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Die Jahre der Schwalben Roman von Renk, Ulrike (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.10.2017
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)
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Die Jahre der Schwalben

Verlorene Heimat - eine starke junge Frau zwischen Liebe und Verlust. Kurz nach ihrer Hochzeit erfährt Frederike, dass ihr Mann eine schwere Krankheit hat. Er geht in ein Sanatorium, und Frederike hofft auf seine Genesung. Doch als er stirbt, steht Frederike vor den Trümmern ihres Lebens. Allein und ohne eigenes Vermögen muss sie das Gut mit der großen Trakehnerzucht bewirtschaften. Jahre der Verzweiflung und Einsamkeit folgen, bis sie Gebhard von Mansfeld kennenlernt. Ganz langsam gelingt es ihr, wieder an das Glück zu glauben. Doch dann kommt Hitler an die Macht, und plötzlich weiß Frederike nicht, ob sie und ihre Liebsten noch sicher sind... Die große emotionale Familiensaga aus Ostpreußen, die auf wahren Begebenheiten beruht. Ulrike Renk, Jahrgang 1967, studierte Literatur und Medienwissenschaften und lebt mit ihrer Familie in Krefeld. Familiengeschichten haben sie schon immer fasziniert, und so verwebt sie in ihren erfolgreichen Romanen Realität mit Fiktion. Im Aufbau Taschenbuch liegen ihre Australien-Saga und ihre Ostpreußen-Saga sowie zahlreiche historische Romane vor. Mehr Informationen zur Autorin unter www.ulrikerenk.de

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 544
    Erscheinungsdatum: 09.10.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841213693
    Verlag: Aufbau Verlag
    Größe: 2277 kBytes
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Die Jahre der Schwalben

Kapitel 1

Fennhusen, Frühjahr 1930

Es regnete ohne Unterlass, aber es war ein milder Regen, der die Luft zu reinigen schien. Frederike wischte über die Scheibe und sah hinaus in die vertraute Umgebung. Die ersten Kirschblüten öffneten sich, nun da das Frühjahr endgültig den Winter verdrängt hatte.

"Wie jeht es Ihnen?", fragte Hans leise. Der alte Kutscher war nicht mit dem Landauer zum Bahnhof gekommen, sondern mit dem Automobil.

"Ach Hans, für dich bin ich doch immer noch Freddy", seufzte Frederike. "Das war schon immer so und wird auch so bleiben."

Hans räusperte sich. "Nun ja, du bis awwer jetzt 'ne verheiratete Frau, Baronin von Stieglitz."

"Ja." Frederike senkte den Kopf. Seit neun Monaten war sie mit Ax verheiratet, und nun kehrte sie zum ersten Mal nach Fennhusen, auf das Gut ihrer Familie zurück. Ihre Gefühle waren gemischt. "Wie geht es allen?"

"Irmi und Gilusch machen sich prächtig. Und Klein Erik hat anjefangen zu reiten", sagte Hans schmunzelnd. "Ali wird immer mehr zu 'nem Dickkopf. Mittem werden wir noch Spaß haben."

"Das habe ich gehört." Frederike lächelte. Trotz des großen Altersunterschieds lagen ihr die vier kleinen Geschwister aus der dritten Ehe ihrer Mutter ebenso sehr am Herzen wie ihre beiden anderen Halbgeschwister, die schon erwachsen waren und nicht mehr auf dem Gut wohnten.

"Das Irmichen is een kleener Wirbelwind, awwer reiten kannse fast so jut, wie du." Hans klang so stolz, als ob er über seine eigene Familie sprechen würde.

Wieder schaute Frederike nach draußen. Sie hatte das Gut Fennhusen in den letzten zehn Jahren immer als ihr Zuhause, ihre Heimat betrachtet, doch das war nun vorbei. Was würde Mutter sagen? Wie würde sie sich verhalten? In den letzten Monaten hatte Frederike sich geweigert, ihre Mutter zu treffen, aber nun musste sie sich dem Gespräch mit ihr stellen.

Hans lenkte das Automobil durch die Toreinfahrt, der nasse Kies knirschte unter den Reifen. Auf den ersten Blick hatte sich nichts verändert, dort waren die Stallungen, die Häuser des Gesindes, das runde Blumenbeet vor dem Treppenaufgang, das ihre Mutter angelegt hatte. Die Narzissen waren schon fast alle verwelkt, aber die Tulpen öffneten ihre Blüten.

Sobald der Wagen stand, stieg Frederike aus. Sie holte tief Luft. Es roch nach frischem Regen und feuchter Erde. Sie liebte diese Schauer im Frühjahr, die die Natur zum Erwachen brachten.

Die Eingangstür wurde geöffnet, ihre Mutter winkte.

"Komm rein, Freddy", rief sie. "Du wirst noch ganz nass. Nicht, dass du uns krank wirst."

Wütend kniff Frederike die Augen zusammen. Krank? Nun ja, ihre Mutter hatte sie wahrhaftig mehr ausgesetzt, als nur einem Regenschauer. Langsam ging sie zum Haus, stieg die Treppe empor.

"Guten Tag, Mutter", sagte sie steif und streckte Stefanie von Fennhusen die Hand entgegen. Ihre Mutter zog überrascht die Augenbrauen hoch und schüttelte Frederike kurz die Hand.

"Wenn du es so willst", murmelte Stefanie verletzt, drehte sich um und ging in die große Diele. "Ich habe dir dein Zimmer herrichten lassen. Möchtest du einen Tee?"

"Mir wäre ein heißes Bad lieber."

"Darf ich Ihren Mantel nehmen?", fragte Inge, das Hausmädchen. "Ich werde ihn zum Trocknen nach unten bringen."

"Danke, Inge."

"Sag Leni Bescheid, dass sie das Bad einlassen soll. Ich hoffe, der Ofen ist angeheizt."

"Sofort, gnädige Frau." Inge eilte nach unten ins Souterrain, wo sich die Gesinderäume und die Küche befanden.

Am liebsten wäre Frederike ihr gefolgt, wäre eingetaucht in die Wärme und die Düfte der Küche und hätte sich von Schneider, der Köchin, verwöhnen lassen - so wie früher. Aber nichts war mehr wie früher.

"Einen Tee, solange du auf das Bad wartest?", wollte Stefanie wissen. Ihre Stimme klang nun kühler.

"Ich nehme lieber etwas Stärkeres."

"Freddy! Freddy!" Irmi stürzte die T

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