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Die Bauchtänzerin von Obhodjas, Safeta (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.04.2015
  • Verlag: CulturBooks Verlag
eBook (ePUB)
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Die Bauchtänzerin

Safeta Obhodjas führt uns mit ihrem Roman "Die Bauchtänzerin" in eine erfundene Stadt zwischen Orient und Okzident in einem gar nicht erfundenen Bosnien. Erzählt wird die Geschichte der jungen, verwöhnten und eigensinnigen Vildana Mulic, die einer Familie mit muslimischen Wurzeln entstammt, aber ganz und gar europäisch ausgerichtet ist. Vildana sucht ihren Platz in einer bunten Gesellschaft, die anfangs noch aus vielen unterschiedlichen Religionen und Kulturen besteht - um sich dann radikal zu nationalisieren und zu verändern und einer kreativen Modeschöpferin wie Vildana kaum mehr Raum zum Leben zu geben. Obhodjas nähert sich Vildana aus zwei Perspektiven: Sie nutzt die Fotografin Sandra für die distanzierte Beschreibung Vildanas und Kommentierung der gesellschaftlichen Umbrüche und lässt im Wechsel Vildana selbst zu Wort kommen. Es entsteht das Kaleidoskop eines modernen muslimischen Frauenlebens zwischen zwei rasant auseinanderdriftenden Kulturen. Ein Buch über Frauen zwischen den Kulturen - zwischen Europa und Orient -, was für ein spannendes und immer wieder wichtiges Thema! Bei uns erscheint "Die Bauchtänzerin" zum ersten Mal in deutscher Sprache und komplett überarbeitet. Safeta Obhodjas wurde 1951 in Pale nahe Sarajevo in eine bosnisch-muslimische Familie hineingeboren. Sie hat in Sarajevo studiert, dann in Pale gelebt. 1980 begann sie mit den Veröffentlichungen ihrer Prosa. In ihren Werken stellte sie moderne Frauen Bosniens vor mit ihrer ganzen Zerrissenheit zwischen Moderne und Tradition und ihren Problemen, die sie in einer patriarchalischen Gesellschaft bekommen. Ende 1992 musste sie unter dem Druck der serbischen Nationalisten ihre Heimat verlassen. Seitdem lebt sie in Deutschland, in Wuppertal. Safeta Obhodjas setzt sich für bessere Ausbildungschancen der Migrantinnen in Deutschland ein und möchte Musliminnen hier im Land animieren, für ihre Integration zu kämpfen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 430
    Erscheinungsdatum: 01.04.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783944818801
    Verlag: CulturBooks Verlag
    Größe: 583 kBytes
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Die Bauchtänzerin

-1-

Der Familienüberlieferung nach befanden sich die Fotos von Familie Mulic auf dem ersten Film, den mein Vater lange vor Vildanas Geburt im Fotolabor seiner zukünftigen Braut, meiner Mutter, entwickelt hatte.

Mein Vater Ivo war in seiner Jugend ein Vagabund. Er hatte keine Ahnung, welcher Nationalität er zugehörte, und verspürte auch kein Bedürfnis, irgendwo dazuzugehören. Viele Hummeln im Hintern trieben ihn durch die Gegend, sodass er keine Zeit hatte, über seine Herkunft nachzudenken. Das Fotohandwerk erlernte er rein zufällig in der Armee. In einem Zagreber Fotoladen klaute er eine Kamera, und danach begann sein Wanderleben. Eine Weile verdiente er sein Brot als reisender Fotograf, wobei er auch viel über Menschen lernte, die sich zu ihren Wurzeln bekannten. Jede Ortschaft auf beiden Seiten der Grenze von Kroatien und Bosnien-Herzegowina besuchte er mehrmals im Jahr, meistens zu den Zeiten der großen Festtage. Alle Filme, die er bei diesen Gelegenheiten aufnahm, entwickelte er später in den Dunkelkammern seiner Kollegen in größeren Städten, und die angefertigten Fotos schickte er per Post an seinen Kundenstamm. Er war für seine Ehrlichkeit bekannt, deshalb zögerte seine Kundschaft nicht, ihn im Voraus zu bezahlen.

An einem heißen Sommertag besuchte er in einer bosnischen Stadt, die ich weiter einfach nur die Carsija nennen möchte, einen kommunistischen Jahrmarkt. Diesmal entschied sich Besim Mulic, Spross einer angesehenen, einheimischen Familie, samt seiner jungen Gattin Edina, als Erster vor seinem Objektiv zu posieren.

- Ich werde mich bis zum Ende meiner Tage wundern, wie sie es geschafft haben, mich an nur einem Tag an die Carsija zu binden. Sie haben mich sozusagen gezwungen, hier mein Glück zu finden - erklärte Ivo uns, seinen Kindern, die Tatsache, warum wir gerade in dieser Stadt geboren wurden.

Nachdem Posieren und Fotografieren vorbei waren, kamen die zwei jungen Männer ins Gespräch. Vildanas Mutter stand daneben und hörte ihnen zu. Voller Stolz erzählte mein Vater von seiner Art, Geschäfte zu machen, immer auf der Durchreise, ohne festen Wohnsitz, ohne die Absicht, sich irgendwo niederzulassen. Als er weg wollte, lud Edina ihn ein mitzukommen. Sie wollte zu ihren Verwandten im Stadtzentrum, die das junge Paar zum Mittagessen erwarteten. Das sei ein wohlhabendes Haus, erklärte sie ihm, bei ihnen gäbe es immer eine Portion mehr, auch für nicht geladene Gäste.

Ivo kannte schon diese angenehme Gastfreundschaft der Bosnier und schöpfte keinen Verdacht. Er begleitete sie also und freute sich auf eine Mahlzeit aus einer richtigen Hausküche.

Dort wurde ihm viel mehr als eine Mahlzeit angeboten.

Edinas Verwandter, von Beruf auch Fotograf, besaß ein Fotoatelier im ersten Stock seines Hauses, aber eine schwere Krankheit hinderte ihn daran, weiter zu arbeiten. Seine nicht mehr junge, aber noch immer hübsche Tochter hatte sein Handwerk leider nicht erlernt, weil der Vater ihr nicht mal erlaubte, seine Kameras auch nur anzufassen. Gerade versuchte er jemanden zu finden, dem er sein Geschäft vermieten konnte. Ivo hat später jahrelang, immer laut lachend, geschworen, dass diese ganze Familienbande ihn damals verzaubert hätte. Mit gesundem Verstand hätte er wohl nie zugestimmt, den ganzen Laden mit allem, was drin war, zu übernehmen.

Zweimal stieg er in einen Bus, um seinem Versprechen zu entkommen, aber sein gegebenes Wort war stärker als seine Angst vor Bindung. Er kam wieder zurück, und nach zwei Tagen ging er mit Besim zu einem Notar, der einen Vertrag für die Übernahme ausfertigte.

- Das war Teufelswerk, das nur Bosnier kennen. Ich habe nie daran gedacht, auf meine Reisen zu verzichten und sesshaft zu werden, schon gar nicht in so einem verschlafenen Kaff. Ach, nicht gerade Kaff, sondern etwas dazwischen, weder Provinz noch richtige Stadt. Sie haben mir mit Raki meinen gesunden Verstand betäubt, und seit diesem Tag reise ich nur no

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