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Die gestohlenen Stunden Roman von Maine, Sarah (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.02.2016
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Die gestohlenen Stunden

Bhalla House, einst herrschaftlicher Stammsitz der Familie, ist wenig mehr als eine Ruine, als Harriet Deveraux auf der entlegenen Insel in den schottischen Hebriden ankommt, um ihr Erbe anzutreten. Doch der verheerende Zustand des Gebäudes bleibt nicht die einzige Überraschung: Unter den morschen Bodendielen wird ein menschliches Skelett gefunden, daneben ein Medaillon mit einer Haarlocke und einer Feder. Die Frage, welches Schicksal sich hinter diesem Fund verbirgt, lässt Harriet nicht mehr los, und sie stößt auf eine tragische Geschichte von Liebe und Verrat. Eine Geschichte, die sich hundert Jahre zuvor hier ereignet hat, deren Schatten aber bis in Gegenwart reicht ...

Sarah Maine wurde in England geboren, wuchs dann aber in Kanada auf, bis sie in ihre Heimat zurückkehrte, um Architektur zu studieren. Schon als Kind lernte sie die einzigartige Schönheit Schottlands lieben, wenn sie dort mit ihren Eltern Urlaub machte, eine Tradition, die sie heute mit ihrer Familie fortführt. Sarah Maine lebt in York im Nordosten Englands.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 448
    Erscheinungsdatum: 15.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641166045
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: Bhalla Strand
    Größe: 1122kBytes
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Die gestohlenen Stunden

Zwei

Als sich die Flut am folgenden Morgen über Bhalla Strand zurückzog, stießen Seevögel auf den wellig aufgeworfenen Sand hernieder, in dem die Sonne die seichten Tümpel in Silber tauchte.

Hetty war früh aufgestanden und folgte nun dem sich zurückziehenden Wasser. Sie blieb kurz stehen, um einen Blick über die menschenleere Weite zu werfen, bevor sie weiterging. Anfangs hatte sie noch den Reifenspuren folgen können, aber hier hatte die Flut sie bereits fortgespült. Doch Bhalla House war ohnehin deutlich zu sehen. Wahrscheinlich konnte sie nun bei Ebbe gefahrlos direkt zu dem Haus hinübergehen.

Als sie sich der Insel näherte, stieß sie wieder auf Reifenspuren, aus denen hinter dem Strand ein Weg wurde, dem sie auf dem Grasstreifen zwischen den tiefen Furchen der Räder folgte. Die Luft war nach dem Sturm der letzten Nacht frisch, Vogelgezwitscher war zu hören. Sie horchte. Feldlerchen! Wann hatte sie das letzte Mal Feldlerchen gehört? Jetzt lag das Haus vor ihr. Der Pfad hatte sie zu zwei verfallenen Torpfosten geführt, zwischen denen sie stehen blieb, um das Gebäude zu betrachten. Es war riesig! Bedeutend massiger, als sie es sich vorgestellt hatte, irgendetwas zwischen einem zu groß geratenen ländlichen Pfarrhaus und einem kleinen feudalen Anwesen.

Weiter unten entdeckte sie ein altes Farmhaus, ein weitläufiges zweistöckiges Steingebäude, das eher ihren Erwartungen entsprach. Bhalla House blickte auf sie herab. Es war umgeben von einer niedrigen Mauer, die einen Vorgarten begrenzte; die oberen Steine bildeten ein Zinnenmuster. Aus der Mauer herausgebrochene Steine lagen im hohen Gras verstreut, ein uraltes Seitentor rostete zwischen Nesseln vor sich hin. Der Wind trug den süßen Duft aufgeblühter wilder Rosen heran, die über einem kaputten Spalier wucherten.

Hetty folgte dem Pfad weiter. Die mit Brettern vernagelten Fenster ließen das Gebäude abweisend erscheinen, als stellte es ihr Recht, sich dort aufzuhalten, infrage. Unwillkürlich reckte sie das Kinn vor und ging entschlossenen Schrittes zur Eingangstür, die durch ein stabiles, frisch geöltes Vorhängeschloss gesichert war. Bestimmt hatte Mr Forbes es angebracht. Doch das Schloss hatte Eindringlinge nicht davon abgehalten, die Bretter von einem der Fenster im Erdgeschoss wegzureißen. Zerbrochene Schornsteinköpfe und Dachziegel im Klee sprachen ihre eigene Sprache. Und als Hetty das Schild sah, beschleunigte sich ihr Puls. Privateigentum. Ihr Eigentum.

Plötzlich verspürte sie den Drang hineinzugehen und selbst nachzusehen, in welchem Zustand es war, und zwar gleich, bevor ihre Erregung sich angesichts der gewaltigen Aufgabe, die vor ihr lag, in nackte Angst verwandelte. Ihr Blick fiel auf eine rote Fischkiste in einem Distelgestrüpp und wanderte dann noch einmal zu dem Fenster, von dem die Bretter weggerissen worden waren. Warum nicht? Sie schaute nach links und rechts, ein Städterinstinkt, aber es war niemand da, der sie aufhalten würde. Also stellte sie, bevor sie es sich anders überlegen konnte, die Kiste unter das Fenster, kletterte hinein und landete knirschend auf zerbrochenem Glas und gesplittertem Holz. Wie albern, dachte sie, als sie den Schmutz von ihren Händen wischte: Die Schlüssel lagen bei Mr Forbes, sie musste ihn nur darum bitten. Doch irgendwie hatte sie das Gefühl, dass diese erste Begegnung mit dem Haus unangekündigt und allein erfolgen musste. So wurde sie zum Eindringling. Sie verharrte, die Finger auf der fleckigen Wand, und lauschte in die Stille. Als ihre Haut lediglich feuchte Kälte registrierte, zog sie die Hand zurück und blickte sich in dem leeren Raum um.

Er war nicht nur leer, sondern verwüstet. Im Zug nach Norden hatte sie sich, das Gesicht gegen das Fenster gepresst, einzureden versucht, dass diese Reise einen Neuanfang markieren würde. Aber sie war auch eine Flucht ...

Während der Fahrt durch die dicht besiedelten Midlands und den industriellen Nor

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