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Der Stoff, aus dem Träume sind Roman Neuerscheinung 2018 von Stieler, Jana (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.08.2018
  • Verlag: MIRA Taschenbuch
eBook (ePUB)
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Der Stoff, aus dem Träume sind

Efeugrün, verwoben mit einem hauchzarten himmelblauen Faden - als Claire das Jackett in einem Londoner Vintage-Laden entdeckt, weiß sie sofort, dass es von der kleinen schottischen Hebrideninsel Barra stammt. Fast ein ganzes Leben ist es her, dass sie dort aufgewachsen ist. Ein Leben für die Mode, voller großer Pläne, Hoffnungen und Fehler. Und plötzlich lassen Claire die Erinnerungen nicht mehr los. Vielleicht ist jetzt endlich die Zeit gekommen, sich ihrer Vergangenheit zu stellen und verschüttete Träume zu bergen.

Jana Stieler lebt mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn in Hamburg. Sie arbeitet als Redakteurin in einem großen deutschen Zeitschriftenverlag und hat in den letzten vier Jahren unter ihrem Mädchennamen Jana Seidel mehrere Romane veröffentlicht. Sie liebt Großbritannien und die Mode der 1950er und 60er Jahre.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 01.08.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955767952
    Verlag: MIRA Taschenbuch
    Größe: 2813 kBytes
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Der Stoff, aus dem Träume sind

3. Kapitel

Vivian 2017

Manchmal fühlte Vivian sich einsam. Nicht an den Abenden, an denen sie allein in ihrem Wohnzimmer saß, weil ihr Sohn schon schlief. Es waren eher Abende wie dieser, an denen sie vor allem sich selbst vermisste.

Ihre Freundin Sally war zu Besuch gekommen. "Er hat gesagt, er trennt sich von seiner Frau."

Wieder dieses Gefühl, vor einem gläsernen Bildschirm zu sitzen und den abgedroschenen Phrasen einer Realityshow zu folgen.

"Das sagt er doch schon seit über einem Jahr", wandte Vivian schließlich ein - zum bestimmt hundertsten Mal. Aber was sollte sie auch sagen?

Hätte sie den Mann in Schutz genommen, der seine Familie nicht verlassen wollte, hätte Sally das als Verrat aufgefasst. Gäbe sie Sally recht, würde diese ihren Liebhaber mit allen Geschossen verteidigen.

Vivian war sich mittlerweile sicher, dass Richard seine Frau und seine Kinder niemals verlassen würde. Im Gegensatz zu Tim, der keine Hemmungen gehabt hatte, Vivian im letzten Monat der Schwangerschaft für eine Frau, die er kaum kannte, zu verlassen, war Richard offenbar verantwortungsbewusster - oder auch einfach nur fauler, feiger.

"Es ist nicht so einfach", sagte Sally gerade.

"Wenigstens behauptet er nicht, sie sei an einen Rollstuhl gefesselt oder sonst irgendwie schwer erkrankt." Vivian selbst erschrak über den bissigen Kommentar, der ihr einfach so rausgerutscht war. Doch Sally ignorierte sie ohnehin.

"Ich werde Weihnachten mal wieder allein verbringen." Sally seufzte.

Ich langweile mich, dachte Vivian betrübt. Und dann: Ich will nach Hause. Obwohl das Unsinn war, denn schließlich befand sie sich in ihrer Wohnung.

Vivian vermutete außerdem, dass Sally wusste, wie gut ihr Kummer stand - und ihn deshalb mit schwarzem Kajal betonte.

"Vielleicht verlässt er sie ja doch noch", murmelte Vivian schließlich, angetrieben von schlechtem Gewissen.

"Meinst du wirklich?" Sally sah erfreut aus.

"Aber vielleicht erst nach Weihnachten", sagte Vivian. Schon wieder eine boshafte Bemerkung, wo kamen die an diesem Tag nur her? "Vielleicht will er seinen Kindern das Fest nicht verderben", ergänzte sie matt.

"Wir haben Juli", sagte Sally empört. "Warum sollte er jetzt schon an das Weihnachtsfest denken?"

Vivian sah Sally ungläubig an und unterdrückte mühsam ein Lachen. Beinahe war sie erleichtert, als Sally auf die Uhr sah.

"Oh, ich muss los. Ich bin ganz spontan mit den Mädels verabredet, Krisensitzung. Das von Helen habe ich dir noch gar nicht erzählt. Das mache ich irgendwann mal in Ruhe. Du musst sicher noch einiges erledigen, einen Kuchen für den Kindergarten backen oder so ..."

Vivian wusste, dass Sally ihr damit keine Retourkutsche verpassen wollte, sondern den Satz einfach gedankenlos ausgesprochen hatte.

Die "Mädels" waren mal ihre gemeinsamen Freundinnen gewesen - damals, vor dem Kind. Sie werden einen draufmachen, dachte Vivian, sich gemeinsam über Richard empören, viel trinken und dabei jede Menge Spaß haben. Manchmal besuchte eine von ihnen Vivian. So wie jetzt Sally, wenn sie sich über Richard ausweinen wollte, oder Betty, wenn sie mal wieder mit ihren Kolleginnen nicht klarkam. Nur Helen kam gar nicht mehr zu ihr nach Hause. Helen war ihr die liebste ihrer Freundinnen gewesen. Doch seit einer Weile bemühten sie und ihr Mann sich immer verzweifelter, ein Kind zu bekommen. Bei ihren letzten Besuchen hatte sie nur noch schlecht gelaunt auf Ethan geblickt und Vivians Erziehungsmethoden kritisiert. Zuerst hatte Vivian nächtelang darüber gegrübelt, ob sie eine schlechte Mutter war. Doch dann hatte Sally ihr von ihrer Vermutung erzählt, dass Helen neidisch war. Es hatte in Vivians bisherigem Leben nur wenig gegeben, was Missgunst hervorrufen könnte. Deswegen war die Erfahrung neu für sie und schwerer auszuhalten als die mitleidigen Blicke, die ihr als alleinerziehender Mutt

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