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Die Insel unter dem Meer Roman von Allende, Isabel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.08.2012
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Die Insel unter dem Meer

Farbiger und lebenswirklicher könnte Isabel Allendes Roman nicht sein. Vor dem Hintergrund der historischen Sklavenaufstände in der Karibik schildert sie das packende Schicksal der Mulattin Zarité, die als junges Mädchen an einen weißen Plantagenbesitzer verkauft wird. Durch vielfache persönliche Bande an die Familie ihres Herrn gekettet, muß Zarité ihren ganz eigenen Weg finden, um endlich Freiheit zu erlangen. Mit ihrem neuen Roman Die Insel unter dem Meer entführt uns die chilenische Bestsellerautorin von den Zuckerrohrplantagen auf Saint-Domingue, dem heutigen Haiti, in das pulsierende New Orleans des frühen 19. Jahrhunderts. Ein schillernder, dramatischer Bilderbogen um eine starke Frau, die alles riskiert und sich bedingungslos ihre Freiheit erkämpft.

Isabel Allende, 1942 in Chile geboren, ging nach Pinochets Militärputsch 1973 ins Exil. Die Erinnerungen ihrer Familie, die untrennbar mit der Geschichte ihres Landes verwoben sind, verarbeitete sie in dem Weltbestseller Das Geisterhaus . Allende zählt zu den meistgelesenen Autorinnen weltweit, ihr gesamtes Werk erscheint auf Deutsch im Suhrkamp Verlag.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 552
    Erscheinungsdatum: 02.08.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518735459
    Verlag: Suhrkamp
    Originaltitel: La isla bajo el mar
    Größe: 1526kBytes
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Die Insel unter dem Meer

Nachtvogel

Schon Violette Boisiers Mutter war Kurtisane gewesen, eine atemberaubende Mulattin, die mit neunundzwanzig Jahren von einem französischen Offizier - gerüchteweise der Vater von Violette, doch wurde das nie bestätigt - in rasender Eifersucht mit dem Säbel entleibt worden war. Das Mädchen hatte im Alter von elf Jahren unter der Schirmherrschaft der Mutter mit dem Gewerbe begonnen; mit dreizehn, als die Mutter ermordet wurde, beherrschte Violette die erlesenen Spielarten der Lust, und mit fünfzehn hatte sie alle ihre Rivalinnen aus dem Feld geschlagen. Valmorain dachte lieber nicht darüber nach, mit wem sich seine petite amie in seiner Abwesenheit verlustierte, schließlich war er nicht bereit, sich Exklusivität eigens zu erkaufen. Sicher, er hatte einen Narren an Violette gefressen, die einzig Bewegung und Lachen war, aber er bewahrte doch ausreichend kühlen Kopf, um seine Phantasie zu mäßigen, und würde nicht wie jener Offizier enden, der die Mutter getötet und damit seine Karriere und seinen Namen ruiniert hatte. Ihm genügte es, sie ins Theater und zu Herrenrunden auszuführen, wo keine weißen Frauen zugegen waren und ihre strahlende Schönheit alle Blicke auf sich zog. Der Neid der anderen Männer, wenn er sich mit ihr am Arm schmückte, verschaffte ihm eine dumpfe Genugtuung; so mancher hätte seinen guten Namen drangegeben, hätte er statt der festgelegten ein bis zwei Stunden eine ganze Nacht mit Violette verbringen dürfen, doch dieses Privileg stand ganz allein ihm zu. Jedenfalls glaubte er das.

Die Wohnung der jungen Frau, drei Zimmer und ein Balkon mit schmiedeeisernen Lilien am Geländer im ersten Stock eines Gebäudes unweit der Place Clugny, war neben ein paar für ihren Beruf angemessenen Kleidungsstücken die einzige Hinterlassenschaft ihrer Mutter. Dort lebte sie in einigem Luxus und in Gesellschaft von Loula, ihrer massigen und resoluten afrikanischen Sklavin, die als Hausmädchen und Leibwächter fungierte. Während der heißesten Stunden des Tages ruhte Violette sich aus oder widmete sich ihrer Schönheit: Massagen mit Kokosmilch, Depilationen mit Karamel, Ölbädern fürs Haar, Kräuteraufgüssen zum Aufhellen von Stimme und Blick. Fühlte sie sich besonders inspiriert, bereitete sie mit Loula Schönheitsmittelchen zu - Salben für die Haut, Mandelseife, Cremes und Puder - , die sie später unter ihren weiblichen Bekannten verkaufte. Doch im allgemeinen vergingen ihre Tage träge und müßig. Gegen Abend, wenn die geschwächten Strahlen der Sonne ihrem Teint nichts mehr anhaben konnten, verließ sie je nach Wetter zu Fuß das Haus oder mietete sich von einer Nachbarin eine von zwei Sklaven getragene Sänfte. So entkam sie dem Pferdemist, dem Unrat und Schlamm in den Straßen von Le Cap. Aus Rücksicht auf ihre Geschlechtsgenossinnen kleidete sie sich unauffällig: Keine weiße oder farbige Frau konnte solche Konkurrenz gelassen hinnehmen. Sie erledigte ihre Besorgungen in den Läden oder erstand an der Mole Schmuggelware von den Schiffen, besuchte ihre Schneiderin, den Friseur und ihre Freundinnen. Unter dem Vorwand, einen Saft trinken zu wollen, hielt sie am Hotel oder vor einem Café, wo sie von irgendeinem Herrn stets bereitwillig an den Tisch eingeladen wurde. Sie kannte die intimen Vorlieben der mächtigsten Weißen der Kolonie, selbst die des hochrangigsten Militärs, des Herrn Gouverneurs. Danach kehrte sie nach Hause zurück, um sich für ihre Arbeit umzukleiden, was einige Stunden in Anspruch nahm. Sie besaß Kleider in allen Farben des Regenbogens, aus prächtigen europäischen und orientalischen Stoffen, dazu passende Schuhe und Täschchen, federgeschm&uu

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