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Die Arznei der Könige Historischer Roman von Weiß, Sabine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.03.2018
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Die Arznei der Könige

Ein stimmungsvoller, spannender Historischer Roman, inspiriert vom Leben der historischen Medica Jakoba die Glückliche Lüneburg im 14. Jh. Nach dem Tod ihrer Familie hat die junge Adlige Jakoba in einem Kloster ihre Bestimmung als Krankenpflegerin gefunden. Doch ihr Bruder zwingt sie in eine neue Ehe, und als ihr brutaler Mann einem Unfall zum Opfer fällt, muss Jakoba fliehen. Nur der Hilfe Arnolds, eines Theriak-Krämers, hat sie es zu verdanken, dass sie sich nach Paris durchschlagen und als Heilerin einen Namen machen kann. Rasch ist sie so erfolgreich, dass sogar der sieche König nach ihr ruft und nach der 'Arznei der Könige' verlangt. Doch damit macht sie sich gefährliche Feinde ... Sabine Weiß, Jahrgang 1968, arbeitete nach ihrem Germanistik- und Geschichtsstudium zunächst als Journalistin. 2007 veröffentlichte sie ihren ersten historischen Roman, der zu einem großen Erfolg wurde und dem viele weitere folgten. Im März 2017 erschien ihr erster Kriminalroman, Schwarze Brandung. Mehr über die Autorin im Internet: www.sabineweiss.com.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 637
    Erscheinungsdatum: 29.03.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732550265
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Die Arznei der Könige
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Die Arznei der Könige

2

Dahlenburg

S ie zitterte am ganzen Leib. Ihr Kopf dröhnte. Die Striemen auf ihrem Rücken brannten, und Jakoba war übel vor Hunger. Die Erinnerung war sofort wieder da. Bevor ihr jemand hatte zu Hilfe kommen können, hatte ihr Angreifer sie niedergeschlagen, und Jakoba hatte das Bewusstsein verloren. Wohin hatte man sie gebracht? Vor Kopfschmerzen blinzelnd, sah sie sich um. Dicke Feldsteinmauern, die fadenscheinigen Vorhänge des Himmelbetts, die altertümliche Einbaumtruhe - sie war in ihrer alten Kammer in der elterlichen Burg. Ihr Blick verschwamm. Nur das nicht! Anno war es also gewesen, der sie aus dem Kloster entführt hatte! Sie hätte es voraussehen und die Priorissa warnen müssen!

Mühsam stemmte sie sich hoch. Es dauerte lange, bis das Schwindelgefühl nachließ. An den Rundmauern entlang tastete sie sich zum Fenster. Vorsichtig löste sie die Ziegenhaut, die die Öffnung verschloss. Das Panorama ihrer Kindheit und Jugend tat sich vor ihr auf: Wälder und Weiden, eine bescheidene Ansammlung Häuser, eine Straße, ein Fluss. Früher war Dahlenburg ein Bollwerk gegen die Slawen gewesen, die hier einfielen, Kirchen zerstörten und Dörfer verheerten. Noch ihr Vater hatte die Heiden im eigenen Land bekämpft. Heute bestand die wichtigste Bedeutung des Fleckens Dahlenburg darin, dass hier der Zoll an der Handelsstraße von Lüneburg nach Magdeburg kassiert wurde.

Im Vorhof der Sattelburg übten sich trotz des Schneegriesels Anno und seine Söhne im Ringkampf. Leo und Lüder waren sechs und sieben und in dem einen Jahr, in dem Jakoba sie nicht gesehen hatte, kräftig in die Höhe geschossen. Bald würden sie in die Obhut eines Ritters gegeben werden und als Pagen ihre Ausbildung antreten. Jetzt glühten die Wangen der Jungen, und sie bewegten sich langsam, als bereite jeder Schritt ihnen Mühe. Anno trieb sie an und fuhr ihnen mit einem langen Stock in die Beine, wenn sie nicht flink genug waren.

Ein Knecht brachte die Jagdhunde. Ihr Bruder liebte die Jagd. Er hielt Sauhunde, Hetzhunde und Lochhunde in seinem Zwinger und ließ sie besser versorgen als sein Gesinde. Annos Blick wanderte zum Bergfried. Jakoba ließ den Fellvorhang sofort fallen - er musste nicht wissen, dass sie wach war. Noch immer konnte sie nicht fassen, dass ihr Bruder es gewagt hatte, sie aus dem Kloster zu entführen. Instinktiv wusste sie: Was Anno auch vorhatte, er hatte nicht ihr Wohl im Sinn. Irgendwie musste sie es schaffen, ins Kloster zurückzukommen.

Sie widerstand der Versuchung, ihrer Erschöpfung nachzugeben und sich ins Bett zu verkriechen. Allerdings war sie im Leibhemd, ihre Novizentracht war verschwunden. Sie musste sich auf die Suche nach einem Kleid und einem Umhang machen, und dann nichts wie zum Stall. Vielleicht hatte Anno ja ihr altes Pferd noch. Vorsichtig öffnete sie die Tür - und wäre beinahe über jemanden gestolpert. Das etwa fünfjährige Mädchen, das im Türrahmen gesessen hatte, starrte sie überrumpelt an.

"Trude? Du bist aber groß ...", wollte Jakoba sie aufhalten, aber es war zu spät, das Mädchen war schon aufgesprungen.

"Vater, Vater - die Tante ist wach!", rief Trude und lief die Holztreppe hinab.

Hilflosigkeit und Schwäche übermannten Jakoba jetzt vollends. Sie tastete sich zum Bett zurück. Ungesehen zu fliehen war ja ohnehin unmöglich.

Wenige Augenblicke später war sie von Getöse umgeben. Drei Hunde sprangen herein, wolfsähnlich und geifernd. Mit ihren schweren Häuptern, den hochgezogenen Lefzen und den nadelspitzen Zähnen jagten die Bracken Jakoba eine Heidenangst ein. Anno kam hinterher. Nase und Wangen waren rot gefroren. Er tätschelte seine Hunde, während eine Magd eine Schale auf das Tischchen stellte und das Feuer schürte. Hirsebrei - er duftete so köstlich, dass Jakobas Magen sich zusammenkrampfte.

Ihr Bruder setzte sich auf einen Faltstuhl und streckte die langen Beine zum Kamin hin aus. Die Hunde legten sich zu seinen Füßen. Wohlwolle

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