text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Der Sieger von Sotschi Roman von Brodbeck, Roland (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.01.2014
  • Verlag: Querverlag
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Der Sieger von Sotschi

Offen schwul beim Kampf um eine olympische Medaille - und das in Russland! Als Fabian an der Startschranke bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi steht, die Skistöcke in den Schnee gerammt, jeden Muskel im Körper wie eine Feder angespannt, und auf den Startschuss wartet, schießen ihm viele Gedanken durch den Kopf. Hat er das Zeug dazu, dem Favoriten, dem Russen David Koslow, eine Medaille abzutrotzen? Vielleicht sogar Gold im Ski-Alpin für die Schweiz zu gewinnen? Und vor allem: Wird ein Sieg dem gut aussehenden Slalom-Genie Florian Häusle imponieren und beweisen, dass es sich trotz des Medienrummels um die Anti-Homosexuellen-Propaganda-Gesetze unter Putin lohnt, öffentlich Stellung zu beziehen? Denn auch im Ski-Alpin kann ein offen schwul lebender Sportler nach Gold streben!

1966 geboren, studierte Physik an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich, Promotion 1998. Danach arbeitete er bis 2005 am Geographischen Institut der Universität Zürich. Parallel dazu sammelte er Erfahrungen in der Öffentlichkeitsarbeit und im Wissenschaftsjournalismus. Sein erster Roman Plötzlich Royal erschien 2012 im Querverlag, Der Sieger von Sotschi folgte dann 2014.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Erscheinungsdatum: 29.01.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783896565600
    Verlag: Querverlag
    Größe: 604kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Der Sieger von Sotschi

Das Zielhaus

"Du bist in Bestform, David! Mach einen Haken unter die Hundertstelsekunde des rothaarigen Spätpubertierenden! Bei der Olympiade wird er wieder hinterherfahren!", rief sich David Koslow die aufmunternden Worte seines Trainers in Erinnerung, als er mit erhobenem Haupt und seiner Frau an seiner Seite zum Zielhaus der Hahnenkammrennen schritt. So ähnlich hatte auch die Sportpresse in seiner Heimat den Ausrutscher kleingeredet. Doch die neue "Generation der schlanken, aber beweglichen Burschen" Luchsiger und Bend, wie der Ski-Papst Bruno Romani sie nannte, wurde von Saubauer trainiert. Der Erfolg musste wohl in dessen Fähigkeiten zu suchen sein. Koslow hielt wenig von "Naturtalenten" und "Wunderkindern", als das etwa der Schwarzwälder Häusle im Slalom galt, denn er selbst hatte sich über Jahre hinweg mit härtestem Training von Ende des Klassements bis nach vorne durchgekämpft. Ihm war der Erfolg nicht einfach zugefallen.

"Wir sind alle stolz auf dich. Schau nicht so finster, David." Seine Frau bezauberte ihn mit ihrem Lächeln. Manche behaupteten, sie erinnere an die Elbenprinzessin Arwen aus Peter Jacksons Herr der Ringe -Trilogie und da mochte Koslow nicht widersprechen. Er liebte das lange, schwarze Haar seiner Frau, ihre sanfte Art und ihre Fähigkeit, immer das Positive zu sehen. Darüber hinaus war sie ihm auch eine unersetzliche Konditionstrainerin. Wie es sich gehörte, bot er ihr an, sich bei ihm einzuhaken, und zusammen passierten sie die VIP-Schranke.

"Gratuliere, Herr Koslow - fünfzigtausend haben sich zur Siegerehrung versammelt!", meldete ein Helfer. "Habe die Ehre, Frau Koslowa", fügte er hinzu. Im Warteraum bemerkte Koslow den rothaarigen Glarner, der nervös durch ein Fenster auf die mit Scheinwerfern erhellte Menge schaute. Die Stiefel und der Nietengurt des Konkurrenten schienen Koslow zu ungezogen für den Anlass - zumal gleich nach der Siegerehrung ein Besuch im VIP-Zelt auf dem Programm stand. Die beiden tauschten kurz einen Blick, dann wollte der drittplatzierte Jörg Pesenbauer dem Ehepaar seine schon deutlich schwangere Verlobte vorstellen. Es war ihm durchaus recht, ein paar Worte des gegenseitigen Gratulierens mit dem Österreicher zu wechseln und auch mit Bend, der zwar auch zu den "Bürschchen" gehörte und sogar noch einen Pubertätspickel am Kinn hatte, dafür aber eine bildhübsche Italienerin an der Hand führte.

Der deutsche Hansi Vorderseher als Vierter fehlte noch, was die Organisatoren im Raum nervös werden ließ, während draußen der Platzsprecher versuchte, mit Werbung für die angesagtesten Partys in Kitzbühel die Zeit zu überbrücken. Frau Koslowa versetzte ihrem Mann einen sanften Stoß, um ihn in Richtung des Glarners zu bewegen, denn die Höflichkeit gebot es, ihm zu gratulieren. Niemand wurde aus purem Zufall Sieger am Hahnenkamm, da musste auch Können dahinterstecken - und außerdem war es nie verkehrt, mit dem Gegner ein paar Worte zu wechseln, um dessen Psyche besser einschätzen zu können. Trotz seines herablassenden Statements im Zielraum wusste Koslow ganz genau, dass diese Burschen mit dem heutigen Erfolg nun medaillenhungrig geworden waren, und olympische Spiele hielten oft böse Überraschungen für die Favoriten bereit.

"Gratuliere, bist die Traverse hervorragend gefahren!", sprach er den Sieger mit einer Portion Ironie in der Stimme an.

"Fabian heiße ich - danke vielmals, Herr Koslow - ich meine, David", erwiderte der lange Glarner und machte sogar eine kleine Verbeugung aus dem Nacken. "Bei einer einzigen Hundertstel ist wohl auch eine gehörige Portion Glück dabei."

"Ich habe Romanis Analyse bereits gesehen. Wenn die Piste fünfzig Meter länger gewesen wäre, wäre ich vorn gewesen. Aber mit hätte und wäre hat noch keiner gewonnen."

"Ich kann eben nicht so gut gleiten: das fehlende Körpergewicht. Und ich habe natürlich auch nicht so viel Erfahrung."

Die unterwürfige Rede nervte Kos

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen