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Die Frau des Schriftstellers von Händler, Ernst-Wilhelm (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.09.2006
  • Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt
eBook (ePUB)
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Die Frau des Schriftstellers

Der Ich-Erzähler steht sichtlich unter Schock. Als habe er einen Zusammenbruch erlitten, hockt er mitten in der Nacht unter der Dusche seiner Münchner Wohnung, das heiße Wasser droht, ihm die Haut zu verbrennen. Am Abend war er zufällig dem einflußreichen Literaturagenten T. begegnet, den er nie wieder hatte treffen wollen, sofort war die schlimmste Geschichte seines Lebens wieder hochgekocht. T. hat vor einiger Zeit versucht, den Schriftsteller im Auftrag des renommierten Guggeis Verlags abzuwerben und ihm ein glänzendes Angebot gemacht. Das jedoch an eine seltsame Bedingung geknüpft war: Er sollte das neue Manuskript eines anderen Autors, Tonio Pototsching, selbst fertig schreiben. Als der Erzähler diesen ungewöhnlichen Auftrag schon ablehnen will, trifft er auf Laura, die Noch- oder Exfreundin Pototschings, und verliebt sich in sie. Und er nimmt er den dubiosen Auftrag an. Er ahnt nicht, daß er damit in eine bösartige Intrige hineingezogen wird, angezettelt von dem ungleich erfolgreicheren Schriftsteller und seinem Agenten. Eine Intrige, die ihn fast das Leben kostet, zumindest sein literarisches Leben. Denn Pototsching unternimmt nichts weniger, als ihm seine eigene Biographie zu rauben. Im Glauben, Herr seiner Biographie zu sein, muß er tatenlos zusehen, wie Pototsching Besitz von seinem Leben ergreift, sich seine Kindheit aneignet und mit seiner Hilfe ein enthüllendes Buch verfaßt. Ernst-Wilhelm Händlers neuer Roman schildert den narzißtischen Machtkampf zweier Schriftsteller und einer Frau, ebenfalls Schriftstellerin. Verhandelt wird dabei die Ethik des Literatendaseins, das Verhältnis von fiktionaler und tatsächlicher Identität. Angestoßen durch die Auseinandersetzung mit der Kindheit des Ich-Erzählers, beschwören dieser und sein Widerpart Pototsching die Dämonen aus der deutschen Geschichte der ersten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts herauf. Spiegelt sich der Schriftsteller in diesen Bildern des Bösen oder nimmt das Böse tatsächlich wieder Gestalt an? Ernst-Wilhelm Händler, 1953 geboren, lebt in Regensburg und München. In der Frankfurter Verlagsanstalt erschienen seit 1995 sein Erzählband Stadt mit Häusern, der 'Philosophenroman' Kongreß, der 'Wirtschaftsroman' Fall, und der 'Architektenroman' Sturm. Zuletzt erschien sein Roman Wenn wir sterben, über den die FAZ schrieb: 'Ernst-Wilhelm Händler vollzieht in seinem raffinierten Roman nichts Geringeres als die feindliche Übernahme der deutschen Gegenwartsliteratur.' 1999 wurde Ernst-Wilhelm Händler mit dem Erik-Reger-Preis ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 640
    Erscheinungsdatum: 01.09.2006
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783627020286
    Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt
    Größe: 626 kBytes
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Die Frau des Schriftstellers

Über keinen anderen Literaturagenten wird in der Presse soviel berichtet wie über La Trémoïlle. Seine adelige Herkunft, seine exzentrische Erscheinung und der seiner Behinderung abgetrotzte Erfolg haben ihn zum Star gemacht. Er kommt sogar in der Bunten und in der Gala vor. Alle meine Bücher sind im selben Verlag erschienen. Würde er mir vorschlagen, den Verlag zu wechseln? Wie hoch würde der Vorschuß sein?

La Trémoïlles lange schwarze Haare waren so geschnitten und gewellt, daß man meinen konnte, er trage Kopfhörer. Auf seiner roten Krawatte räkelte sich ein blondes Pinup-Modell aus den fünfziger Jahren in einem schwarzen Bikini mit weißen Punkten.

