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Die Frauen der Familie Marquardt Roman von Elias, Nora (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.07.2018
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Die Frauen der Familie Marquardt

Köln 1908: Caspar Marquardt herrscht in seinem Kaufhaus wie ein König über die Welt des Luxuskonsums. Da er keine Söhne hat, soll ein entfernter Verwandter sein Erbe werden - eine Provokation für seine älteste Tochter Louisa, die das Geschäft gerne selbst führen möchte. Doch nicht nur ihr Schicksal ist mit dem Kaufhaus verbunden. Während sich die kapriziöse Sophie in einen Konkurrenten ihres Vaters verliebt, sucht die unehelich geborene Mathilda ihren Platz in der Gesellschaft. Folgenschwere Konflikte machen die Schwestern gleichermaßen zu Verbündeten und Rivalinnen ...

Nora Elias ist das Pseudonym einer im Rheinland lebenden Autorin historischer Romane. Zum Schreiben kam sie bereits als Studentin und widmet sich nun vermehrt der Geschichte ihrer Wahlheimat. Sie liebt Reisen und lange Wanderungen. Ihr Roman "Antonias Tochter" wurde mit dem begehrten DELIA-Literaturpreis 2018 ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 16.07.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641207144
    Verlag: Goldmann
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Die Frauen der Familie Marquardt

1

April 1908

Das Kaufhaus Marquardt hatte eben seine Pforten geöffnet, als Louisa Marquardt erfuhr, dass man sie vom Thron stieß.

"Das kann doch unmöglich dein Ernst sein!"

"Mäßige dich", sagte ihr Vater, der neben ihr auf der Empore unter dem Kuppeldach stand und gänzlich ungerührt schien, während er den Besucherstrom beobachtete. Sie wusste jedoch angesichts des leichten Zuckens in seinem Unterkiefer, dass ihn die Sache keineswegs so kaltließ, wie es den Anschein machte. Gleichzeitig wurde seine Entschlossenheit dadurch umso deutlicher.

"Aber Papa ..."

Er hob nur leicht die Hand, gebot ihr zu schweigen. Widerwillig verstummte sie, richtete ihren Blick auf das Erdgeschoss des Kaufhauses, wo Pförtner die Flügeltüren für die Kunden aufhielten und sich das Licht der Kronleuchter funkelnd auf Marmor und Glas brach. Geschwungene Treppen, auf die die ersten Kundinnen plaudernd zustrebten, führten hinauf zu den Emporen mit dem Geländer aus schmiedeeisernen Balustraden. Abrupt wandte Louisa sich ab und ging - so gemessen es ihr möglich war - in die Modeabteilung für Damen. Dort tat sie einige tiefe Atemzüge, um ihr aufgewühltes Inneres zur Ruhe kommen zu lassen. Die irritierten Blicke der Angestellten ignorierte sie geflissentlich.

"Louisa?" Mathilda, eine junge Verkäuferin und lange Zeit ein vor seinen Töchtern gehütetes Geheimnis von Caspar Marquardt, kam auf sie zu. "Ist dir nicht wohl?"

Anstelle einer Antwort schüttelte Louisa nur vage den Kopf. Sie war sich, und das war ihr Fehler gewesen, ihrer Sache zu sicher gewesen. Schon in Kürze würde jeder wissen, dass Louisa Marquardt keine Alleinerbin mehr war.

"Er hat es dir erzählt?"

Einen Moment lang war Louisa irritiert, dann flammte der so mühsam unter einem Firnis von Fassungslosigkeit und Beherrschung gezügelte Zorn in ihr auf. "Du hast davon gewusst?"

"Es war keine leichte Entscheidung, das musst du ihm glauben."

"Ach, es war ja klar, dass du ihn in Schutz nimmst. Weiß Sophie es womöglich auch?"

"Du weißt doch, dass dergleichen sie nicht interessiert." Mathilda berührte ihren Arm, eine flüchtige Geste, die Trost spenden sollte.

Louisa hingegen war nicht in Stimmung, getröstet zu werden. Dergleichen wäre nur nötig, wenn sie sich mit der Situation abfinden würde, was sie nicht zu tun gedachte. Sie hatte nicht all die Jahre hart gearbeitet und jede Aussicht auf eine gewinnbringende Ehe ausgeschlagen, damit sie am Ende mit leeren Händen dastand.

"Was willst du jetzt tun?", fragte Mathilda.

"Ich weiß es nicht", musste Louisa gestehen.

"Fräulein Lanters", kam es von einer Verkäuferin, "wurde der nachtblaue Seidenbrokat nicht schon geliefert?"

Mathilda wandte sich um. "Ja, gestern."

"Hier ist er aber nicht. Und die Kundin kommt in einer halben Stunde."

"Ist gut, ich kümmere mich darum." Mathilda lächelte entschuldigend. "Tut mir leid, wir reden später, ja?"

"Ja, sicher." Louisa verließ die Abteilung und hörte noch, wie Mathilda jemanden hinunter zur Warenannahme schickte.

Auf der Treppe ins Erdgeschoss kamen ihr Damen entgegen, plaudernd, lachend. "Guten Morgen, Fräulein Marquardt", begrüßte man sie, und Louisa setzte sich die Maske freundlicher Gelassenheit auf, während sie zurückgrüßte. Es war an ihr, insbesondere den weiblichen Kunden zu zeigen, dass sich die Tochter von Caspar Marquardt persönlich um alle Belange kümmerte.

Wer jedoch scherte sich an diesem Tag um ihre eigene Zufriedenheit? Während sie durch die Abteilungen im Erdgeschoss ging, mal hier, mal da nach dem Rechten sah, zuckte ihr Blick immer wieder zur Treppe, und sie rang mit sich, hochzugehen und ihren Vater zur Rede zu stellen. Die Geschäftsräume lagen im dritten Obergeschoss, und ohne Zweifel saß Caspar Marquardt bereits an seinem schweren, auf Hochglanz polierten Schreibtisch aus Nussbaumholz, um sich den Angelegenheiten des Tages zu widmen.

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