnen gewagt. "Aber die Ammen - die Ammen! Wir haben ja auch schon eine engagiert, die bei uns wohnt!"

"Und wenn es nun Zwillinge werden? Oder gar Drillinge, hä? Was dann?" So hatte ihn Tante Hucklenbroich überlegen angeschrien. Und ihre Amme sei eine Kapitalsamme, und sie bestehe darauf, daß sie verwandt würde. Gegen ihre Amme kämen die anderen Tanten nicht an.

Herr Becker resignierte kleinlaut, und als Barbara Tröpfeli mit einer Unmasse von Koffern und mit einer Amme, die aussah wie eine Festung, eines Tages erschien, sagte er kein Wort. Apathisch stierte er den Besuch, die Koffer und die Amme an, wie ein unabänderliches, starres Prinzip.

Mutze Mandel kam nur mit vier Koffern und ohne Amme. Wie ein Irrer sah ihr Herr Becker entgegen und murmelte fragend: "Und die Amme, wo ist die Amme?"

Er schlief, ohne zu mucksen, auf dem Fensterbrett in der Küche. Alle Betten, Sofas und Chaiselongues waren in Anspruch genommen. Er schickte sich darein . Gott, so eine Geburt war eben ein auß

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen