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Die Buchhandlung der Träume Roman von Canio, Cristina Di (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.05.2018
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Die Buchhandlung der Träume

Mit ihrer kleinen Buchhandlung am Stadtrand von Mailand hat sich Nina einen Traum erfüllt. Und seit sie eine besondere Idee hatte, ist ihr Laden zu einem beliebten Treffpunkt geworden: Jeder Kunde kann ein Buch, das für ihn eine große Bedeutung hat, dem zufällig nächsten Kunden schenken. Auch wenn das Buchgeschenk anonym ist, entstehen auf diese Weise Freundschaften, ja sogar Liebespaare finden sich. Nur Nina selbst ist einsam, wenn sie abends die Türen ihrer Buchhandlung schließt. Bis eines Tages ein junger Musiker in einer Matrosenjacke in ihren Laden kommt und Nina eine Kiste voller antiquarischer Bücher bringt ...

Cristina Di Canio, Jahrgang 1984, hat sich 2010 einen Traum erfüllt und in Mailand die Buchhandlung "Il mio libro" eröffnet, die heute eine der bekanntesten unabhängigen Buchhandlungen Italiens ist. Berühmt ist ihre Initiative "Il libro sospeso", bei der sich Kunden anonym Bücher schenken.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 21.05.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641206642
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: La libreria delle storie sospese
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Die Buchhandlung der Träume

2

"War das wirklich nötig? Verliert er so nicht die Authentizität?"

"Das hängt davon ab, wie wir Authentizität definieren." Der Dozent stolziert durch den Raum. Sein Bart ist ungepflegt, er trägt eine bunte Fliege um den Hals. In den Händen hält er ein kleines Notizbuch, allerdings hat er es während der ganzen Zeit nicht einmal aufgeschlagen, sondern nur damit gespielt. Ich verwette meine Rente, dass das Notizbuch leer ist, nicht mal eine Zeile hat der geschrieben. Gut, vielleicht eine Einkaufsliste. Gedankenversunken macht er noch ein paar Schritte, dann bleibt er vor der jungen Frau stehen, die ihm die Frage gestellt hat: "Was ist authentischer, das Original oder die Übersetzung?"

"Das liegt doch auf der Hand", antwortet sie, zuckt mit den Schultern und verzieht das Gesicht wie ein Mathematiker, den man gefragt hat, ob zwei und zwei vier ergibt. "Aber der Leser wertschätzt die Übersetzung in seine Sprache, weil sie sich für ihn wie das Original liest. Stell dir vor, es geht um deine Lieblingsstelle, du hast sie immer und immer wieder gelesen, und dann wird das Buch neu übersetzt! Die Wörter, die Satzstellung, alles ist verändert, fremd ..."

"Deine Sicht der Dinge ist interessant, aber du sprichst von einem Leser, der das Buch bereits in einer anderen Version kennt." Der Dozent hält inne, als ob er sich vergewissern wollte, dass ihm auch alle noch zuhören. "Aber wer es zum ersten Mal in dieser Übersetzung liest, könnte einen besseren Zugang zu diesem Buch finden, wenn es in einer moderneren Sprache übersetzt ist."

In Momenten wie diesem beneide ich meinen armen Domenico um sein Hörgerät. Er war fast taub, und immer wenn er sich in Gesprächen langweilte, schaltete er es einfach aus, lächelte wissend und tat so, als würde er zuhören.

Nina hat ihre Buchhandlung für diesen Abend ihrer Lesegruppe zur Verfügung gestellt, und wir diskutieren etwa seit einer Stunde über den Wert von Übersetzungen. Um ehrlich zu sein, die anderen diskutieren, während ich warte, dass der Dicke in der karierten Jacke, der die ganze Zeit auf sein Handy starrt, endlich aus dem Sessel aufsteht und ich mich auf meinem Stammplatz ausruhen kann.

Nicht dass ich die Diskussion nicht interessant fände. Die Ansätze sind viel versprechend, der gut aussehende Dozent hat Charisma, dem ich auf der Stelle erliegen würde, wenn ich fünfzig Jahre jünger wäre und mehr Wert auf Äußerlichkeiten legen würde. Aber schon der Titel der Veranstaltung schreckt ab, "Kreativ lesen" ... was soll das denn bitte sein?

Ich glaube nicht, dass das bei mir funktioniert.

Ich habe schon immer gerne gelesen und finde mich durchaus kreativ. Aber bis heute fällt es mir schwer, meine Leseerlebnisse mit anderen zu teilen, es sei denn, es sind Menschen, die ich wirklich schätze. Vielleicht, weil es mir peinlich ist, dass ich nicht studiert habe, sondern mir alles selbst beigebracht habe.

"Genau, wie bei Shakespeare!", nimmt der Dozent den Faden wieder auf und deutet mit dem Notizbuch auf eine Frau mittleren Alters, die ihn regelrecht anhimmelt. "Die englischen Schüler hassen ihn wegen seiner antiquierten Sprache, wir dagegen, die seine Werke in der Übersetzung lesen können, sind von ihm fasziniert. Das Gleiche gilt für Don Quijote von Cervantes für die spanischen Leser."

"Das heißt ...", murmelt der Typ im Sessel, der immer noch auf das Display seines Handys starrt, "dass es irgendwo auf der Welt Leser gibt, die tatsächlich Gefallen an dem ollen Dante finden?"

Ich bin entsetzt und muss mich zurückhalten, diesem Banausen nicht die Taschenbuchausgabe von "Stoner" an den Kopf zu werfen, in der ich gerade blättere. Zu dünn. Der hätte mindestens "Krieg und Frieden" verdient.

"Warum sagst du nichts?", flüstere ich Nina zu, die einige Schritte von mir entfernt an einem Regal lehnt. Nach all den Diskussionen, die wir über die "Göttliche Komödie" geführt haben, hätte ich etwas zur Verteidigung von Sig

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