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Die Liebenden vom Ende der Welt Roman von Raymond, Midge (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.09.2018
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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Die Liebenden vom Ende der Welt

Nur hier, am Ende der Welt, zwischen schroffen Gletscherklippen und eisigen Gewässern, fühlt sich Deborah wirklich zu Hause. Nur in den paar Wochen im Jahr, in denen es das feindselige Klima der Antarktis zulässt, dass sie den Lebensraum der Pinguine erforschen kann - auf einer entlegenen Forschungsstation, abgekapselt vom Rest der Welt. Hier trifft Deborah auf Keller Sullivan, einen Abenteurer und Aussteiger - und die Mauer, die sie um sich gebaut hat, bekommt langsam Risse. Doch genau wie sie selbst ist auch Keller nicht ohne Grund hier ...

Midge Raymond hat lange im Verlagswesen in New York gearbeitet und in Boston kreatives Schreiben unterrichtet. "Die Liebenden vom Ende der Welt" ist ihr erster Roman. Midge Raymond lebt in Oregon und führt dort einen kleinen Verlag.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 10.09.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641182366
    Verlag: btb
    Originaltitel: My Last Continent
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Die Liebenden vom Ende der Welt

EINE WOCHE VOR SCHIFFSUNTERGANG

Drakestraße
(59°39' S, 61°56' W)

D em Schwanken der MS Cormorant nach zu urteilen stecken wir in einer Fünf-Meter-Dünung. Für unseren Kapitän ist das gar nichts; als er vor gut zwei Wochen durch die Drakestraße getuckert ist, wo das Südpolarmeer auf den Pazifik und den Atlantik trifft und Schiffe wie Spielzeug herumschleudert, waren die Wellen zehn Meter hoch. Zur Routine wird diese Fahrt allerdings nie werden, auch wenn die Cormorant sie in dieser Saison sechs Mal absolviert. Die Drakestraße schenkt nie zweimal dieselbe Erfahrung.

Ich bin nicht annähernd so seekrank, wie ich vorgebe, aber die Pause hilft mir dabei, mich in meine Rolle als Reiseführerin einzufinden. Da neunzig Prozent der Passagiere krank in ihrer Kabine liegen und sich die nächsten zwei Tage dort abkapseln werden, hat unser Expeditionsleiter Glenn nichts dagegen, wenn ich mich im Mannschaftsbereich verstecke, bis wir die Südlichen Shetlandinseln erreichen.

Das Flaggschiff des Veranstalters, die Cormorant , wurde im selben Jahr gebaut, wie ich geboren bin, vor fast vierzig Jahren. Während ich eins fünfundsiebzig und alleinstehend bin, misst sie neunzig Meter und beherbergt einhundert Passagiere und fünfzig Crew-Mitglieder. Wir sind beide fürs Eis geschaffen: Ich habe eine dicke Haut und einen Hang zur Einsamkeit, sie Stabilisatoren und einen verstärkten Rumpf, dank dem wir in die schmalen Buchten der antarktischen Halbinsel schlüpfen und, wenn das Wetter es zulässt, den südlichen Polarkreis überqueren können - etwas, das unsere Gäste alle von ihrer Lebensliste abhaken wollen.

Die Broschüren für diese Kreuzfahrt werben nicht nur mit der Tierwelt, sondern auch mit Experten wie mir. Ich bin eine von sechs Naturkundlern auf dieser Reise, Tierforscher und Historiker, die von Glenn angeheuert wurden, um die Passagiere über Pinguine, Wale, Meeresvögel, Eis und die Geschichte des Kontinents aufzuklären. Zwar werden die meisten Naturkundigen die gesamte zweiwöchige Tour an Bord bleiben, aber mehrmals pro Saison steigen einer oder zwei von uns auf einer der unbewohnten Inseln aus, schlagen ihr Lager auf und erheben Daten für das Antarktis-Pinguin-Projekt. Nach weiteren zwei Wochen, wenn das Schiff mit einer neuen Fuhre Passagiere zurückkehrt, fahren wir wieder mit in die Zivilisation. Auf dem Schiff bin ich im Bereitschaftsdienst, immer verfügbar, um Fragen zu beantworten, Zodiacs zu steuern (die kleinen, aber robusten Schlauchboote, die uns vom Schiff an Land bringen), Touristen zu hüten, Wale zu entdecken und nach dem Essen in der Lounge Vorträge zu halten. Diesen Teil liebe ich: den Kontinent vorzustellen, wie er mir einst vorgestellt wurde. Wovor mir graut sind die Fragen, die den Bereich von Flora und Fauna weit überschreiten.

Mindestens ein Mal pro Fahrt fragt mich jemand, wie ich das mache - wie kann ich Wochen oder Monate am Stück hier unten leben, zwischen Schiff und Zelt, unter den rauen Bedingungen, so viel allein. Ich werde gefragt, ob ich verheiratet bin, ob ich Kinder habe - Fragen, die ich selten gegenüber einem männlichen Naturkundler geäußert höre. Aber weil ich diesen Job behalten will, beiße ich mir auf die Zunge und lächle. Ich erkläre, dass ich zwar mit dem Brutverhalten der Pinguine gut vertraut sei, menschliche Beziehungen aber eine gänzlich andere Sache und besonders kompliziert seien, wenn es um die Antarktis gehe. Ich steuere ein wenig von der Historie des Südkontinents bei, die vor desaströsen Liebesgeschichten nur so strotzt: Der Polarwissenschaftler Jean-Baptiste Charcot kehrte, nachdem er auf dem Eis überwintert hatte, nach Hause zurück und stellte fest, dass seine Frau ihn verlassen hatte. Robert Falcon Scott, der auf dem Kontinent starb, erfuhr nie von den Gerüchten, dass seine Frau ihm während seiner Abwesenheit untreu war. Und natürlich habe ich auch so einiges erlebt wä

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