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Die Bucht, die im Mondlicht versank Roman von Clarke, Lucy (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.06.2017
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
12,99 €
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Die Bucht, die im Mondlicht versank

Als Jacob sich von seiner Mutter Sarah verabschiedet, um zu einer Strandparty zu gehen, ist alles wie immer. Am nächsten Morgen ist nichts mehr, wie es war: Jacob ist verschwunden. Vor genau sieben Jahren verschwand auch Marley an diesem Strand, der Sohn von Sarahs bester Freundin Isla. Später wurde er tot geborgen. Verzweifelt sucht Sarah nach Spuren und stößt dabei auf viele Fragen: Wo war ihr Mann in der Nacht, als Jacob verschwand? Warum sind Jacobs Klamotten in Islas Haus? Und was verschweigt der Fischer, der damals Marleys Leiche fand? Stück für Stück setzt sich ein Bild der Ereignisse zusammen, das Sarah dazu zwingt, sich endlich einer Wahrheit zu stellen, vor der sie so viele Jahre lang die Augen verschlossen hat.

Lucy Clarke studierte Englische Literatur an der Universität von Cardiff, bevor sie sich ganz ihrer Karriere als Schriftstellerin widmete. Ihre Romane erobern auf der ganzen Welt die Bestsellerlisten. Sie ist passionierte Tagebuchschreiberin und mit einem professionellen Windsurfer verheiratet, mit dem sie zwei Kinder hat und die Liebe zum Meer teilt. Den Sommer verbringen sie an der Südküste Englands, den Winter in fernen, exotischen Ländern.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 02.06.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492975971
    Verlag: Piper Verlag
    Größe: 2714kBytes
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Die Bucht, die im Mondlicht versank

1. Sarah

Erster Tag, 6 Uhr 15

In der Ferne höre ich die Wellen an den Strand schwappen. Ich bleibe still liegen, die Augen geschlossen, spüre dennoch, wie das Licht der Morgendämmerung in die Hütte sickert und mich herauszulocken versucht. Ich bin aber noch nicht bereit für den neuen Tag. In meinem Magen macht sich ein merkwürdiges Gefühl breit.

Ich strecke die Hand aus und stelle fest, dass Nicks Bettseite leer ist. Das Laken ist kalt. Er ist in Bristol, fällt mir wieder ein. Heute Morgen hat er seine Präsentation. Als er gestern Abend aufbrach, drückte ich ihm ein Stück Geburtstagskuchen in die Hand. Zu dem Zeitpunkt lächelte Jacob noch, glücklich über die Geschenke zu seinem siebzehnten Geburtstag. Nick hat keine Ahnung, was später passiert ist.

Leise Panik steigt in mir auf: Wird Jacob ihm alles erzählen?

Plötzlich sitze ich kerzengerade im Bett. Wilde Gedanken schießen mir durch den Kopf. Die Vibration von Jacobs Schritten, als er durch die Hütte polterte, spüre ich noch genauso wie den Windzug der zuknallenden Tür, der seine Geburtstagskarten wie tote Vögel zu Boden trudeln ließ. Ich hob sie auf und stellte sie ordentlich wieder hin - bis ich zur letzten Karte kam, selbst gebastelt, mit einem Foto auf der Vorderseite. Als ich sie zwischen den Fingerspitzen hielt, stellte ich mir vor, was für ein gutes Gefühl es wäre, sie einfach zu zerreißen. Dann zwang ich mich, sie ins Regal zurückzustellen, und arrangierte die anderen Karten so, dass sie dahinter verschwand.

Ich lausche, ob ich Jacob atmen höre, vielleicht ein leises Schnarchen, aber außer dem Geräusch der Wellen vor der Tür herrscht absolute Ruhe. Mit einem Mal bin ich hellwach. Hatte ich ihn nachts überhaupt heimkommen hören? Es ist unmöglich, sich unbemerkt in die Strandhütte zu stehlen. Man muss die Tür aufreißen, weil der Holzrahmen von der Feuchtigkeit aufgequollen ist, und dann muss sich Jacob im Dunkeln um das Schlafsofa herumschleichen und die knarrende Leiter zum Hängeboden hochklettern. Dort hört man ihn unweigerlich über die Holzdielen zu seiner Matratze unter der Dachschräge rutschen.

Ich schlage die Decke zurück und stehe auf. Im Dämmerlicht suche ich den überschaubaren Raum unserer Hütte nach Spuren von meinem Sohn ab. Da sind keine Turnschuhe, die an der Tür weggekickt wurden, und auch kein achtlos aufs Sofa geworfener Pullover, keine benutzten Gläser oder Teller, die einfach in die Küche gestellt wurden, keine Krümel. Die Hütte ist so tadellos sauber, wie ich sie hinterlassen habe.

Den leichten Schmerz, der in meinem Kopf pocht, ignoriere ich. In drei Schritten habe ich die Hütte durchquert und steige ein Stück die Leiter hinauf. Im Raum über der Zwischendecke ist es dunkel. Ich habe das Bullaugenfenster zugehängt und Jacobs Bett gemacht, bevor ich schlafen gegangen bin. Normalerweise liegt hier der besondere Geruch eines Teenagers in der Luft, aber an diesem Morgen zeichnet sich nicht die Gestalt eines Siebzehnjährigen unter der Bettdecke ab.

Ich kneife die Augen zusammen und stoße einen leisen Fluch aus. Was hatte ich erwartet?

Mir ist schleierhaft, wie es dazu kommen konnte, ausgerechnet an seinem Geburtstag. Ich hätte mich nicht provozieren lassen dürfen. Ich bin zu weit gegangen. Wir beide sind es. Schlichten statt Fronten bilden, erklärt Nick mir ständig. Danke, Nick, darauf wäre ich nie gekommen.

Als Jacob klein war, fragte Nick mich immer, was unser Sohn braucht, wie man eine Schnittwunde am Knie versorgt, ob Jacob ein Schläfchen halten sollte, was er wohl essen möchte. In den letzten Jahren ist mir das Wissen darum, was mein Sohn braucht, allerdings abhandengekommen. Oft weiß ich nicht, worüber ich mit ihm reden soll, und stelle zu viele Fragen. Oder die falschen. Bei den seltenen Gelegenheiten, in denen Jacob vertrauensvoll das Gespräch mit mir sucht, fühle ich mich wie ein Wanderer in der

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