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Der Wunderheiler von Moosbach von Wunderer, Richard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.11.2016
  • Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
eBook (ePUB)
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Der Wunderheiler von Moosbach

Für den Zellner, den Bürgermeister von Moosbach, ist es keine Frage: Sein Sohn Klaus wird die Wirtstochter Gabi heiraten. Die beiden verbringen viel Zeit miteinander. Aber Gabi quält den Klaus mit ihrer ständigen Eifersucht auf die Sennerin Cornelia. Und so beginnen sich bei dem jungen Mann Zweifel zu regen, ob sie die richtige Frau für ihn ist. Eines Tages taucht Elias, Meister der spirituellen Heilkunde, im Dorf auf. Sein Auftreten spaltet die Bevölkerung in zwei Lager: Ist er ein Mensch mit besonderen Fähigkeiten oder ein Scharlatan? In der nächsten Zeit spielen sich dramatische Ereignisse in Moosbach ab, die nicht nur diese Frage eindeutig beantworten. Richard Wunderer stammt aus Niederösterreich. Er nahm in Wien in Studium der Theaterwissenschaften, Germanistik, Philosophie, Psychologie und französischen Philologie auf, das er mit der Promotion abschloss. Seine Liebe zur Landschaft und den Menschen des Alpen- und Voralpenraumes spricht aus den zahlreichen Romanen, die er verfasst hat.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 141
    Erscheinungsdatum: 30.11.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783475546143
    Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
    Größe: 1361 kBytes
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Der Wunderheiler von Moosbach

Die letzten zwei Wochen im Mai waren vom ersten bis zum letzten Tag verregnet, kalt und windig. Kaum ließ sich die lang ersehnte Sonne doch einmal für eine Viertelstunde blicken, schob sich schon das nächste Unwetter über die Berge heran. Dunkelgraue, schwere Regenwolken wälzten sich vom Stöger-Sattel in die Felswände, der nächste Wettersturz war abzusehen.

Dennoch konnte es der Schwab-Wirt gar nicht fassen, dass sogar seine treuesten Stammgäste ihren Urlaub vorzeitig abbrachen. Jedem Einzelnen von ihnen schwor er, in ein paar Tagen würde in Moosbach nicht nur der Frühling, sondern ein sonniger Frühsommer einziehen. Doch vergeblich. Schon zu lang kündigte er ein Kaiserwetter an, als dass ihm noch jemand geglaubt hätte. Mit Verbeugungen und Bitten ums Wiederkommen verabschiedete er einen nach dem anderen, und erst als ihn keiner mehr hören konnte, schimpfte er hinter ihnen her: "Typisch Stadtleute! Die glauben wohl, bei ihnen daheim hat es ein anderes Wetter?"

Wie aus Bosheit brach ein paar Stunden später dann wirklich die Sonne durch und strahlte vom nächsten Tag an wieder von einem wolkenlosen Himmel.

Bis neue Gäste kamen, blieben dem Wirt Moritz Schwab vom "Goldesel" in Moosbach also nur die Einheimischen für seinen Verdienst, von denen die meisten an sechs Tagen der Woche keine Zeit fanden, sich in ein Wirtshaus zu setzen und am Sonntag ihr Silbergeld zehnmal umdrehten, bevor sie es einem armen Wirt überließen.

"Du brauchst gar nicht zu jammern, als ob du schon den Gerichtsvollzieher fürchten müsstest!", hielt ihm Günther Zellner vor. "Immerhin bist du der reichste Mann von Moosbach."

Er konnte sich diese kleine Stichelei erlauben, denn er war nicht nur der Bürgermeister, sondern auch der beste Freund des Wirts.

"Der Zweitreichste", räumte der Schwab-Wirt ein. "Der Reichste bist ja schon du selbst. Und du hast mir außerdem noch einen großen Vorteil voraus: Deine Rindviecher können dir nicht einfach davonrennen, aber meine lieben Gäste sind wegen der paar Regentropfen geflüchtet, als ob vom Himmel nicht Wasser, sondern Feuer gefallen wäre!"

"So lange meine Tiere gesund bleiben, sind sie schon ein dauerhafter Wert", räumte der Bauer ein. "Nicht umsonst achte ich schon immer auf Qualität, und meine Zuchterfolge können sich sehen lassen. Aber du hast dafür ein kleineres Risiko mit deinen Gästen zu tragen als ich mit meinem Vieh, denn das Schlimmste, was dir passieren kann, ist Regenwetter, und das ist bald wieder vorbei. Wenn die Sonne scheint, dann kommen auch wieder neue Gäste. Stell dir aber vor, bei mir bricht eines Tages die Rinderkrankheit aus. Wenn auch nur ein Tier betroffen ist, dann müssen alle anderen auf dem Hof ebenfalls geschlachtet werden. Das kann einen Bauern von heute auf morgen in den Ruin treiben."

Der Wirt brachte dem Zellner eine mustergültig eingeschenkte Maß mit der richtigen weißen Schaumhaube auf den Tisch, nahm für sich selbst nur einen Pfiff und setzte sich zu ihm hin.

"Ich dachte, in solchen Fällen bekommen die Leute Geld vom Staat?", erkundigte er sich. "Vor ein paar Wochen stand das doch in der Kreiszeitung."

"Ja, freilich", bestätigte der Zellner. "Es gibt eine Entschädigungszahlung, die wenigstens einen Teil des Schadens ersetzt. Aber bis man das Geld bekommt, das dauert auch seine Zeit. Und auch dann, wenn man es endlich hat: Der Verdacht, dass die Seuche noch einmal bei einem ausbrechen könnte, bleibt weiter an einem haften, und so kann man eben doch in den Ruin getrieben werden. Der Tierdoktor hat mir erst kürzlich von einem solchen Fall erzählt", fuhr er fort, nachdem er einen kräftigen Schluck von seinem Bier genommen hatte. "Der Bauer hat ohnehin schon Schulden gehabt, und als dann eine seiner Kühe die Krankheit bekam, wurden ihm alle vierzig notgeschlachtet. Noch bevor er das Entschädigungsgeld hatte, ist ihm der Hof zwangsversteigert worden."

Im Stillen dachte der Wirt, dass der Zellner eine so tragisch

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