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Der Sommer den man zurückwünscht / Beinahe ein Vorzugsschüler Romane von Brod, Max (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.10.2014
  • Verlag: Wallstein
eBook (PDF)
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Der Sommer den man zurückwünscht / Beinahe ein Vorzugsschüler

In der farbenprächtigen sommerlichen Seelandschaft des Ostseebades Misdroy auf der Insel Wollin erlebt eine kleine Prager Familie um das Jahr 1899 einen fröhlichen Ausnahmezustand. Selbst die strenge Mutter ist hier erträglich, wo die vornehme Atmosphäre des alten Österreich auf die rauhere des Nordens trifft. Das gesellige Leben der Prager deutschsprachigen Juden, hier wird es wieder lebendig, wie auch im zweiten Roman dieses Bandes, "Beinahe ein Vorzugsschüler', einer Reminiszenz an Brods Schulzeit und eine Brücke zur untergegangenen Welt Prags in der Habsburger Monarchie. Die beiden kleinen Romane sind meisterhafte Zeitbilder und gehören zur schönsten Prosa, die Brod geschrieben hat.

Max Brod (1884-1968) war vor und nach dem Ersten Weltkrieg einer der bekanntesten Vertreter der Prager deutschsprachigen Literatur, heute ist er vor allem als Herausgeber der Werke Franz Kafkas berühmt.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 388
    Erscheinungsdatum: 27.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783835326316
    Verlag: Wallstein
    Größe: 3939kBytes
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Der Sommer den man zurückwünscht / Beinahe ein Vorzugsschüler

Vorwort

Jeder hat einmal im Gespräch über einen Dichter plötzlich gesagt oder sagen hören: "Kennen Sie die kleinen Bücher, die kleinen Erzählungen von ihm? Die sind ganz einmalig!" Oder über einen Maler: "Aber haben Sie auch die kleinen Zeichnungen gesehen, die sind fast schöner als die großen Gemälde. Wenn ich nur so eine kleine Skizze besäße, die wäre mir lieber als das ganze Werk." Jeder kennt das Staunen über eine kleine vollkommene Stelle inmitten eines großen Werkes, und es scheint ihm, als sei in dieser Kostbarkeit, die von anderen sogar oft übersehen oder nicht genug gewürdigt wird, auf geheimnisvolle Weise das ganze Lebenswerk des Künstlers schon enthalten, alles, was er vor dieser "kleinen" Sache machte, aber auch alles, was später kam. Als habe sich hier sein ganzes Wesen und sein ganzes Können in einem Punkt gezeigt. Das heißt nicht, dass man die anderen Werke nicht auch schätzt, und vielleicht macht man es sich nur so einfach, das Werk, in dem man sich der eigenen Art entsprechend mit dem Künstler ganz einig weiß, zum vollkommensten zu erheben und zum geliebtesten.

So verfahre ich mit jenen Büchern Max Brods, die ich die "kleinen" nenne. Es sind, obwohl der Kreis damit kaum geschlossen sein dürfte, die autobiographischen Erzählungen über seine Kindheit und frühere Jugend im kaiserlich königlichen Österreich, in die die Vorboten der Weltkriege und des Rassenmordes als Randerscheinungen, als Ahnungen einbrechen. Gröbere Gemüter als das angstvoll-kühne des durch lange Krankheit gegangenen Kindes hätten das sich noch als harmlos tarnende Böse sicher gar nicht bemerkt. Es aber war wach und empfindlich geworden und hatte durch geistige Leidenschaft seinen Vorrat an Phantasie und an Wissen, was dem Menschen sowohl an Gutem wie an Bösem möglich ist, enorm erweitert. Schon früh hatte man es lesen gelehrt, damit es sich während des Krankseins beschäftigen konnte. Und während der Körper stillliegen oder bis etwa zum zwölften Lebensjahr in einem Stützkorsett stillhalten musste, spielte der Geist, wurde unersättlich, kannte auch Perioden der Ausschweifung. Mit diesem feinen Instrument nahm der Junge in dem teils strahlenden, teils morbiden Glanz des sterbenden Kaiserreiches, in der Stadt, in der drei Nationalitäten aufeinandertrafen, sich bekämpften, sich stumm duldeten oder Symbiosen eingingen, Gefahren wahr, Zeichen, die auf das Spätere, nach 1938 Geschehende, hinweisen. Diesen Zeichen, die das Kind erschreckten, begegnet man auf Schritt und Tritt in den Büchern. Es sind oft wirklich nur Nuancen, ein gehässiges Wort, eine hochmütige Geste, falsche Ideale, Egoismus, Chauvinismus. Die Summe all dieser Nuancen ist nicht von ihm gezogen worden. Sie wird, da es Erinnerungsbücher sind, in Tel-Aviv geschrieben, an ganz wenigen Stellen oder am Schluss des Buches eingesetzt. Diese Summe, Auschwitz, Theresienstadt ..., ist das Einzige, was nachträglich in diese bis ins kleinste Detail genau gezeichnete Jugendwelt hineingebracht wurde. Alles andere ist unter den spezifischen Bedingungen der Dichtung authentisch. Man würde es ja auch spüren, wenn etwas verändert, manipuliert, übertrieben worden wäre. Das war auch gar nicht seine Art. Außerdem wehrt sich die Wirklichkeit solch intensiver Erlebnisse gegen Eingriffe.

Er hasste alles Gewaltsame, Künstliche, Übertriebene. Auch das Wort "hassen" hätte ihm nicht gefallen. Er war im Alter doch wohl seinem Vater ähnlich geworden, dem Kampf und Krampf vermeidenden, ausgleichenden Vater, dessen Fotografie er stets bei sich trug. Sie waren sich auch äußerlich ähnlich. Er wusste, dass das Leben, sofern es nicht gewaltsam gebrochen wird, von den unmerklichen Dingen bestimmt wird, dass es wächst. Nie hat man von zarteren Kindheits- und Jugenderlebnissen gelesen als bei ihm. Oft so zart, so sehr vom Geistigen, besonders von der Musik bestimmt, dass man es heute, in dieser raueren Zeit, nicht gleich verstehen und n

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