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Die Ehefrau Roman von Wolitzer, Meg (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.09.2016
  • Verlag: DuMont Buchverlag
eBook (ePUB)
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Die Ehefrau

Joan Castleman hat ihrem Mann alles geopfert - sogar ihr Talent. Sie führt ein Leben in zweiter Reihe, ein Leben als Mutter und Muse. Sie ist die Frau des berühmten Schriftstellers Joe Castleman. Einst war er ihr Dozent für Kreatives Schreiben und sie seine begabteste Studentin. Ihm zuliebe hat sie ihre Karriere aufgegeben. Nun, Jahre später, steht Joe vor der Krönung der seinen: Ihm soll der renommierte Helsinki-Preis verliehen werden. Für Joan ist das der Anlass, während des langen Fluges zur Preisverleihung ihre Ehe zu rekapitulieren. Sie nimmt den Leser mit an den Anfang der Beziehung ins Amerika der Fünfzigerjahre - und führt ihn in die literarischen Zirkel der Achtzigerjahre. Vor allem aber hinterfragt sie ihre Rolle als Ehefrau, in der sie Joe hassen gelernt hat - nicht nur seiner zahlreichen Seitensprünge wegen. Die eigentliche Demütigung ist ganz anderer Natur ... Mit hintergründigem Witz entwickelt Meg Wolitzer die Psychologie einer zerrütteten Ehe mit einem meisterhaften Gespür für die Abgründe, die in ganz alltäglichen zwischenmenschlichen Beziehungen liegen. Die Ehefrau Die Frau des Nobelpreisträgers - The Wife Die Interessanten Die Stellung Die Ehefrau Das weibliche Prinzip

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 21.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783832189297
    Verlag: DuMont Buchverlag
    Originaltitel: The Wife
    Größe: 1513 kBytes
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Die Ehefrau

Eins

In dem Augenblick, in dem ich beschloss, ihn zu verlassen, in dem Augenblick, in dem ich dachte: Es reicht, befanden wir uns zehntausend Meter über dem Meer; wir rasten vorwärts und erweckten doch äußerlich den Anschein von Ruhe und Gelassenheit. Genau wie unsere Ehe, hätte ich sagen können, aber warum in diesem Moment alles zerstören? Wir sonnten uns im Glanz der ersten Klasse, einen flüchtigen Augenblick lang aller Ängste und Sorgen enthoben; es gab keine Turbulenzen, der Himmel strahlte, und irgendwo zwischen den anderen Fluggästen saß möglicherweise sogar ein Flugsicherheitsbegleiter in dröger Reisendenkostümierung, stocherte vielleicht in einer kleinen Schale voll fettiger Nüsse herum oder war der zombieesken Prosa der Bordmagazine zum Opfer gefallen. Die Getränke waren schon vor dem Start serviert worden, und ehrlich gesagt waren wir beide ziemlich betrunken, saßen da, die Münder halb offen, die Köpfe zurückgelehnt. Frauen in Uniform gingen mit Körben in den Händen die Gänge auf und ab wie eine Flotte sexualisierter Rotkäppchen.

"Ein paar Kekse, Mr Castleman?", fragte ihn eine Brünette und beugte sich mit einer Gebäckzange zu ihm hinunter, und während ihre Brüste sich nach vorn schoben und wieder zurückzogen, konnte ich sehen, wie sich in ihm der uralte Mechanismus der Erregung surrend in Bewegung setzte wie ein elektrischer Bleistiftspitzer; ein Anblick, der sich mir in all den Jahrzehnten tausendfach geboten hatte. " Mrs Castleman?", fragte die Frau auch mich, aber ich lehnte ab. Ich wollte ihre Kekse nicht, ich wollte gar nichts von ihr.

Wir waren auf dem Weg zum Ende unserer Ehe, bewegten uns auf den Punkt zu, an dem ich endlich den Stecker ziehen und mich von dem Ehemann trennen dürfte, mit dem ich Jahr für Jahr zusammengelebt hatte. Wir waren auf dem Weg nach Helsinki, Finnland, ein Ort, an den man nie denkt, es sei denn, man hört gerade Sibelius, liegt auf den heißen, feuchten Brettern einer Sauna oder isst eine Portion Rentier. Die Kekse waren verteilt, die Getränke eingeschenkt, und überall um mich herum waren Bildschirme in Position gebracht worden. Im Moment verschwendete hier niemand einen Gedanken an den Tod, so wie wir es zuvor getan hatten, als eine ganze Flugzeugladung voll Menschen - Economy, Business und die paar Auserwählten der ersten Klasse - inmitten des traumatischen Grollens und Kerosingestanks und des fernen, kreischenden Geschreis der in den Motoren gefangenen Furien ihre Gedanken zu einem einzigen vereinigt hatte, um die Maschine in die Luft zu zwingen wie das Publikum eines Illusionisten, das per Willenskraft einen Löffel zu biegen versucht.

Und natürlich bog sich der Löffel jedes einzelne Mal, stets neigte sich sein Kopf hinab wie die schwere Blüte einer Tulpe. Und wenn sich auch nicht jedes einzelne Flugzeug in die Luft erhob - unseres tat es an diesem Abend. Mütter verteilten Malbücher und kleine Tütchen mit Knabbereien, in denen sich krümeliger Bodensatz gebildet hatte; Geschäftsmänner klappten Laptops auf und warteten darauf, dass die flackernden Bildschirme zur Ruhe kamen. Der getarnte Flugsicherheitsbegleiter, wenn er denn an Bord war, aß, streckte sich und legte sich seine Pistole unter einem kleinen, rechteckigen Stück statisch aufgeladener Kunstfaserdecke zurecht, und unser Flieger erhob sich in den Himmel, bis er in der gewünschten Höhe hing, und ich fasste endlich den festen Entschluss, meinen Mann zu verlassen. Endgültig. Mit absoluter Sicherheit. Einhundertprozentig. Unsere drei Kinder waren fort, fort, fort, alle aus dem Haus, und es gab nichts, das meine Meinung ändern, mich kneifen lassen würde.

Er sah plötzlich zu mir herüber, betrachtete mein Gesicht und sagte: "Ist irgendwas? Du siehst ein bisschen ... ich weiß nicht, wie, aus."

"Nein, es ist nichts", erwiderte ich. "Jedenfalls nichts, worüber man jetzt reden müsste." Das reichte ihm als A

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