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Die Geschichte von Elisabeth Historischer Roman von Marlitt, Eugenie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.03.2017
  • Verlag: Books on Demand
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Die Geschichte von Elisabeth

Die junge Elisabeth zieht auf Wunsch ihres Onkels mit ihren Eltern auf Schloss Gnadeck. Das Mädchen weckt mit ihrer betörenden Schönheit das Interesse vieler Herren. Besonders bedrängt wird sie von Herrn von Hollfeld. Doch Elisabeth glaubt zunächst nicht an leidenschaftliche Liebe ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 376
    Erscheinungsdatum: 08.03.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783743189263
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 1658kBytes
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Die Geschichte von Elisabeth

Kapitel 1

Den ganzen Tag über hatte es geschneit, und zwar so recht mit Muße und Gemächlichkeit, sodass die Dächer und Fenstersimse dicke, fleckenlos weiße Polster angelegt hatten. Nun brach ein früher Abend herein und mit ihm ein wilder Sturm, der heimtückisch in die niedertaumelnden Schneeflocken fuhr, wie ein Raubtier zwischen eine friedliche Taubenschar.

Mag auch das Wetter derart sein, dass der gemütliche Kleinstädter nicht einmal seinen Hund, geschweige denn seine eigenen, edlen Gliedmaßen außerhalb der vier Wände wissen will, in der großen Hauptstadt B. merkt man abends zwischen sechs und sieben Uhr keinen auffallenden Unterschied hinsichtlich der Straßenfrequenz. Die Gasflammen ersetzen die Himmelslichter, die nicht kommen wollen; um die Ecken jagen die Equipagen in so wütender Eile, dass die Fußgänger nur durch einen kühnen Sprung an die Häuser Leben und Glieder retten; dafür folgt ein Schwall kräftiger Flüche dem pelzverbrämten Kutscher und dem eleganten Wagen, hinter dessen festgeschlossenen Scheiben reizende Damen ihr blumengeschmücktes Köpfchen mühsam über die ungeheuren Wogen des umfangreichen Gazekleides heben und keine Ahnung davon haben, dass in diesem Augenblicke Feuer und Schwefel auf ihre duftenden Locken herabgewünscht werden. Wohlfrisierte Wachsköpfe, inmitten schauderhafter schwarzer und blonder Skalps, still und aufmerksam arbeitende Uhrmacher, lächelnde Kommissgesichter hinter bauschenden Stoffen und verführerischen Mantillen, und alte verkümmerte Bukett- und Kranzwinderinnen zwischen hold blühenden, frischen Blumen stehen und bewegen sich in beneidenswerter Sicherheit und wohldurchwärmter Atmosphäre hinter den Schaufenstern, die ein blendendes Licht auf die schlüpfrigen Trottoirs und den vorbeiflutenden Menschenstrom werfen, wobei blaurote Nasenspitzen, tränende Augen und verzweifelte Kopf- und Armbewegungen an allen alten und jungen Vorübereilenden sichtbar werden.

Doch halt - nicht an allen! Da tritt eben aus einem Seitengässchen in eine der Hauptstraßen mit leichtem, elastischem Schritte eine weibliche Gestalt. Das enge, verwachsene Mäntelchen schließt sich fest an die schlanken Glieder, und der alte, zerzauste Muff wird dicht an die Brust gedrückt, wo er die Enden eines herabhängenden Schleiers festhält; unter diesem alten schwarzen Gewebe lachen zwei Mädchenaugen im Sonnenglanze frischer Jugend; sie blicken fröhlich in das Schneegetümmel, haften innig an den halb geöffneten Zentifolien und den dunklen Veilchen hinter den Glasscheiben und verbergen sich nur dann unter den langen Wimpern, wenn sich heimtückische Eissplitter unter die Schneeflocken mischen.

Wer einmal gehört hat, wie kindliche Hände, oder auch Hände, die zu einem völlig ausgewachsenen Körper und Kopfe gehören, auf dem Klavier eine wohlbekannte Melodie zuversichtlich beginnen, gleich darauf mittels einer Dissonanz den musikalischen Faden zerreißen, mit falschem Fingersatze in alle möglichen Tonarten, nur nicht in die angegebene, greifen, wobei der Lehrer den hochgehobenen, Takt tretenden Fuß verzweiflungsvoll sinken lässt, bis endlich die Melodie lang atmend und lebensmüde wieder anhebt, um im nächsten Augenblicke durch einige leichte Takte wie über eine weite Ebene dahinzurasen - wessen Ohrennerven einmal auf dieser Folter gelegen haben, der wird begreifen, dass das junge Mädchen, welches soeben zwei Unterrichtsstunden in einem Institut beendet hat, dem Sturmwinde freudig die heiße Wange bietet, einem wackeren Gesellen von System und konsequenter Durchführung, dessen mächtiges Brausen ja in Orgel und Äolsharfe zur wundersamen Melodie wird.

So eilt das junge Mädchen flüchtig und schwebend durch Schneefall und andringenden Menschenstrom, und ich zweifle keinen Augenblick, sie würde auf den schwimmenden Quadersteinen des Trottoirs, umbraust vom Sturme, nicht anders als auf dem Parkett eines Salons auch, dem Leser unter holds

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