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Die Chronik des Balthasar Hauser von Hophan, Alfonso (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.04.2014
  • Verlag: Salis Verlag
eBook (ePUB)
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Die Chronik des Balthasar Hauser

Im Jahr 1526 wütet die Pest im Glarnerland und macht den 12-jährigen Bauernsohn Balthasar Hauser zu einem Vollwaisen, denn nachdem sein Vater bereits dem Krieg gegen Italien zum Opfer fiel, erliegt kurz darauf seine Mutter dem Schwarzen Tod. Balzli wird von den Wirren der Zeit mitgerissen und irrt auf der Suche nach seinem persönlichen Glück durch das zerrüttete Glarnerland. Die religiösen Glaubenskriege, ausgelöst durch die Reformation, spalten Europa und reißen auch das Glarnerland auseinander. Bündnisse werden zunichte gemacht, Freundschaften werden zu Feindschaften und neue religiöse Strömungen entwickeln sich. Aus der Perspektive des Balthasar Hauser beschreibt Alfonso Hophan die geschichtlichen Ereignisse und den gesellschaftlichen Wandel emotional eindringlich und literarisch raffiniert. Alfonso Hophan ( 1992) aus Schwanden (Kanton Glarus) studiert zurzeit an derUniversität St. Gallen Rechtswissenschaften. Seine Passion für Literatur und Geschichtelebt er als freischaffender Autor aus. "Die Chronik des Balthasar Hauser" istsein erstes Buch. Der Roman war ursprünglich Hophans Maturaarbeit und wurde mitdem Maturapreis der Theologischen Hochschule Chur ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 10.04.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783906195124
    Verlag: Salis Verlag
    Größe: 1310 kBytes
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Die Chronik des Balthasar Hauser

Zweites Kapitel

So nun unser landleüth des glaubens halb trefenlich zweispaltig warend, sandtend auf solche Gemeind Ihr Botschaft Lucern, Uri, Schwyz, Underwalden, Zug, batend und ermanntend unser Landleüth trungenlich in kein weg sich von Ihnen zu sönderen, sunder Blyben bey Ihren guten Bräuchen und herkommen .

Chronik des Valentin Tschudi
Worin ich aufgenommen werde und erneut mein Heim verliere, um in Glarus ein neues zu finden.

Sodann verbrachte ich im Hause der Blums eine Zeit, in welcher sie sich mit aller ihrerseits nur möglichen Wärme um mich kümmerten. Sie gaben mir am ersten Abend viel zu essen, eine große Schale voller Gerstensuppe mit Speck und ebenso ein großes Stück Käs mit Brot; alles in allem mehr, als sie selber aßen, weil sie dachten, dass man mit vollem Magen einen solchen Verlust besser verdaue. Doch ich wollte dies nicht. Mir verlangte es nicht nach einer Sonderbehandlung oder nach Mitleid. Wenn ich weinte, dann nur versteckt und zurückgezogen. Ich wollte mein altes Leben zurück, oder – da dies nicht ging – ein meinem alten Leben möglichst ähnliches neues.

So arbeitete ich hart in dieser Zeit, mehr als je zuvor, und ich war glücklich, wenn ich abends erschöpft auf mein Strohbett sank und so müde war, dass ich augenblicklich in einen tiefen, traumlosen Schlaf fiel, ohne an blutige Schlachten in fremden Städten oder Pestbeulen denken zu müssen, ohne von der blassen, sterbenden Gestalt meiner Mutter zu träumen.

Dennoch und trotz aller Arbeit, die ich verrichtete, blieb die pestis gegenwärtig. Jeden Morgen und Abend überprüften wir unsere Achselhöhlen nach Beulen, und Jakob Blum sagte, es sei fürs Erste sicherer, sonntags nicht in die Kirche nach Niederurnen zu gehen, wo die Menschen ebenfalls stürben, sondern zu Hause alle zusammen Rosenkränze, Ave Mariae und das Vaterunser zu beten. In der Stube hingen verschiedene Pflanzenwurzeln; Frau Blum hatte sie aufgehängt, wegen der alten Weisheit, die sie immer widerholte: "Bibernelle und Stränze sind guet für Pestillänze!"

Jedoch nahm die Gefahr in den nächsten Wochen glücklicherweise ab und das Leben der Biltner, Nieder- und Oberurner und Näfelser, wo die meisten gestorben waren, nahm wieder seinen gewohnten Lauf. Insgesamt starben in Bilten noch elf Personen, welche, wie alle Pestopfer, weit hinter dem Dorf in ein großes Loch geworfen und verscharrt wurden, wo wohl auch meine Mutter und der Fritzli lagen. Ich betete täglich für ihre armen Seelen im Himmel und versuchte mit ihnen zu sprechen. Ich fragte, wie es ihnen jetzt ginge, wo sie doch mit unserem Vater und dem Herrgott zusammen seien, im Paradies. Doch ihre Antwort blieb ein Schweigen, und ich brachte es auch nicht übers Herz, zu unserem Hof am Ufer der Maag zu gehen, um nachzuschauen, was jetzt draus geworden war. Im Dorf gehe um, sagte mir einmal Kaspar, der älteste Sohn der Blums, dass der Gallati mit dem alten Sepp Landolt gesprochen habe, von dem meine Eltern das Gut und die Kühe einst gepachtet hatten, und er habe jetzt die Kühe mitgenommen, aber die Hütte stehe leer und verwahrlost und gelte als das "Pesthüttli".

So verging also die Zeit, und ehe ich mich versah, war es schon Spätsommer, wo ich ebenfalls viel zu tun hatte, denn zum ersten Mal in meinem jungen Leben durfte ich heuen, was wir auf unserem Hof nicht mehr getan hatten, seit der Vater gen Mailand gezogen war.

Unter der warmen Sommersonne heuten wir die Felder mit langen Sensen, und ich bekam sogar eine eigene schöne Heugabel aus Holz, die mir so

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