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Die Antwort auf Vielleicht Roman von Winter, Hendrik (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.01.2019
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
8,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Ab 31.01.2019 per Download lieferbar

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Die Antwort auf Vielleicht

Adam hat nicht damit gerechnet, sich in eine der Patientinnen zu verlieben, die er täglich zur Chemotherapie und zurück fährt. Doch dann steigt eines Tages Jessi in sein Taxi - jung, schön, todkrank. Ehe er sichs versieht, ist es um ihn geschehen. Als er erfährt, dass Jessi vielleicht nur noch wenige Wochen zu leben hat, setzt er alles daran, ihr diese Zeit so schön wie möglich zu machen. Währenddessen erkennt er, dass auch er seine Träume vielleicht nicht bis 'irgendwann einmal' aufschieben sollte ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 399
    Erscheinungsdatum: 31.01.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732561223
    Verlag: Bastei Lübbe AG
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Die Antwort auf Vielleicht

Zwei Glatzen

Z wei schöne runde und glatte, im Morgenlicht wie poliert schimmernde Glatzen.

Zu der einen gehörte ein schmales Gesicht mit allerhand Metall darin. Ein silberner Ring in der Nasenscheidewand, in jedem Nasenflügel ein Piercing, auch in den Brauen, die Ohrläppchen überfrachtet mit Ringen unterschiedlicher Größe. Ich schätzte das Alter des Mädchens auf höchstens achtundzwanzig, wenngleich das echt schwierig war. Leute mit Glatze wirkten jünger, fand ich. Sie war klein, vielleicht eins sechzig, sehr schlank und komplett in Schwarz gekleidet. Schwarze Leggins, so eng anliegend wie eine zweite Haut, ein schwarzes Langarmshirt, die Ärmel bis in die Ellenbogen hochgeschoben. Dazu schwarze Springerstiefel, die an diesen dünnen Beinen zu schwer und zu groß wirkten. In der Taille schnürte ein mit Nieten besetzter Gürtel das Shirt, an den Handgelenken fanden sich passende Armbänder dazu. Die Tattoos an den Unterarmen rankten sich um ein einziges Grundmotiv: den Totenkopf.

Aus leicht schlafmützigen braunen Augen sah mich das Mädchen abschätzig an und kaute dabei auf einem Kaugummi herum. Sie trug einen Jutebeutel mit dem stilisierten Aufdruck eines Orcas auf der Vorderseite, oben schaute ein Handtuch heraus.

Unter meinen Kollegen hatte sich der Ausdruck "Handtuchfraktion" breitgemacht, weil alle eines dabeihatten. Es war bei der Behandlung verpflichtend vorgeschrieben, aber niemand trug es einfach so unter dem Arm, wie man es am Strand oder auf dem Weg in die Sauna tat, nein, sie versteckten es in Tüten, Taschen oder Beuteln. Vielleicht dachten sie, es verriete zu viel. Dabei wussten doch nur Eingeweihte wie ich, was diese Handtücher zu bedeuten hatten.

"Hey, ich bin Vero", begrüßte sie mich.

"Adam Wondraschek", stellte ich mich vor und schüttelte ihre Hand.

Obwohl sie so klein war, hatte sie einen kräftigen Händedruck.

"Ditt iss meene Freundin Jessi."

Veros Berliner Akzent war nicht zu überhören.

Jessi trug eine olivfarbene Cargohose mit unzähligen kleinen und großen Taschen daran, dazu eine blaue Kapuzenjacke mit weißen Bändchen, beides eine bis zwei Nummern zu groß. Sie maß ungefähr eins fünfundsiebzig, hielt die Schultern gerade und machte einen fitten Eindruck. Ihr Gesicht war vollkommen anders als das ihrer Freundin. Zum einen fehlte das Metall, zum anderen war es ein klassisches Modelgesicht mit perfekten Proportionen und makellosen Zähnen. Die nicht vorhandene Frisur hob ihre femininen Züge nur noch mehr hervor. Ihre moosgrünen Augen waren groß und rund und verunsicherten mich.

"Hi."

Ihr Händedruck war sanfter und weiblicher als Veros. Sie lächelte mich an dabei.

"Na dann, darf ich bitten!"

Ich öffnete die hintere rechte Tür und machte eine einladende Handbewegung. Totenkopf-Vero warf ihre Orca-Handtuchtasche in den Fond und krabbelte dann selbst hinein. Jessi folgte ihr. Bevor ich die Tür zuschlagen konnte, tuschelten die beiden miteinander und lachten.

Über mich?

Mit dem üblichen leichten Unwohlsein ließ ich mich in den Fahrersitz fallen und startete den Motor. Die allererste Fahrt war jedes Mal ein bisschen speziell. Man kannte sich nicht, musste sich erst abtasten und herausfinden, mit wem man es zu tun hatte. Erste Fahrten mochte ich nicht besonders. Im Small Talk war ich nie gut gewesen, es lag mir nicht, im Anbetracht der Umstände übers Wetter oder den Verkehr zu reden. Erst recht nicht, wenn ich eine Kundin im Wagen hatte, die noch nicht im Rentenalter war - und heute waren es gleich zwei davon!

Nur eine von beiden war die Patientin, aber ich wusste nicht, ob Jessi oder Vero. Warum hatten beide eine Glatze? Warum fuhren sie überhaupt gemeinsam zu diesem Termin? In meinem Fahrplan für heute stand nur ein Name. Bischoff. Dazu die Adresse und die Uhrzeit, aber kein Vorname.

Ich warf einen kurzen Blick in den Rückspiegel, dann wusste ich Bescheid.

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