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Die Lücke auf der Eckbank Letztes Quartal 2009 von König, Franziska (eBook)

  • Verlag: TWENTYSIX
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Die Lücke auf der Eckbank

Aus dem Leben der Familie König Letztes Quartal 2009 Oktober bis Dezember Franziska König lebt als Geigerin und Schriftstellerin in Grebenstein/ Nordhessen und den Rest kann man in ihren Büchern nachlesen http://www.franziska-koenig.de

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 248
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783740757946
    Verlag: TWENTYSIX
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Die Lücke auf der Eckbank

Donnerstag, 8. Oktober

Ein Rest an Schönwetter blieb,
doch mir gefiel es nicht so:
zu helles Blau und Schlierwolken

Dem Ayhan (einem Türken in Ofenbach) sterben sämtliche Frauen hinweg, so daß er im Schnitt alle zwei Jahre eine Neue braucht.

Einmal war Rehlein als Gast bei denen zu Besuch, und die damalige Frau aus Serbien kochte ihr Kaffee.

Doch über diesen Kaffee sagte Rehlein nach dem ersten Schluck, daß sie den nicht trinken könne, denn sonst fiele sie augenblicklich tot um. Und genau diesen Kaffee trank die Serbin den ganzen Tag und rauchte dazu Kette!

Leider gab s Sprachschwierigkeiten zwischen ihr und ihrem (damals) neuen Mann: Der Mann sprach türkisch, sie serbisch, und beide hinzu rudimentärstes Kanackenösterreichisch.

Rehlein machte vor, wie der Ayhan seiner neuen Frau den Besenstil reichte:

"Du put-zen!" sagte er erklärend wie der Polt in einem Poltsketsch, und "A-bends vö-geln!"

Doch eines Tages fiel die serbische Frau tot um.

Ich stellte mir vor, wie der Jorberg eine Reise "Traumhochzeit inclusive" bucht, und die Veronika zehn Minuten vor der geplanten Eheschließung damit überrascht.

Alles ist vorbereitet, und das einzige was noch aussteht, ist das feierliche Ja-Wort.

Mutter und Schwester hätte der Jorberg sehr gerne generös einfliegen lassen, doch die legen ja immer gleich den Hörer auf, wenn er anruft.
Freitag, 9. Oktober

trübe und regnerisch

Ich als Schlaftrunkene fühlte mich an wie ein neugeborenes Füllen: So wie jemand, der gar nicht auf die Beine kommt.

Später besuchte ich den Supermarkt, und stellte mich um ein Salzstangerl an. Außer mir stand bereits eine wartende Seniorin da, und ich stellte mir vor, wie ich vielleicht eine Geste mache, die bedeuten solle, daß diese Seniorin schon vor mir da stand, falls sich das Bäckereifräulein erstmal an mich wenden sollte. Als Ausländer fühlt man sich eh so an, als wolle man gleich den Mund aufmachen und müsse hilflos mit anhören, wie sich vielleicht ein: "Griiiieß Gott!" oder irgendetwas Dummes, mit dem man sich überhaupt nicht identifizieren kann, seinem Inneren entwindet, und windschief im Raume stehen bleibt?

Das Bäckereifräulein hatte leider nicht den geringsten Scharm. Ganz kurzangebunden und unverbindlich wickelte es den Kauf ab. Nein! Zumindest dieses Bäckereifräulein kann mit den Bäckereifräuleins in Deutschland nicht konkurrieren.

Spaziergang mit Rehlein zur Nachmittagstund :

Zu Beginn des Promenats sagte mir Rehlein immer bloß, wie ich technisch besser laufen solle, und wollte wissen, ob mir wohl kalt wäre?

"Jetzt musst du aber wieder etwas Interessantes reden!" sagte ich schnell, weil ich die kostbare Zweisamkeit mit Rehlein doch auskosten wollte.

Am Rasingerschen Bauernhof wuchs Schneidegras aus dem Zaun heraus, und ich stellte es mir so ganz lustig vor, wie man da läuft, und dann wird einem einfach der Kopf abgeschnitten und rollt noch kurz die Straße entlang, und auf dem Höhepunkt der schöpferischen Kraft ist das Leben jäh vorbei.

Vor dem Hoftor entschälte sich Rasingers Alois seinem Auto, doch er nickte uns nur ganz unverbindlich zu, so als habe er leichte Aversionen gegen uns entwickelt. ("Die depperten Daitschn da oubn!" mag er sauertöpfisch über uns denken) na, man kann s verstehen, und fühlt sich dennoch leicht begossen und aus der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen.

Na wenigstens war die Hundemutti im ersten Haus am Hauerweg freundlich zu uns, und als wir ihre Aura streiften, redete Rehlein viel volkstümlicher als sonst.

Ich bat Rehlein, mir Jorberg-Geschichten zu erzählen.

Man läuft den Hauerweg in die Höh , und hinter einem Gehöft steht eine Bank, die wir einmal "Fritzibank" genannt haben, denn immer wenn Ming und ich früher draufsaßen, erzählten wir uns eine packende Geschichte über einen jungen Geigerbursch namens Fritzi, de

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