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Der Weihnachtswald Ein Wintermärchen von Schwarzhuber, Angelika (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.09.2017
  • Verlag: Blanvalet
eBook (ePUB)
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Der Weihnachtswald

Wenn der Weihnachtsstern am hellsten leuchtet, ist es Zeit, einander zu vergeben ... Wie jedes Jahr an Weihnachten macht sich die alleinstehende Anwältin Eva auf den Weg zu ihrer Großmutter Anna. Das stattliche Anwesen der Familie, umringt von einem Garten mit einem Wald aus Tannenbäumen, ruft viele Erinnerungen hervor. Hier wuchs Eva auf, nachdem ihre Eltern bei einem Unfall ums Leben gekommen waren. Im Haus trifft sie nicht nur auf ihren Jugendfreund Philipp, sondern auch auf das Waisenkind Antonie. Während draußen ein Schneesturm tobt, verschwindet das Kind plötzlich spurlos. Auf der gefährlichen Suche nach Antonie landen Eva und Philipp unversehens in der Vergangenheit ... Angelika Schwarzhuber lebt mit ihrer Familie in einer kleinen Stadt an der Donau. Sie arbeitet auch als erfolgreiche Drehbuchautorin für Kino und TV und wurde für das Drama "Eine unerhörte Frau" unter anderem mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Zum Schreiben lebt sie gern auf dem Land, träumt aber davon, irgendwann einmal die ganze Welt zu bereisen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 18.09.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641200091
    Verlag: Blanvalet
    Größe: 4187 kBytes
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Der Weihnachtswald

Kapitel 1

K ommt Kinder, beeilt euch. Gleich bekommen wir Besuch! Auf geht's!", trieb die junge Erzieherin Christel die zehn Kinder an, die mit leuchtenden Augen den weihnachtlich dekorierten Aufenthaltsraum betraten. Sie waren alle zwischen fünf und acht Jahre alt und trugen zur Feier des Tages ihre schönsten Kleider. Die Kleinen plapperten aufgeregt und setzten sich rasch um den großen gedeckten Tisch, der mit Tannenzweigen, kleinen Figürchen und roten Kerzen liebevoll geschmückt war. Aus einem CD-Player lief das Weihnachtslied Leise rieselt der Schnee, und der Duft von brennenden Kerzen und frischem Tannengrün lag in der Luft.

Nur ein Kind ließ sich Zeit. Ein zierliches Mädchen, das so hübsch war, dass man kaum von ihm wegsehen wollte. Es war das älteste Kind in der Gruppe und hieß Antonie. Sie hatte goldbraune Locken, und ihre von seidigen Wimpern umrahmten Augen waren so blau wie der Himmel an einem strahlenden Sonnentag im Winter. Doch ihr Blick war gleichgültig, fast leer. Still setzte sie sich zu den anderen an den Tisch und senkte den Kopf. Antonie war vor neun Monaten aus einem Waisenhaus auf dem Land, das geschlossen werden musste, in dieser Einrichtung in München untergebracht worden. In ihrem kurzen Leben waren Waisenhäuser das einzige Zuhause, das sie kannte. An ihr früheres Daheim, aus dem eine Frau vom Jugendamt sie kurz vor ihrem dritten Geburtstag geholt hatte, konnte sie sich nicht mehr erinnern.

Irgendwann hatte ihr eine der vielen Erzieherinnen, die sich im Laufe der Jahre die Klinke in die Hand gegeben hatten, einfühlsam erzählt, dass ihre Mami jetzt im Himmel sei, bei ihrem Papi. Und dass die beiden als Engel von dort oben auf sie aufpassen würden.

"Vielleicht klappt es heute, Antonie", sagte Christel und streichelte sanft über den Kopf des Kindes. Wie gern hätte sie das liebenswerte Mädchen selbst über die Weihnachtsfeiertage mit nach Hause genommen. Doch das war den Mitarbeitern nicht erlaubt, damit sich die Kinder emotional nicht zu sehr an sie gewöhnten.

Antonie hob den Blick und versuchte zu lächeln - was ihr jedoch gründlich misslang.

"Und wenn nicht, dann bleib ich morgen ein wenig länger hier und lese dir eine ganz besonders schöne Geschichte vor. Großes Ehrenwort!", flüsterte die warmherzige Frau ihr leise ins Ohr und stupste Antonie liebevoll auf die Nase.

In diesem Moment öffnete sich die Tür zum Flur, und langsam, fast zögerlich, betraten einige Erwachsene den Raum. Es waren Ehepaare, die vorhatten, ein Waisenkind über die Feiertage zu sich zu nehmen und es vielleicht sogar zur Pflege aufzunehmen. Sie nickten den Kindern zu, einige lachten sogar, was ein klein wenig übertrieben wirkte. Doch wahrscheinlich waren die Erwachsenen heute sogar noch nervöser als die Kinder, von denen die meisten diese Prozedur nicht zum ersten Mal erlebten.

Christel drückte noch einmal aufmunternd Antonies Hand, dann ging sie den Besuchern entgegen.

"Herzlich willkommen", sagte sie freundlich und forderte die Gäste auf, näher zu kommen und sich mit den Kindern zu unterhalten.

Antonies kleines Herz hüpfte plötzlich aufgeregt, als ein sehr sympathisch aussehendes Paar langsam auf sie zukam.

"Meine Güte, ist die süß, die Kleine. Peter, schau doch. Wie süß", flüsterte die Frau ihrem Mann zu und hielt sich an seinem Arm fest.

"Aber wollten wir nicht ein jüngeres Kind? Und einen Jungen?", fragte er, konnte den Blick jedoch selbst nicht von dem Mädchen wenden.

"Das ist doch egal. Bitte Peter, schau sie dir doch an."

"Ja. Die ist wirklich besonders herzig", gab er ihr schließlich recht.

Jetzt standen die beiden vor Antonie. Christel zwinkerte dem Mädchen aufmunternd zu und drückte hinter dem Rücken des Paares verstohlen beide Daumen.

Obwohl sie es eigentlich besser wissen müsste, entzündete sich in Antonie ein kleiner Funken der Hoffnung. Was, wenn es heute doch klappen w

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