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Der Wind in meinem Herzen Roman von Diotallevi, Francesca (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.06.2019
  • Verlag: Wunderraum
eBook (ePUB)
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Der Wind in meinem Herzen

St. Rhémy, ein Bergdorf im Aostatal, während des ersten Weltkriegs: Die junge Fiamma kennt sich mit Heilkräutern aus. Deshalb bitten die Dorfbewohner sie heimlich um Hilfe, während sie die 'Hexe' in der Öffentlichkeit meiden. Der einzige Lichtblick in Fiammas einsamem, kargem Leben ist der junge Raphaël, mit dem sie eine tiefe Freundschaft verbindet. Als Raphaël Gefühle für Fiamma empfindet, die sie nicht erwidern kann, zieht er in den Krieg und fällt kurz darauf. Fiamma ist untröstlich, auch wenn ihr Herz längst Raphaëls Bruder Yann gehört. Doch dieser ist fest davon überzeugt, dass Fiamma um ihren Geliebten trauere, und hält sich deshalb von ihr fern ... Francesca Diotallevi wurde 1985 in Mailand geboren. Sie hat Kulturwisschenschaften studiert und arbeitet in einer Rechtsanwaltskanzlei. Ihr Roman "Der Wind in meinem Herzen" wurde mit dem Premio Neri Pozza ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 10.06.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641233808
    Verlag: Wunderraum
    Originaltitel: Dentro soffia il vento
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Der Wind in meinem Herzen

Agape

D ie Zugreise war lang gewesen, zuweilen hatte ich gedacht, sie würde nie enden, aber die letzten Kilometer an Bord dieses schäbigen Fuhrwerks, das sich mit etlichen Mühen den Berg hinaufkämpfte, hatten mir endgültig jegliche Kraft geraubt. Ich seufzte, während ich die beeindruckenden Steinriesen betrachtete, die rings um mich aufragten, und umklammerte fröstelnd die Ecken meines Koffers. Obwohl es Juli war, lag die Temperatur hier deutlich unter der, an die ich gewöhnt war. Ich dachte an die drückende Hitze Roms zurück, an das träge Chaos, das in der Stadt herrschte, und an den endlos weiten Himmel, der sich über ihren Ruinen erstreckte. Hier musste er sich seinen Raum gegen die Berge erstreiten, und es kam mir vor, als befände ich mich in einem riesigen Felstrichter. Man sah keinen Horizont; wohin auch immer ich meine Aufmerksamkeit wendete, stellten sich die Silhouetten der Berggipfel meinem Blick entgegen, einige schneebedeckt, andere grün bewaldet.

"Dauert es noch lange?", fragte ich Bernard, den Mann, der mich vom Bahnhof in Aosta abgeholt hatte und nun das Fuhrwerk lenkte. Er hatte mich bei meiner Ankunft mit einem knappen Gruß bedacht, um danach in düsteres Schweigen zu verfallen.

"Nein, Hochwürden, nicht mehr lange", antwortete er mit einem seltsamen Einschlag. Mein Französisch war ausgezeichnet, aber im Aostatal, so hatte man mir erklärt, bedienten sich die Menschen des patois , und das war mir nicht sehr vertraut.

"Dort liegt das Dorf." Mein Charon hob einen Arm und deutete auf eine Senke zwischen zwei Bergen, in der ich meinte, eine kleine Ansammlung von sich aneinanderdrängenden Häusern mit einem schmalen, darüberragenden Kirchturm zu erkennen. Ich beugte mich aus dem offenen Fuhrwerk, um besser sehen zu können. Es dämmerte bereits, und der Himmel über den Gipfeln wirkte wie ein großer, in seinen Farben umgekehrter Bluterguss in Tönen von Gelb bis Violett, die demnächst in dunkelstes Blau übergehen sollten. Bald würde die Nacht hereinbrechen, und ich dankte stumm dem Herrn dafür, dass er mich heil und gesund zu meiner neuen Heimstätte geführt hatte, zu diesen Menschen, die ich mir als schlicht und arbeitsam vorstellte, und die zu leiten und im Glauben an Gott zu vereinen meine Aufgabe sein würde.

Ächzend bewegte sich das Fuhrwerk durch die verlassenen Gassen des Dorfes vorwärts. Die Hauptstraße war so eng, dass die Häuser auf beiden Seiten sich einander entgegenzurecken und beinahe zu berühren schienen. Die alte Kirche im klassizistischen Stil wirkte seltsam unpassend inmitten dieser einfachen Häuser aus Holz und Stein. Sie stand auf einem winzigen Platz, der diesen Namen eigentlich nicht verdient hatte, und wurde schier erdrückt von den uralten Gebäuden, deren Fenster auf den Kirchplatz gingen.

Das Fuhrwerk hielt vor der mächtigen Treppe, die zur Kirche hinaufführte. Die Wohnung des alten Pfarrers lag gleich nebenan. Bernard kletterte vom Bock, reichte mir eine Hand, um mir beim Aussteigen zu helfen, dann lud er meinen Koffer ab.

"In den nächsten Tagen wird weiteres Gepäck eintreffen", informierte ich ihn in der Annahme, dass es seine Aufgabe sein würde, dieses abzuholen. Der Mann nickte nur als Antwort und grunzte etwas Unverständliches dazu.

Wir gingen zur Haustür, und genau in dem Moment, als Bernard klopfen wollte, ging die Tür auf. Auf der Schwelle konnte ich die Gestalt einer jungen Frau erkennen.

"Ach, da seid Ihr ja. Ich habe die Hufe auf dem Pflaster gehört", sagte sie, öffnete die Tür weit und forderte uns auf einzutreten. Sie trug eine weiße Schürze über ihrem Kleid, die blonden Haare waren zu zwei Zöpfen geflochten, die über den Ohren zu Schnecken aufgerollt waren.

"Willkommen, Hochwürden, es ist mir eine Freude, Euch kennenzulernen. Ich bin Marie, ich kümmere mich um den Haushalt", stellte sie sich vor.

Die junge Frau wirkte geradeheraus und hatte einen festen Händedruck. Ihr Ge

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