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Der Sommer der blauen Nächte Roman von Gregg, Stefanie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.05.2018
  • Verlag: Aufbau-Verlag
eBook (ePUB)
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Der Sommer der blauen Nächte

Eine Geschichte so hoffnungsvoll wie das Leben. Bilder in den Farben des Südens - das ist alles, was Jule nach dem plötzlichen Tod ihrer Mutter Marie von ihr bleibt. Das und eine ganze Reihe Fragen. Und so beschließt Jule an die Orte zu reisen, an denen ihre Mutter so oft alleine gemalt hat, um dort nach dem Leben zu suchen, das Marie offensichtlich nicht mit ihrer Familie teilen wollte. Dann taucht überraschend Jules Freund Ben auf, und ihr wird klar: Man muss die Vergangenheit loslassen können, um das Leben neu zu beginnen. "Stefanie Gregg kurbelt mit schnellen, knackigen Gedanken und Szenen das Kopfkino an." Süddeutsche Zeitung.

Stefanie Gregg, geboren 1970 in Erlangen, studierte Philosophie, Kunstgeschichte, Germanistik und Theaterwissenschaften bis zur Promotion. Nach Stationen im Bereich Bucheinkauf und als Unternehmensberaterin widmet sich die Autorin jetzt nur noch dem Schreiben. Mit ihrer Familie wohnt sie in der Nähe von München.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 18.05.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841214744
    Verlag: Aufbau-Verlag
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Der Sommer der blauen Nächte

2. Kapitel

"Hier kommt Mister Es-geht-gar-nichts-mehr." Mit diesen Worten hatte Jules frühmorgendlicher Patient am ersten Arbeitstag nach dem Tod ihrer Mutter sich mit einem Seufzer auf den Sessel vor Jule fallen lassen.

Du sprichst mir aus dem Herzen, hatte Jule sich gedacht. Genau so fühle ich mich auch gerade. Warum muss ich schon wieder arbeiten? Pflichtbewusstsein? Oder der krampfhafte Versuch, sich abzulenken?

Sie lächelte ihn an. "Heißt das, es geht Ihnen nicht gut?"

"Das heißt, dass ich das mache, was Sie mir in der letzten Sitzung nahegelegt haben. Ich akzeptiere die Situation und meine Gefühle dazu."

"Hm", Jule sah ihn fragend an, "und das tun Sie, um meinem Ratschlag zu folgen oder weil Sie es auch so fühlen?"

"Ja, Frau Psychologin, weil ich es mir jetzt wirklich zugestanden habe." Er grinste sie frech, aber freundlich an. Und sie lächelte zurück.

Immer wieder schweiften ihre Gedanken ab, zu ihrer Mutter, zu der Beerdigung, zu diesem Mann mit Hut. Sie hatte ihre Arbeit immer geliebt, aber jetzt im Moment, nach dem Tod ihrer Mutter, fühlte sie sich genauso, wie dieser Patient, der soeben gegangen war. Leer, ausgebrannt. Verdammt alleine. Müde und traurig. Genau in der Stimmung, alles am liebsten hinzuschmeißen.

Trotzdem vervollständigte sie jetzt ihre Notizen zum Patientengespräch, dann klappte sie den Ordner zu und lehnte sich zurück. Vom Flur hörte sie die leisen Stimmen ihrer Kollegen. Sie arbeitete in einer Praxis mit fünf anderen Psychologen und Psychotherapeuten. Mit manchen tauschte sie sich sehr gerne aus. Mit ihnen konnte man die Fälle der Patienten besprechen, sich selbst und die eigenen Therapien in Frage stellen, neue Ansätze finden, gemeinsam überlegen. Mit anderen, wie Meike und Annegret, tat Jule sich schwer. Vielleicht war sie auch einfach nicht gut in 'Smalltalk". Ihre Stärke war es, zuzuhören wie Momo. Jules Lieblingsgestalt in der Kindheit war Michael Endes Momo, das Mädchen, das zuhören und fragen konnte und dadurch die Menschen glücklich machte. Erst in ihrem Studium war ihr klar geworden, dass Momo das Idealbild einer guten Psychologin war.

Heute aber war es ihr wirklich schwergefallen, sich auf ihren Patienten zu konzentrieren. Mehrmals hatte sie sich dabei ertappt, dass sie mehr auf sein blaues Jeanshemd als auf seine Ausführungen achtete. Blau. Wie die Lieblingsbilder ihrer Mutter. Blau, wie der Himmel heute auch war, als ob er nicht registriert hätte, dass Jule keine Mutter mehr hatte. Ein tiefes, schönes Blau. Marie nannte manche Farben in der Steigerungsform: Gelb und das gelbere Gelb, Rot und das rötere Rot. Ihre schönsten Bilder waren blau und blauer, alle Blautöne dieser Welt aufnehmend und verbindend.

Jule war geradezu im blauen Jeanshemd ihres Patienten versunken, als er aus der Tür hinausging.

Seufzend legte sie den Ordner auf ihren Schreibtisch. Vielleicht hätte sie sich ein paar Tage frei nehmen sollen nach dem Tod ihrer Mutter. Plötzlich klopfte es, und Thomas steckte seine Nase ins Zimmer.

"Schwesterchen, der Typ ist fort - kommst du?"

Die Verabredung mit ihrem Bruder hatte Jule fast vergessen.

"Ja, sofort."

"Also, ich mache das nicht." Thomas verschränkte demonstrativ seine Arme.

Jule lehnte sich zurück und nahm einen Schluck von ihrem Cappuccino.

"Aber wir müssen ihre Wohnung doch ausräumen. Wir können das doch nicht einfach so lassen."

"Wir gehen ein, zwei Stunden durch die Wohnung und sehen nach Wertsachen. Aber ich sortiere nicht Maries Kleidung aus. Ich krame nicht in ihren Sachen rum, ich will den ganzen Müll nicht sortieren. Ich mag es nicht und habe auch keine Zeit dazu. Wir holen uns so eine Organisation, ich habe schon nachgesehen, die räumen dir alles aus, gegen einen Pauschalpreis."

Jule schloss kurz die Augen. Es war ihr nicht wohl dabei, die Sachen ihrer Mutter fremden Menschen zu überlassen. Aber sie ha

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