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Die Andersdenkende von Schubert, Helga (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.05.2013
  • Verlag: EDITION digital
eBook (ePUB)
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Die Andersdenkende

Das Buch erschien zuerst 1994 im Münchner dtv und vereinigt 29 Erzählungen und Reden der Autorin, die die Zeit vor und nach der friedlichen Revolution zum Gegenstand haben. Helga Schubert veröffentlicht Texte, die in der DDR keine Druckerlaubnis erhielten, Auszüge aus der Beobachtungsakte des Ministeriums für Staatsssicherheit über sie, die absurden Vorgänge hinter den Kulissen des Schriftstellerverbandes, die ihr die Teilnahme am Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt verboten, aber auch das erste Klassentreffen der Abi-Klasse von 1957, nun nach 33 Jahren im vereinigten Deutschland, denn die Hälfte war in den Westen gegangen. Zum Schluss steht ein Vortrag, den Helga Schubert 1993 in der Humboldt-Uni hielt, im Institut für Neueste Geschichte: Vom Wir zum Ich - Diktaturfolgen bei den Siegern der Geschichte. Das ist ein ironisch-erleichterter Abgesang. Inhalt: DIE FLUGZEUGENTFÜHRUNG (1972) DER BRIEF (1972) FRÜHERE STANDPUNKTE (1976) Auszüge aus meinen Stasi-Akten, Teil 1 JUGEND IN DER DDR (1976) DIE POLNISCHE WIRTIN (1977) CHRISTA WOLF ZUM 50. GEBURTSTAG (1979) MILDERNDER UMSTAND (1979) Auszüge aus meinen Stasi-Akten, Teil 2 DAS MÄRCHEN VON DEN GLÜCKLICHEN TRAURIGEN MENSCHEN (1981) EIN FEUERWERK IN BERLIN (1982) ANSPRACHE EINER VERSTORBENEN AN DIE TRAUERGEMEINDE (1983) EINE GEHEIME BIOGRAPHIE (1984) DIE ANDERSDENKENDE (1987) VOM GRANDHOTEL ZUR BARRIKADE (1987) DER UNTERTAN UND SEINE HERRSCHER (1987) LANDLEBEN (1987) DAS BÖSE IM HISTORISCH GUTEN (1988) DDR-FRAUEN (1989) ZWEIMAL DEUTSCHE HEIMAT (1989) DEUTSCHLAND IST EIN GESPALTENES LAND (1990) ZENSUR IN DER DDR (1990) DIE GETEILTE KLASSE (1990) ALS 51-JÄHRIGES EIGENTLICH UNGEWOLLTES KIND (1991) VERWIRRUNG ODER DIE DEUTSCHE IN MIR (1991) WAS ICH IN KLAGENFURT SAH UND HÖRTE (1993) FRAUEN IN DEUTSCHLAND - ZWISCHEN ANPASSUNG UND AUTONOMIE (1993) EIN VOLLZUG (1993) REDE ZUR VERLEIHUNG DES HANS-FALLADA-PREISES AM 3. 12. 1993 Helga Schubert Geboren 1940 in Berlin-Kreuzberg. Aufgewachsen in Ost-Berlin. Studium der Psychologie an der Humboldt-Universität. Nach Diplom 1963 bis 1987 Arbeit in der Erwachsenen-Psychotherapie in Berlin-Weißensee und -Mitte. Seit 1977 freiberufliche Schriftstellerin. Helga Schubert lebt mit ihrem Mann, dem Psychologie-Professor, Schriftsteller und Maler Johannes Helm, nach Jahrzehnten in Berlin seit 2008 in Neu Meteln/ Landkreis Nordwestmecklenburg, wo sie eine Galerie mit seinen Bildern eröffneten. 1975: Beginn ihrer Veröffentlichungen (Erzählungen, Märchen für Kinder und Erwachsene, Hörspiele, Theaterstücke, Filmszenarien). 1987 Berufung als Jurymitglied für den Ingeborg-Bachmann-Preis Österreich und Wahl in den PEN. Dezember 1989 bis März 1990 parteilose Pressesprecherin des Zentralen Runden Tisches in Ost-Berlin. Seit 1992 Mitglied des Autorenkreises der Bundesrepublik. Buch-Veröffentlichungen: Lauter Leben, Aufbauverlag Berlin, ab 1975 fünf Auflagen Vier Bücher über das Mädchen Bimmi, Kinderbuchverlag Berlin, ab 1980. 1992 zu einem Buch zusammengefaßt und neu illustriert, auch bei Middelhauve. Die Beunruhigung (Szenarium zum gleichnamigen Film, der 1982 zur Biennale in Venedig lief), Henschel-Verlag Berlin, 1982 Das verbotene Zimmer, Luchterhand Darmstadt, 1982 (in der DDR keine Druckerlaubnis) Blickwinkel, Aufbau-Verlag Berlin, 1984 Anna kann Deutsch, Luchterhand, 1985 Schöne Reise, Aufbau-Verlag Berlin, 1987 Über Gefühle reden? Berliner Verlag, 1988 Judasfrauen (Denunziantinnen), Luchterhandverlag 1990, dann Aufbauverlag, Büchergilde Gutenberg, dtv, Übersetzungen erschienen in Italien, Frankreich und Japan Gespräch mit Helga Schubert und Rita Süssmuth: Bezahlen die Frauen die Wiedervereinigung, Piper München, 1992 Die Andersdenkende, dtv München, 1994 Das gesprungene Herz, dtv München, 1995 Die Welt da drinnen (Eine deutsche Nervenklinik und der Wahn vom unwerten Leben), S.Fischer Frankfurt/Main, 2003 Beteiligung an vielen Anthologien Auszeichnungen: Heinrich-Mann-Preis Heinrich-Greif-Preis Hans-Fallada-Pre