Wie viele Biere schaffen Sie?

Da ich nicht antwortete, nahm er seinen Palm aus meinen Händen und schrieb: Wenn es ein wirklich gutes Bier ist, wie etwa Augustiner Edelstoff, kriege ich am Nachmittag oder am Abend schon einmal sechs Maß zusammen.

Ich überlegte, wann ich zuletzt richtig betrunken gewesen war, aber ich konnte mich nicht erinnern. La Trémoïlle schrieb, das Starkbier von Paulaner sei auch gut, aber Löwenbräu dürfe man niemals trinken, Löwenbräu schmecke wie Spülwasser. Als der Kellner uns die Biere gebracht hatte, stieß ich mit La Trémoïlle an.

Bier ist Münchner Milch, man kann Bier auch zum Frühstück trinken, wenn man Durst hat. Weißwurst, Bier und Kastanienbäume, ich habe immer Heimweh nach München. - Mal eine schöne Frau kennengelernt, die gern viel Bier trinkt?

Überrascht schüttelte ich den Kopf.

Auf meine Frage, wo er übernachte, schrieb er, im Hotel Vier Jahreszeiten, Zimmer 203, die Ecksuite. Entweder dort oder im Hotel Mandarin Oriental ganz oben im Turm. Als er bemerkte, daß ich mit dieser Information nichts anfangen konnte, griff er erneut zu seinem Palm, schrieb ein einziges Wort darauf und reichte ihn mir zurück. Ich las Seitensprungzimmer. Mit Ausrufezeichen.

Natürlich machte er mir ein Angebot. Ich weiß nicht mehr, ob während des Schweinsbratens, davor oder danach. Guggeis will Sie in seinem Verlag. Er habe ihm, La Trémoïlle, den Auftrag gegeben, mich von meinem jetzigen Verlag loszueisen.

Guggeis biete mir einen Vertrag für die nächsten drei Bücher an, und La Trémoïlle nannte eine Garantiesumme, die mich schwindlig machte. Natürlich wisse er, das Geld sei für mich nicht ausschlaggebend, aber wenn ich zu Guggeis ginge, könne er, La Trémoïlle, garantieren, daß ich wesentlich mehr Auslandslizenzen bekommen würde als bisher. Ich Narr war nicht einmal mißtrauisch.

Üblicherweise erkundet ein Agent zunächst die Bereitschaft des Autors zu wechseln, zeigt sich dieser interessiert, preist er den Autor auf dem Markt an und wählt denjenigen Verlag aus, der dem Autor das meiste Geld bietet. Ich fragte mich nicht, warum mir La Trémoïlle sofort das Angebot eines konkreten Verlags machte. Oder warum Guggeis mir nicht selbst ein Angebot unterbreitete, die Einschaltung eines Agenten machte die Sache für ihn teurer.

In der Vergangenheit habe Guggeis die wichtigsten deutschsprachigen Autoren unter seinem Dach versammelt. Jetzt ergreife er die Initiative, um die alte Herrlichkeit wiederherzustellen. So La Trémoïlle. Auf den Gedanken zu fragen, ob es nicht noch um etwas anderes ging, kam ich nicht.

Der Verlagsleiter des Konzernverlags, in dem meine Bücher erschienen, hatte seine Zusagen stets eingehalten. Das galt insbesondere für die Werbung. Mit den Übersetzungen in andere Sprachen stocherte La Trémoïlle allerdings zielsicher in einer Wunde. Die für die Auslandsbeziehungen der Konzernverlage zuständige Dame mochte mich oder meine Bücher nicht. Erkundigte ich mich, warum es nicht gelang, mehr Auslandslizenzen abzusetzen, hörte ich immer nur, das sei für deutsche Autoren generell schwierig.

Ich erklärte La Trémoïlle, ich würde es mir gründlich überlegen. Das meinte ich so, wie ich es sagte, und ich meinte nicht ja. Aber dann schri

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