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Des Fremden Kind von Hollinghurst, Alan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.09.2012
  • Verlag: Blessing
eBook (ePUB)
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Des Fremden Kind

Im Sommer 1913 verbringt der junge aristokratische Dichter Cecil Valance ein Wochenende bei der Familie seines Cambridge-Kommilitonen George Sawle. Besonders Georges kleine Schwester Daphne ist sofort von dem gut aussehenden Gentleman eingenommen, und Cecil widmet ihr ein Gedicht. Es wird zum lyrischen Symbol einer ganzen Generation. Nach Cecils Tod im Ersten Weltkrieg ranken sich immer neue Mythen und Geheimnisse um die Person und das Werk des Dichters. Cecils Leser und sogar seine Familie stehen vor einem Rätsel. In den folgenden Jahrzehnten werden nicht nur Daphne und George, sondern vor allem Cecils literarischer Nachlass von Öffentlichkeit, Biografen und Wissenschaft instrumentalisiert - entsprechend der jeweiligen literarischen und kulturellen Mode der Zeit. Doch dann macht sich ein junger Literaturfreund daran, Cecils Geheimnis zu lüften, und ein Antiquar macht eine überraschende Entdeckung ... Ein sinfonischer Roman um eine schillernde und geheimnisvolle Figur - brillant erzählt in sinnenfreudigen Bildern und kommentiert mit ironischem Witz. Alan Hollinghurst wurde 1954 in Stroud geboren. Er studierte in Oxford und arbeitete anschließend als Literaturkritiker für das Times Literary Supplement. Hollinghurst hat zahlreiche Preise erhalten, darunter den Sommerset Maugham Award und 2004 den Booker Prize für seinen Roman Die Schönheitslinie. Alan Hollinghurst lebt in London.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 688
    Erscheinungsdatum: 03.09.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641076085
    Verlag: Blessing
    Originaltitel: The Stranger's Child
    Größe: 853 kBytes
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Des Fremden Kind

5

G eorge kam als Letzter nach unten, blieb aber trotzdem kurz auf der Treppe stehen. Sie waren fast fertig. Er sah das Hausmädchen mit einem Salzfässchen durch die Halle eilen, roch den gekochten Fisch, hörte Cecils vorlautes La chen - und er erschrak vor seiner eigenen Kühnheit, diesen Mann in sein Elternhaus eingeladen zu haben. Dann fiel ihm wieder ein, was Cecil im Park zu ihm gesagt hatte, während der halben Stunde, die sie sich mit der Ausrede, er habe den Zug verpasst, ergaunert hatten, und spürte bei der süßen, heimlichen Vorfreude ein Kribbeln im Kopf, in den Schultern, im ganzen Körper. Auf Zehenspitzen ging er die letzten Stufen hinunter und schlich sich in den Salon; die Gefahren, die auf ihn lauerten, raubten ihm schier die Sinne. "Ah, George", murmelte seine Mutter leicht vorwurfsvoll; er zuckte die Schultern und zierte sich, als wäre es sein einziges Vergehen, dass er sie hatte warten lassen. Hubert, mit dem Rücken zum leeren Kaminrost, hatte die Anwesenden in ein Gespräch über den öffentlichen Nahverkehr verwickelt. "Ihr seid also in Harrow und Wealdstone gestrandet, ja?" Er strahlte über den Rand seines Champagnerglases hinweg, als wäre er auf die Unbilden des Lebens in Stanmore so stolz wie auf dessen Segnungen.

"Was uns aber überhaupt nichts ausgemacht hat", bemerkte Cecil, der Georges Blick auffing und verlegen lächelte.

"Wie sagte mal ein Witzbold so schön? Harrow und Wealdstone klingt eher nach mittelalterlichen Folterinstrumenten."

"Oh, bitte, erspart mir den Wealdstone!", sagte Daphne theatralisch.

"Witzbolde können über Harrow und Wealdstone sagen, was sie wollen, wir sind ihnen jedenfalls treu ergeben", erwiderte seine Mutter.

George stand neben Cecil, schaute in das Glas seines Freundes, drückte ihm eine Hand ins Kreuz und trommelte mit den Fingern, wie um die heimlichen Töne der Abbitte und Verheißung anzuschlagen. "Nutze den Tag, lautet das Motto der Valances", sagte Cecil. "Wir sind dazu erzogen worden, keine Zeit zu vergeuden. Ihr wärt erstaunt, was man in einer halben Stunde so alles treiben kann, selbst auf einem Vor stadtbahnhof." Er zeigte ihnen allen sein strahlendes Lächeln, und als Daphne fragte: "Was denn für Sachen?", lächelte er einfach weiter, als hätte er sie überhört.

"Dann müsst ihr über Bentley Priory gekommen sein." Hubert schien wild entschlossen, ihren Weg Schritt für Schritt nachzugehen.

"Ja, stimmt", sagte Cecil sehr sanft.

"Queen Adelaide hat da früher mal gewohnt", führte Hubert weiter aus und runzelte umgehend die Stirn, wie um zu demonstrieren, dass er kein Aufhebens darum machen wollte.

"Das habe ich auch gehört", sagte Cecil, der sein Glas bereits geleert hatte.

"Ich glaube, später war es ein exzellentes Hotel", sagte Mrs Kalbeck.

"Heute ist es eine Schule", näselte Hubert pikiert.

"Ein trauriges Schicksal!", sagte Daphne.

Meine Güte!, dachte George, brachte es aber nur zu einem gequälten Schmunzeln. Er ging durch den Salon, goss sich den Rest Pommery ein und sah zum Fenster, in dem sich der erleuchtete Raum spiegelte und sich, erhaben und doppelt so groß, bis in die Tiefen des im Dunkeln liegenden Gartens erstreckte. Seine Hand zitterte, und er kehrte den anderen den Rücken zu, als er das randvolle Glas anhob und es mit der anderen Hand stützte. Solche Schwäche wäre bei Cecil unvorstellbar, und die Erkenntnis verstärkte Georges Scham unterschwellig nur noch mehr. Er drehte sich um und sah die anderen an, und plötzlich schien es, als würden umgekehrt alle ihn ansehen, als hätten sie sich auf seine Bitte hier eingefunden und warteten auf eine Erklärung. Er hatte nur ein friedliches Abendessen im Kreis der Familie geplant, um sie mit seinem Freund bekannt zu machen. Natürlich hatte er nicht mit der alten Kalbeck gerec

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