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Die Hoffnung der goldenen Jahre Roman von Davis, Fiona (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.11.2018
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Die Hoffnung der goldenen Jahre

London 1884. Als die Hotelangestellte Sara Smythe ein kleines Mädchen vor dem Tod rettet, verändert dies ihr Leben für immer. Denn der dankbare Vater, der Architekt Theodore Camden, verschafft ihr eine Anstellung im Dakota, einem luxuriösen New Yorker Apartmenthaus. Dort wird Sara größtes Glück, aber auch tiefsten Schmerz finden. Hundert Jahre später, 1985, ist das Dakota die letzte Zuflucht für Bailey Camden, deren Urgroßvater Theodores Mündel war. Bei Umbauarbeiten fällt ihr ein Foto in die Hände, das Sara mit Theodores Kindern zeigt. Eine Entdeckung, die alles infrage stellt, was Bailey über ihre Familie zu wissen glaubte ...

Die gebürtige Kanadierin Fiona Davis wuchs in New Jersey, Utah und Texas auf. Ihre Karriere als Schauspielerin führte sie schließlich nach New York, wo sie heute noch lebt. Ihre Wahlheimat New York prägt auch ihr Schreiben, sei es als Journalistin oder als Romanautorin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 512
    Erscheinungsdatum: 19.11.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641226107
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: The Address
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Die Hoffnung der goldenen Jahre

Kapitel 1

London, Juni 1884

E s war der Anblick eines Kindes auf der Fensterbank von Zimmer 510, der Saras Leben auf den Kopf stellte.

Nachdem sie sich mehrere Jahre lang als Zimmermädchen geplagt und dabei mühsam hochgearbeitet hatte, war sie einen Monat zuvor mit der Stellung der Hausdame im Londoner Langham Hotel belohnt worden. Eine ihrer Hauptaufgaben bestand darin, über die Zimmermädchen zu wachen, die allesamt sehr jung und nur in Ausnahmefällen mit einem Funken Verstand begabt waren. Häufig traf Sara sie dabei an, wie sie, statt die Zimmer in Ordnung zu bringen, in den Fluren kicherten oder mit den Hotelpagen flirteten, die Teetabletts und Blumen austrugen.

Heute Morgen war sie in das Büro des Geschäftsführers einbestellt und dafür gerügt worden, dass sie bei der Erfüllung ihrer Aufgaben nicht streng genug vorging.

"Sie sind sehr nachsichtig. Wir fragen uns fast schon, ob Sie nicht einfach noch zu jung für diesen Posten sind", erklärte Mr Birmingham hinter seinem Schreibtisch aus Walnussholz, der trotz seiner eleganten schmalen Beine in etwa die Ausmaße eines kleinen Bootes hatte.

Sara, die unlängst dreißig geworden war, fühlte sich keineswegs jung und hatte ohnehin nie jugendlichen Leichtsinn an den Tag gelegt. In ihrer Anfangszeit im Langham hatte sie alle auf Vergnügungen zielenden Freundschaftsangebote gleichaltriger Zimmermädchen abgelehnt, weil sie wusste, dass sie sich hervortun musste, wenn sie schnell aufsteigen wollte. Dieses Kalkül hatte sich ausgezahlt, und ihr höherer Lohn machte das Fehlen von Freundinnen mehr als wett.

Doch Mr Birmingham, der seinen Spaß daran hatte, die jüngeren Zimmermädchen zum Weinen zu bringen, war dennoch unzufrieden. Er befahl ihr, Platz zu nehmen. Saras Vorgesetzter war klein und hatte das Pech, dass sein Oberkörper einem Ei mit zwei Dottern glich. Sie überragte diesen Mann um mehrere Zentimeter. Und dennoch blickte Mr Birmingham von seinem thronartigen Sitz irgendwie auf sie herab. Das war bei ihrem letzten Besuch in seinem Büro noch nicht der Fall gewesen. Sie warf einen verstohlenen Blick Richtung Fußboden. Die unteren fünf Zentimeter seiner Stuhlbeine waren leicht anders gefärbt als der Rest. Er hatte sie verlängern lassen.

Als sie wieder zu ihm aufblickte, plusterte er sich auf wie ein Singvogel, offensichtlich verärgert darüber, dass sie es gemerkt hatte.

Sie rutschte auf ihrem Stuhl herum. "Es tut mir leid, Mr Birmingham. Ich werde strenger zu den Mädchen sein."

"Wenn sie Probleme machen, geben Sie ihnen eine Ohrfeige. Oder noch besser, Sie schicken sie zu mir, und ich übernehme das für Sie." Er fuhr sich mit der Zunge über die Lippen.

O ja. Sie konnte sich gut vorstellen, dass er das enorm genießen würde. "Gibt es sonst noch etwas?"

"Nein, Mrs Smythe. Fort mit Ihnen."

Sie musste sich immer noch daran gewöhnen, mit Mrs angesprochen zu werden. Seltsam, wie eine einfache Beförderung nicht nur einen Lohn mit sich brachte, von dem sie endlich leben konnte, sondern auch eine Anrede, die nichts mit ihrem Verheirateten- oder eben Nicht-Verheirateten-Status zu tun hatte. Als Hausdame durfte man nicht mit Miss angeredet werden. Das gehörte sich einfach nicht. Die Mädchen neigten immer noch dazu, sie mit ihrem Vornamen anzusprechen, auch in diesem Punkt musste sie strenger durchgreifen. Mr Birmingham durfte auf keinen Fall zufällig mitbekommen, dass sie sie Sara riefen. Das würde das Fass zum Überlaufen bringen und sie ihren Posten kosten.

An diesem heißen Juninachmittag war sie, nachdem sie durch alle Flure und das Untergeschoss patrouilliert war, um etwaige heimliche Zusammenrottungen zu unterbinden, in ihr Dienstzimmer im fünften Stock zurückgekehrt und wollte noch einmal die Wäschereirechnungen überprüfen. Sie brauchte eine Pause vom Böse-Blicke-Werfen, ihr Gesicht war schon ganz müde von all dem Grimm.

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