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Der Weg ist das Glück Komödie von Leigh, Judy (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.05.2018
  • Verlag: HarperCollins
eBook (ePUB)
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Der Weg ist das Glück

Evelyn Gallagher ist viel zu jung fürs Seniorenheim. Beim Pferderennen setzt sie auf ihre Glückszahl 4. Und gewinnt. Damit heißt es für die 75-jährige Dublinerin: raus aus dem langweiligen Rentnerclub, auf zum Gebrauchtwagenhändler. Sie ersteht ein altes Wohnmobil und reist nach Frankreich, Richtung Carcassonne, in das Abenteuer ihres Lebens. Sie genießt die Landschaft, den Rotwein und lernt wundervolle Menschen kennen. In einem irischen Pub in den Pyrenäen verliebt sie sich sogar noch einmal ... Aber ihr Sohn Brendon folgt ihr und kennt nur ein Ziel: Seine Mutter soll zurück nach Hause kommen. "Ein leicht lesbarer Frauenroman mit einer sympathischen Titelheldin, die zeigt, dass es noch eine Menge gibt, auf das man sich im Alter freuen kann" EKZ Bibliotheksservice Judy Leigh hat mehrere Kurzgeschichten in Zeitschriften veröffentlicht und schreibt eine monatliche Kolumne für die Torbay Times. Als Theaterregisseurin hat sie Shakespeare-Stücke für Jugendliche aufbereitet und u.a. das Junge Shakespeare Festival in Devon geleitet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 02.05.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783959677776
    Verlag: HarperCollins
    Originaltitel: A Grand Old Time
    Größe: 2199 kBytes
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Der Weg ist das Glück

2. KAPITEL

Brendan starrte sein Spiegelbild an. Sein Haar war noch immer kastanienbraun, wenn auch inzwischen etwas glanzlos, und hier und da hatten die dunklen Locken einen Grauschimmer. Seine blauen Augen wurden von kleinen Fältchen umrahmt. Er trug Rasierschaum auf und lächelte den Mann mit dem weißen Bart an - ein väterliches Gesicht, wie das des Weihnachtsmanns. Unwillkürlich stellte er sich vor, wie er sich als Weihnachtsmann verkleidete und vier Kinder sich um ihn scharten. Er hätte gern zwei Jungen und zwei Mädchen gehabt: zwei Söhne, die Fußball mochten, eine sportbegeisterte Tochter, vielleicht Surferin oder Schwimmerin, und die andere Tochter für Maura. Ein vergnügtes, freches Mädchen, das Mauras strahlende Augen hatte.

Nachdem er den Rasierer in die Hand genommen hatte, fuhr er damit vorsichtig über seine Wange. Dann schrie er auf. Das Blut floss ihm in dünnen roten Linien die Hand hinab und verteilte sich auf dem gefliesten Badezimmerboden. Brendan fluchte und ließ den Rasierer ins Waschbecken fallen. Dann griff er nach einer Rolle Toilettenpapier, um das Blut abzutupfen. Er betrachtete sich im Spiegel: ein blasses Gesicht mit einem Bart aus Schaum und runden Fischaugen. Das frisch gebügelte und nun fleckige Hemd würde er ausziehen müssen. Maura wäre entsetzt.

Er warf das Papier in die Toilette und hielt ein neues gegen die Wunde. Da vernahm er ein sich näherndes Rauschen. Brendan erstarrte. Die Beine von Mauras Strumpfhose rieben aneinander und machten so ein leise raspelndes Geräusch, beinahe wie eine Schlange, die sich auf heißem Wüstensand ihrer Beute näherte.

Er hörte ihre Stimme, bevor er ihr Gesicht sah. Eiskalt klang sie.

"Um Himmels willen, Brendan ..." Nachdem Maura um die Ecke gekommen war, musterte sie ihn und schnaubte geringschätzig.

Brendan musterte sie genauso, und auch er schnaubte, aber leiser. Ihre Brüste quollen aus dem V-Ausschnitt ihres Kleides, man sah die beige Spitze ihres BHs. Diese Wölbungen, die er früher einmal begehrt und gestreichelt hatte, interessierten ihn heute kaum noch. Die Strumpfhose und die High Heels betonten ihre Kurven, und auf ihrem Kopf türmten sich kleine, blonde Locken. Er war auf ihre ernste Miene konzentriert, tupfte seine Wunde ab und wartete darauf, dass die Tirade begann.

"Sieh dir dein Hemd an! Vollkommen ruiniert. Ich hole dir ein neues. Das blaue passt zwar nicht so gut zu der Hose, aber egal, das muss heute so gehen."

Als sie kurz Luft holte, antwortete Brendan automatisch: "Okay, mein Schatz." Doch schon während er es aussprach, spürte er deutliches Bedauern: Denn es war nicht okay, und sie war auch nicht sein Schatz.

Maura starrte ihn kurz an - er fragte sich, ob sie dasselbe dachte. Doch sie seufzte nur und setzte erneut an: "Brendan, jeden Samstagnachmittag ist es dasselbe. Du weißt doch, wie sehr mich diese Besuche aufregen."

Brendan musste auf die tiefen Linien um Mauras Mund herum starren, die sich bildeten, wenn sie redete. Unwillkürlich dachte er an die zarte Rosette eines Hinterns und grinste. Als Maura ihn jetzt ansah, wirkten ihre Augen wie zwei Kugeln: klein, blaugrau und bereit, abgefeuert zu werden. Jeder Versuch, ihnen auszuweichen, wäre vergeblich. Deshalb rührte er sich nicht, das blutige Stück Papier noch immer in der Hand.

Als sie davonstakste, nahm er das Klackern ihrer Absätze so wahr, als hämmerte ihm jemand Nägel in den Kopf. Brendan drückte die Toilettenspülung und beobachtete, wie das rot gepunktete Papier sich drehte, auflöste und schließlich verschwand.

Bei laufendem Motor saß Brendan wenig später in dem in der Auffahrt geparkten gelben Fiat Panda und wartete. Ein kleiner Fetzen Toilettenpapier klebte noch immer auf dem angetrockneten Blut an seinem Hals.

Im Hintergrund lief das Radio. "Die Vögel zwitschern, und der Sommer kommt nach Dublin", verkündete der Moderator, "also kommen jetzt die Beach Boys mit ihr

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