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Die Kriegsurlauber. Humoristischer Roman von Baudissin, Wolf E. H. E. Graf von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.08.2015
  • Verlag: OTB eBook publishing
eBook (ePUB)
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Die Kriegsurlauber. Humoristischer Roman

Wolf Graf von Baudissin Freiherr v. Schlicht wurde am 30. Januar 1867 auf Gut Schierensee (Kreis Rendsburg-Eckernförde) geboren. Er war verheiratet mit der Schriftstellerin Eva von Baudissin. Der Autor wird oft mit Wolf Heinrich Graf von Baudissin verwechselt. Wolf Graf von Baudissin starb am 4. Oktober 1926 in Weimar.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 190
    Erscheinungsdatum: 11.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783958640061
    Verlag: OTB eBook publishing
    Größe: 397kBytes
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Die Kriegsurlauber. Humoristischer Roman

I.

Oberleutnant Hans Arnim von Kühnhausen, ein großer, schlanker, hübscher Infanterieoffizier, mit einem klugen, intelligenten Gesicht und hübschen, übermütigen Augen und einem kurzen flotten, dunklen Schnurrbart, war in der Krankenstube des Lazarettes, die er bisher bewohnt hatte, damit beschäftigt, seinen Koffer zu packen, um bis zu seiner völligen Genesung in das Haus der reichen Frau Konsul Behnke zu übersiedeln, die ihm in liebenswürdigster Weise Gastfreundschaft angeboten hatte, weniger um seiner selbst willen, denn er persönlich kannte die Dame noch gar nicht, sondern wohl lediglich, weil es in dem Lazarett an Platz mangelte und weil die halbwegs gesunden Offiziere und Mannschaften, sobald es ging, in Bürgerquartieren untergebracht werden mußten. Auch er wurde in gewissem Sinne einfach umquartiert, nur daß für ihn in dem neuen Quartier keinerlei Quartiergeld bezahlt wurde, sondern daß er lediglich als Gast bei der Frau Konsul wohnen solle. Bis zu einem gewissen Grade war ihm das peinlich und genant, aber es blieb ihm ja schließlich nichts weiter übrig. Am liebsten wäre er nach Hause zu seinen Eltern gereist, aber er befand sich mit seinem Fuß, den nicht weniger als drei feindliche 2 Infanteriegeschosse durchbohrt hatten, immer noch in ärztlicher Behandlung. Die Wunden selbst waren zwar geheilt, aber es war doch noch eine niederträchtige Schwäche im Fuß zurückgeblieben, die ihn zwang, sich bei dem Gehen stark auf den Stock zu stützen. Deshalb hätte er natürlich trotzdem nach Hause reisen können, aber er wußte es im voraus, daß dort dann sehr bald wieder das Gejammere über seine Schulden losgehen würde, und die Mutter würde abermals klagen, wie schrecklich es ihr sei, von neuem die Hilfe der Verwandten für ihn in Anspruch nehmen zu müssen. Gewiß, das hatten sie ihm in ihren Briefen geschrieben, sie wollten ihm gern helfen, denn jetzt waren sie ja alle stolz auf ihn. Aber die Verwandten verlangten vorher, daß er selber de- und wehmütig für sein früheres flottes Leben um Verzeihung bäte und daß er sich schriftlich und ehrenwörtlich verpflichten solle, in Zukunft ein neues, solides Leben zu führen.

Dagegen aber lehnte sich sein Stolz auf. Seine Schulden bekennen wollte er gern, aber deswegen um Verzeihung bitten? Eher sollten die Verwandten sich bei ihm entschuldigen, daß sie ihn früher so wenig unterstützten und sich mühselig ein Zwanzigmarkstück vom Herzen abrangen, wenn er sie um einen Hundertmarkschein bat. Und nun gar Besserung geloben und sich schriftlich verpflichten, bis an sein Lebensende ein Tugendbold zu bleiben? Das fiel ihm ja gar nicht ein.

Aber seine Schulden los werden mußte er. Für den Fall, daß er auf dem Felde der Ehre bleiben sollte, hatten ihm seine Verwandten die Regulierung seiner Verbindlichkeiten zugesagt, aber nun, da er Gott sei Dank noch lebte, 3 mußte er, wenn er nicht zu Kreuze krocht selber sehen, wie er damit fertig würde.

Und er war sich auch längst darüber klar, wie er das machen könne, sogar aus eigener Kraft! Er würde ganz einfach ein schwerreiches, junges Mädchen heiraten, an denen hier nach allem, was er auf Befragen darüber erfuhr, absolut kein Mangel herrschte. Hier in der kleinen, hübsch gelegenen Stadt Mitteldeutschlands, die sich als Luftkurort eines gewissen Rufes erfreute, sollten die reichen Mädchen, wie in Sachsen nach dem alten Liede die hübschen, sogar auf den Bäumen wachsen. Na, und er würde sich von den Reichen schon die Allerreichste zu kapern versuchen. Natürlich mußte sie auch hübsch und liebenswürdig sein, aber vor allen Dingen reich, enorm reich, so reich, daß er seinen Verwandten eines Tages einen Brief schreiben konnte, in dem es hieß: "Ich bin zwar kein Rothschild, aber trotzdem, wenn Ihr mal vorübergehend um fünfzig- oder hunderttausend Mark verlegen seid, dann bitte wendet Euch nur an mich."

Bis doch wieder Zweifel in ihm aufstiegen, ob er dieses Ziel wohl erreichen würde? Abe

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