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 278
    Erscheinungsdatum: 03.05.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863949693
    Verlag: EDITION digital
    Größe: 486 kBytes
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Die Andersdenkende

Hier ist Ihr Abendbrot. Nun, wie hat es Ihnen gefallen? Wir kennen uns schon dreißig Jahre, stellen Sie sich vor. Warten Sie, ich hole noch ein drittes Glas für den Wodka. Sdrowie, panstwo. Ich trinke auf Ihr Wohl. Wissen Sie, woher ich die Baudenwirte kenne? Ich glaube, ich kann es Ihnen erzählen. Wir waren im Krieg Kuriere, in einer Einheit der Partisanen, wir gehörten zur Armia Krajowa - der Landesarmee. Unsere Aufgabe bestand in bewaffneten Aktionen und in Kundschafterdiensten. Wir meldeten die Stellungen der Deutschen an die westlichen Armeen. Aber Sie wissen ja, die haben uns nicht unterstützt. Die Westmächte betrachteten uns als "strategisches Operationsgebiet der Sowjetunion" - ich höre es noch wie heute. Nun gut, wir haben es auch so geschafft. Unsere Einheit führte Abwehrmaßnahmen im Falle von deutschen Aktionen durch, nachher erzähle ich Ihnen ein Beispiel, das mich persönlich betraf und das auch erfolgreich endete. Eine Partisaneneinheit befreite im Mai 1943 aus einem Transport nach Auschwitz 49 polnische Häftlinge. Dabei töteten sie vier Gestapoleute. Aber auch zwei Offiziere der Armia Krajowa fielen dabei. Von einer anderen berühmten Partisanenaktion werden Sie sicher gehört haben, wir haben auch einen Film darüber gedreht. Es war am 1. Februar 1944. An diesem Tag vollstreckten Partisanen das Todesurteil unseres Untergrundgerichts am SS- und Polizeiführer des Distrikts Warschau, General Kutschera. Zwei Frauen dieser Aktion leben noch, sie berichteten kürzlich darüber in einer Zeitung. Ja, viele haben überlebt, obwohl die Deutschen täglich 3000 Menschen von uns umgebracht haben. Im ganzen 5 850 000 Menschen. 22 % unserer Bevölkerung, diese Zahlen las ich in der Dokumentation, von der ich schon sprach. Nun will ich noch von uns erzählen. Wir kannten die Berge ganz genau und die Wälder an der Grenze. Und wir brachten nachts Geld und Schmuck über die Grenze bis zum nächsten Kurier. Wir haben damit Partisanen geholfen, in Ungarn und in der Tschechoslowakei. Es war anstrengend, die Aufträge zu erfüllen. Den ganzen Tag war ich doch im Lazarett auf den Beinen. Aber es war niemand mehr weiter da aus unserer Familie. Zum Kämpfen. Meinen Vater und meine Schwester hatten die Faschisten schon umgebracht. Und meinen Bruder hatten sie auch gefangen. Einmal auf einem Kuriergang im Winter haben sie mir den Kameraden erschossen. Mich hatten sie hinter den Bäumen nicht gesehen. Stellen Sie sich vor, ich musste ihn liegen lassen. Denn er war gleich tot. Und nichts, gar nichts hätte es ihm genützt, wenn ich auch noch tot wäre. Ich hatte auf dem Rücken einen ganzen Rucksack mit Gold und Geld für die Partisanen. Und am nächsten Morgen war ich wieder eine Krankenschwester. Ich habe Ihnen ein paar Fotos mitgebracht, damit Sie sehen, wie ich damals aussah. Das bin ich. Ja, ich war schön. Das war unser Glück. An einen Auftrag muss ich immer wieder denken. Das war an einem Abend. Am nächsten Morgen wollten sie meinen Bruder hinrichten. Das hatten wir gerade erfahren. Wir mussten ganz schnell handeln. Darum haben wir uns mit dem Kasino-Kellner von den SS-Offizieren verabredet. Er gehörte auch zu uns. Er machte zwei SS-Leute neugierig auf meine Freundin und auf mich. Er sagte, dass wir Volksdeutsche sind und dass wir uns in sie verliebt haben. Vom Sehen. Und dass sie mit uns vielleicht einen netten Abend verbringen können. Sie müssten natürlich etwas springen lassen. Vielleicht, sagte der Kellner, nehmen wir sie sogar zu uns mit nach Hause. Sie sollten ihn nur machen lassen. Sie haben sich gefreut. Was denken Sie, wie aufgeregt die waren und was sie ihm für ein Trinkgeld gegeben haben, dass er uns nur auf der Stelle in das Kasino holt. An dem Abend habe ich mich zum ersten Mal in meinem Leben geschminkt. So sehr, dass ich vor mir selber einen Schreck bekam. Mut hab ich mir antrinken müssen. Aber dann tranken wir immer etwas anderes als die Herren Offiziere. Dafür sorgte schon der Kellner. Als sie

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