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Die Frauen von Troja Tochter des Meeres - Historischer Roman von Hauser, Emily (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.01.2019
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Die Frauen von Troja

Vor dreitausend Jahren tobte ein Krieg, der die damalige Welt in ihren Grundfesten erschütterte: Der Trojanische Krieg hat viele Helden hervorgebracht. Hier erzählen die Frauen von Troja die Legende aus ihrer Sicht. Dies ist die Geschichte von Atalante. Das junge selbstbewusste Mädchen ist eine geschickte Jägerin und schnelle Läuferin. Als Mann verkleidet gelingt es ihr, sich Jason und den Argonauten anzuschließen. Gemeinsam mit ihnen begibt sie sich auf eine lange Reise auf der Suche nach dem Goldenen Vlies, dem magische Kräfte nachgesagt werden. Als Jason jedoch hinter Atalantes Täuschung kommt, will er sie töten lassen. Doch Hippomenes rettet Atalante. Fortan sind beide untrennbar miteinander verbunden ... Emily Hauser wurde in Brighton geboren und ist in Suffolk aufgewachsen. Sie hat in Cambridge und Harvard Altphilologie studiert und in Yale promoviert. In ihrer Trilogie über die Frauen von Troja erzählt sie den großen Mythos des Trojanischen Kriegs in moderner Sprache und aus weiblicher Sicht.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 432
    Erscheinungsdatum: 21.01.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641185008
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: For The Winner
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Die Frauen von Troja

Kaladrosos

Mittagsstunde
Dreizehnter Tag des Segelmonats

Einige Tage später, als die Sonne die halbe Höhe des Himmels erreicht hatte, verließ ich Kaladrosos. Vom Hang aus blickte ich zurück. Mein Vater sah mir von der Tür aus nach, meine Mutter blieb im verrauchten Innern bei den Kindern. Er stützte sich auf seinen Stock, den Hut schief auf dem Kopf, eine Hand an Auras Nacken. Die Hündin zerrte an dem Seil, mit dem sie am Türpfosten festgebunden war, sprang bellend hoch und versuchte, mir zu folgen. Tränen in den Augen, nickte ich meinem Vater zu, um ihm mit einer Geste zu sagen, warum ich gehen musste. Er rang sich ein Lächeln ab und verabschiedete sich mit einem Winken von mir. Als ich an meine Mutter dachte, schnürte es mir die Kehle zu. Fast wäre ich zurückgekehrt, um mich noch einmal von ihr umarmen zu lassen, den Geruch des Rauchs in ihrem Gewand einzuatmen, Korykia ein letztes Mal auf die Pausbacken zu küssen und Leon einzuschärfen, dass er in meiner Abwesenheit mit seinem kleinen Holzbogen üben müsse.

Ich wandte mich ab und machte mich auf den Weg.

Den Anhänger, den mein Vater mir gegeben hatte, trug ich unter meinem Gewand um den Hals. Er schwang beim Gehen gegen meine Brust. Anfangs folgte ich noch bekannten Pfaden durch den Wald, wo der Schatten meine Glieder kühlte und mir der Geruch der Kiefern in die Nase stieg. Hin und wieder blieb ich stehen, um zu trinken und mich mit Wasser aus einem Bach zu erfrischen. Der Weg wand sich am Fuß der Berge nach Süden und Westen dahin. Rechts von mir erhoben sich hoch aufragende, mit Olivenbäumen bewachsene Felsen. Die ersten Schritte fort von Kaladrosos fielen mir schwerer, als ich gedacht hatte, weil sie voller Erinnerungen waren: die Hütte des Schreiners in Lechonia, wo mein Vater den ersten Bogen für mich hatte fertigen lassen; das Tal, in dem ich Äste der Silbertanne für die Göttin Artemis geschnitten hatte, um damit unsere Tür zu bedecken, als meine Mutter mit Maia im Kindbett lag; das sandige Ufer des Bergsees inmitten von Kiefern, in dem Aura und ich so gern schwammen. Doch als der Himmel sich weitete und sich der Ausblick auf olivenbestandene Hänge bis zur breiten blauen Bucht auf der einen und die fernen Berge auf der anderen Seite eröffnete, wuchs meine Erregung, und meine Gedanken wandten sich von dem, was ich verlassen hatte, dem zu, was ich vor mir finden mochte.

Pagasä ist die westlichste der Städte in der Bucht und liegt unter dem Pelion-Gebirge, hinter der Zitadelle von Iolkos an der Stelle, wo das Land dem Meer zustrebt. Die Worte meines Vaters klangen mir beim Laufen in den Ohren, sie hallten mit dem Klatschen meiner Sandalen von den Felsen wider. So weit war ich noch nie zuvor von Kaladrosos weg gewesen - weiter hatten wir uns auch nicht entfernen müssen, denn wir tauschten das Holz, das mein Vater im Wald schlug, im Hafen von Kaladrosos gegen Fisch und Gewürze von den Händlern, die auf offener See segelten. Ich genoss die neuen Eindrücke und die Wärme der Sonne auf meinem Gesicht, die im Westen hinter den Bergen unterging und den Himmel in Orange- und Rottöne und schließlich in ein fahles Lila tauchte. Zikaden hielten leise in den Ästen der Kiefern Zwiesprache, während Mauersegler über mir kreisten oder kreischend auf die Bucht herniederstießen. Voller Vorfreude lief ich den sich dahinschlängelnden Pfad entlang.

Die Nacht verbrachte ich in der Hütte eines Holzfällers über dem Hafen des kleinen Ortes Aphussos und nahm meine Abendmahlzeit mit seiner Familie rund um ein kleines Feuer ein, das er aus trockenem Reisig entzündet hatte. Als ich unter den schimmernden Sternen Stücke vom Brot abbrach, Fleisch vom Spieß abschnitt und mich mit der Frau des Mannes unterhielt, blickte ich immer wieder zu den Lichtpunkten der Städte im Norden und Westen der Bucht hinüber und überlegte, welche zu Pagasä gehörten und was ich dort wohl finden würde.

Sobald die Strahlen der Sonne am folge

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