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Die indische Tänzerin von Höcker, Paul Oskar (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.07.2015
  • Verlag: Saga Egmont
eBook (ePUB)
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Die indische Tänzerin

Helyett ist in Indien groß geworden und diese Welt hat sie mehr geprägt, als sie glauben möchte. In Wien lebt sie nun als junge Frau ziemlich auf sich allein gestellt. Kunst ja, aber was genau ist ihre künstlerische Bestimmung - die Komposition, der Gesang oder der Tanz? Und dann ist da noch die Liebe. Es sind einige Verwicklungen zu lösen, bis Heylett, das 'Indian girl', ihren Weg gefunden hat. Zum Autor: Paul Oskar Höcker, geboren 1865 in Meiningen, gestorben 1944 in Rastatt, war ein deutscher Redakteur und Schriftsteller. Höcker verfasste Lustspiele, Kriminalromane, Unterhaltungsromane, historische Romane und auch etliche Jugenderzählungen. Er galt in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts als überaus erfolgreicher Vielschreiber. Einige seiner Romane wurden verfilmt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 164
    Erscheinungsdatum: 10.07.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788711445570
    Verlag: Saga Egmont
    Größe: 1389kBytes
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Die indische Tänzerin

Der Brief stammte vom Konsul Pohl. Er war kurz und geschäftlich. Aber er enthielt eine umfangreiche Einlage: ein Schreiben von Helyetts Vater.

Helyett schwante sogleich nichts Gutes, als sie die Schriftzüge sah. Aber ihre schlimmsten Befürchtungen wurden durch die Tatsachen übertroffen. Ihr Vater hatte das Kapital, das ihm im Februar zur Verfügung gestellt worden war, zur Begleichung der dringendsten Schulden aufgebraucht. Er hätte von Simla sonst überhaupt nicht fortgekonnt, schrieb er. Nun sass er in Benares, wiederum von allen Mitteln entblösst, und sein Brief an Konsul Pohl erging sich im Ton Heller Verzweiflung. Er klagte darin seine Schwägerin an, er zieh sie ebenso wie seine Tochter der Undankbarkeit. Mit welchem Recht sie ihm den andern Teil vom Erlös aus dem Verkauf seiner Sammlungen vorenthielten? Vertrauten sie ihm nicht? War es nicht himmelschreiend, dass sie sich seine Ohnmacht zunutze machten, während er krank lag im fremden Lande? Sie wollten ihn bevormunden - als ob er nicht ganz genau wüsste, welche Verantwortung er besass. Von Deutschland aus könnten sie die Sachlage doch gar nicht übersehen. Er hatte gegen den Rakam Haidar den Prozess wieder aufgenommen. Wichtige Papiere waren ihm in die Hände gefallen; die bewiesen klar die Berechtigung seiner Ansprüche. Sein Schwiegervater hatte kurz vor seinem Tod eine Nachforderung von fünfzigtausend Pfund Sterling bei Haidar geltend gemacht. Die Summe hielt sich noch immer innerhalb der Maximalgrenze, die für den Bau des Sommerpalastes in Simla festgesetzt worden war. Der Bau dort bildete heute den Stolz der ganzen Sommerresidenz. Haidar hatte bei der Fertigstellung des Palastes dem berühmten Baumeister vor Zeugen ein wertvolles Ehrengeschenk überreicht - ein Zeichen also, dass er mit der Rechnungslegung damals vollkommen einverstanden gewesen war. Dass er die Nachforderung nach Sir Williams Tod nicht honorieren wollte, dass er sich hinter allerlei Spitzfindigkeiten verschanzte, das war eine unerhörte Vergewaltigung des Rechts. Die Wiederaufnahme des Prozesses - jetzt, wo er wieder gesund war - musste zum Sieg führen. Freilich erforderte die Durchführung der Angelegenheit grössere Barmittel.

"Fünfzigtausend Pfund Sterling sind gerettet, wenn ich jetzt rund tausend zur Verfügung habe. Im andern Falle ist alles verloren - und ich verlasse das Land als Bettler."

Der Ton, in dem ihr Vater schrieb, war Helyett unerträglich. Wenn er in seiner flotten, eleganten Art die gleichen Worte zu ihr gesprochen hätte, so würde sie ihm genau wie früher ohne weiteres Nachdenken alles geglaubt haben. Er besass ja das Talent, zu bezaubern. Es war das grösste - vielleicht das einzige Talent, das er besass. Aber der liebenswürdige Firnis fehlte nun, und das gewisse Pathos hatte etwas Unwahres, etwas Gespieltes. Helyett glaubte darum an diesen Prozess nicht mehr.

"Schreibe Papa, er solle auf die fünfzigtausend Pfund verzichten und jetzt schon das Land verlassen - dann rettet er immer noch mehr, als wenn du ihm den Rest schickst und er bleibt."

Die Gräfin Eltz beurteilte die Sachlage nicht anders. Ihre Erregung aber war natürlich noch grösser. Sie hatte ihrem Schwager damals in einem langen, eindringlichen Schreiben vorgehalten, dass das, was sie aus dem Verkauf der "indischen Herrlichkeiten" zurückbehielt, den einzigen Rückhalt Helyetts bildete: "Das muss für ihre Aussteuer bleiben, für den Fall, dass sie heiratet; das ist ihr Notgroschen, für den Fall, dass sie noch unverheiratet ist, wenn ich sterbe." Und darauf nun trotzdem seine bestimmte Forderung: er müsse das Geld haben!

"Papa ist eben der alte Optimist geblieben," sagte Helyett. Aber ihr Ausdruck gab dem Wort eine bittere, fast geringschätzige Bedeutung.

"Sag' lieber: es ist sein alter Spielerleichtsinn!" fiel Tante Linda erregt ein. "Das Sichere opfern, um Unsicheres einzutauschen. - Und er mag schreiben, was er will, er mag mir meinethalben selber den Prozess machen: ic

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