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Die Geierwally - Der einsame Kampf einer Frau Eine Geschichte aus den Tiroler Alpen von Hillern, Wilhelmine von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.09.2015
  • Verlag: e-artnow
eBook (ePUB)
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Die Geierwally - Der einsame Kampf einer Frau

Dieses eBook: 'Die Geierwally - Der einsame Kampf einer Frau' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Wilhelmine von Hillern (1836-1916) war eine deutsche Schriftstellerin. Wilhelmine von Hillerns größter Erfolg wurde 1875 ihr Roman Die Geier-Wally, der von einer Anekdote aus der Jugend der Anna Stainer-Knittel ausgeht, die Wilhelmine von Hillern 1870 in Innsbruck kennengelernt hatte. Mit 17 Jahren hatte Anna Steiner-Knittel an einem Seil hängend einen Adlerhorst an einer Felswand ausgenommen, was zum Schutz von Schafherden zwar üblich, jedoch eine Arbeit der Männer war. Wilhelmine von Hillern schuf aus dem tatsächlichen Ereignis einen dramatischen Heimatroman, in der die weibliche Hauptfigur Walburga sich den Konventionen der Weiblichkeit verweigert und als Wildfang in raue Natur verstoßen ihre Jugend verlebt. Der Roman wurde schon kurz nach Erscheinen in Buchform in acht Sprachen übersetzt und war nach dem Deutsch-Französischen Krieg (1870/71) der erste deutsche Roman, der in Frankreich in der Revue des Deux Mondes im Auszug und später bei Hachette übersetzt erschien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 225
    Erscheinungsdatum: 12.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026844563
    Verlag: e-artnow
    Größe: 664 kBytes
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Die Geierwally - Der einsame Kampf einer Frau

Der Bärenjoseph

Inhaltsverzeichnis
Es war um Pfingsten, gerade vor einem Jahr, da führte sie ihr Vater zur Firmelung nach Sölden; dorthin kam der Bischof alle zwei Jahre, weil bis Sölden ein Fahrweg ging. Sie schämte sich ein wenig, weil sie schon sechzehn Jahre und so groß war. Der Vater hatte sie nicht früher firmeln lassen wollen, er hatte gemeint, dann ginge gleich das Liebeln und Brautwerben los - und dazu wär's noch lang' Zeit! Nun hatte sie Angst, die andern würden sie auslachen. Aber niemand achtete auf sie. Das ganze Dorf war in Aufregung, als sie hinkamen, denn es hieß, der Joseph Hagenbach von Sölden habe den Bären erlegt, der sich drüben im Vintschgau gezeigt und dem die Buben aus allen Ortschaften vergebens nachgestellt. Da sei denn der Joseph aufgebrochen und hinübergegangen, und letzten Freitag habe er ihn schon gehabt. Der Schnalserbot hatte früh die Nachricht gebracht, und der Joseph werde ihm bald nachkommen. Die Söldener Bauern, die vor der Kirche warteten, waren gar stolz, daß es ein Söldener war, der das Wagstück vollbracht, und sprachen von nichts anderem als von dem Joseph, der ganz unstreitig der stärkste und sauberste Bua im ganzen Gebirg war und ein Schütz, wie's keinen zweiten gab. Die Madeln hörten bewunderungsvoll zu, was für Heldenstücke von dem Joseph erzählt wurden, wie ihm kein Berg zu steil und kein Weg zu weit, keine Kluft zu breit und keine Gefahr zu groß sei. Und als eine bleiche, kränklich aussehende Frau über den Rasen daherschritt, stürzten alle auf sie zu und wünschten ihr Glück, daß ihr Sohn soviel Ehre eingelegt habe.

"Des is einer, dei Joseph", sagten die Männer wohlmeinend, "an dem kann sich jeder a Beispiel nehme!" "Wenn es dei Mann seliger noch erlebt hätt', wie hätt' der sich g'freut!" sagten die Weiber.

"Nein, ma sollt's nit glauben", rief einer artig, "ma sollt's nit glauben, daß der Prachtkerl dei Sohn is - wenn man dich so anschaut."

Die Frau lächelte geschmeichelt: "Ja, 's is a stattlicher Bursch und a braver Sohn, wie's kein'n bessern geben kann. Aber ös könnt's glauben, i komm schon gar aus die Ängsten um den Waghals nit 'raus, 's is kei Tag, wo i nit denk, heut bringen s' mir'n mit zerschlagene Glieder heim! Des is a Kreuz!"

Jetzt erschien die hohe Geistlichkeit auf dem Platz und machte dem Gespräch ein Ende. Die Leute drängten mit den weißbeschürzten, buntbekränzten Firmelkindern in die kleine Kirche, und die heilige Handlung begann.

Aber Wally konnte die ganze Zeit an nichts anderes als an den Bärentöter Joseph denken und an alle Wunderdinge, die er sollte verrichtet haben - und wie prächtig das sei, wenn einer so stark und beherzt sei und in so großem Ansehen bei allen Leuten stehe, daß ihm keiner was anhaben könnte. - Wenn er nur noch kam, solange sie in Sölden war, daß sie ihn doch auch sehen könnte; sie brannte ordentlich darauf!

Endlich war die heilige Handlung vorüber, und die Kinder empfingen den Segen; da erscholl draußen auf dem Platze vor der Kirche wildes Hurrageschrei. "Er hat ihn, er hat den Bären!" Kaum daß der Geistliche noch den Segensspruch beenden konnte, stürzte alles hinaus und umringte jubelnd einen jungen Gemsjäger, der, geleitet von einer Schar stattlicher Burschen aus dem Schnalsertal und dem Vintschgau, über den Rasen schritt. Aber wie stattlich auch die Schnalser und Vintschgauer waren, keiner kam ihm gleich. Er überragte sie alle an Größe, und so sauber war er, so bildsauber! Es war fast, als leuchte er schon von weitem. Er sah aus wie der Sankt Georg in der Kirche. Über der Schulter trug er ein Bärenfell, dessen grimme Tatzen auf seiner breiten Brust herumbaumelten. Er ging so stolz einher wie der Kaiser und tat immer nur einen Schritt, bis die andern zwei taten, aber er war ihnen doch voraus. Und sie machten ein Aufhebens mit ihm, als wäre er wirklich der Kaiser, der sich in einen Gemsjäger verkleidet habe. Der eine trug ihm die Flinte, der andere die

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