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Der verbotene Fluss Roman von Goga, Susanne (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.01.2014
  • Verlag: Diana
eBook (ePUB)
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Der verbotene Fluss

Ein meisterhaft erzählter Roman voller Geheimnisse
Charlotte wagt einen großen Schritt, als sie 1890 Berlin verlässt und eine Stelle als Gouvernante in einem herrschaftlichen Haus bei London antritt. Dort ist sie für die junge Emily verantwortlich, die seit dem tragischen Verlust ihrer Mutter von schlimmen Albträumen verfolgt wird und den nahe gelegenen Fluss fürchtet. Besorgt um das Wohl des Mädchens versucht Charlotte, mehr über den Tod von Lady Ellen herauszufinden, doch niemand im Haus ist bereit, das Schweigen zu brechen. Erst mithilfe des Journalisten Tom kommt Charlotte einer dunklen Wahrheit auf die Spur ...

Susanne Goga, 1967 geboren, ist eine renommierte Literaturübersetzerin und SPIEGEL-Bestsellerautorin. Sie wurde mit dem DELIA-Literaturpreis sowie dem Goldenen Homer ausgezeichnet und ist seit 2016 Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Mönchengladbach.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 464
    Erscheinungsdatum: 13.01.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641113117
    Verlag: Diana
    Größe: 2420 kBytes
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Der verbotene Fluss

1
September 1890, Dover
Charlotte Pauly stand an der Reling und blickte über das graue Wasser, wo aus dem Dunst allmählich ein weißer Schimmer auftauchte. Beim Näherkommen schien sich wie von selbst ein Bild zu formen, nahmen die verschwommenen Konturen Gestalt an und wurden zu einer breiten Kette weißer Klippen, gekrönt von noch sommerlich grünen Wiesen. Es sah aus, als hätte eine gewaltige Axt ein Stück Land mit einem Hieb abgetrennt, sodass sich das Übriggebliebene nicht sanft zum Ufer hin absenkte, sondern abrupt an der Meeresküste endete. Charlotte stellte sich vor, wie das abgetrennte Stück ins Meer gekippt und inmitten einer gewaltigen Welle versunken war.
Die weißen Klippen wirkten nicht abweisend, sondern winkten sie herbei, luden sie ein in dieses Land, das ihr neues Zuhause werden sollte. Charlotte atmete tief durch, um die widerstreitenden Gefühle, die in ihr tobten, zu besänftigen. Vorfreude, Anspannung, Heimweh, Entschlossenheit, Zweifel – all das kämpfte in ihrem Inneren um die Oberhand. Sie spürte, wie das Land hinter ihr, der Kontinent, den sie verlassen hatte, sanft an ihr zog und sie gleichzeitig fortstieß. Natürlich war Deutschland ihre Heimat, dort hatte sie ihr bisheriges Leben verbracht, und der Ge danke, vorerst nicht dorthin zurückzukehren, nicht mehr die vertraute Sprache zu hören, lag wie ein Schatten auf ihrer Seele. Andererseits hatten die vergangenen Monate Wunden hinterlassen, die in der Heimat nicht verheilt wären. Die Suche nach einer Stelle in England, der Abschied von ihrer Familie, das Packen der Koffer und das Buchen der Überfahrt nach Dover waren dringend nötig gewesen, rasche Schnitte, die einem langsamen, schmerzhaften Zerreißen vorzuziehen waren.
Ihre Mutter hatte kein Verständnis für ihren Schritt gezeigt. "Was ist denn geschehen, Kind?"
Charlotte hatte nur den Kopf geschüttelt.
"Du kannst nicht einfach fortlaufen, weil du unglücklich oder mit deiner Stellung unzufrieden warst, das ist unvernünftig. Du hättest dir eine neue Arbeit anderswo in Deutschland suchen können. In Bayern vielleicht. München soll sehr schön sein, dann hättest du mit den Herrschaften in die Alpen oder nach Italien reisen können ..."
Um weitere unerwünschte Fragen zu vermeiden, hatte Charlotte erwidert, sie müsse Erfahrungen im Ausland sammeln, um ihre Schülerinnen und Schüler später besser Englisch lehren zu können.
"Wer braucht denn Englisch? Französisch ist die Sprache der eleganten Gesellschaft", hatte die Mutter geantwortet. "Wenn du schon einen Beruf ergreifen musst, statt zu heiraten wie deine Schwestern, kannst du ihn wenigstens in der Heimat ausüben. Es gehört sich nicht für eine junge Frau, allein ins Ausland zu reisen. Und in einer guten Stellung ergibt sich vielleicht die Gelegenheit, einen passablen jungen Mann ..."
Bevor ihre Mutter den Satz zu Ende sprechen konnte, hatte Charlotte die Tür der Stube hinter sich zugeschlagen. In den folgenden Tagen hatte die Mutter wiederholt versucht, sie umzustimmen, und ihr Vorwürfe gemacht, sie sei hartherzig und lasse sie, die doch verwitwet sei, allein zurück. Da ihre beiden verheirateten Töchter allerdings in unmittelbarer Nachbarschaft wohnten, konnte Charlotte diesen Versuch, ihr ein schlechtes Gewissen zu bereiten, nicht ernst nehmen. Sie waren nicht im Streit, aber doch in einer Missstimmung auseinandergegangen, was Charlotte bedauerte. Umgestimmt hatte es sie nicht.
"Immer wieder ein schöner Anblick", sagte eine tiefe, rau klingende Männerstimme neben ihr.
Charlotte tauchte aus ihren Ge

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