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Die Malerin Roman von Basson, Mary (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.12.2017
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)

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Die Malerin

Eine Liebe in der Bohème. München, 1902: Gegen alle Widerstände will die junge Gabriele Münter, genannt Ella, Malerin werden. Sie nimmt Unterricht bei Wassily Kandinsky und verliebt sich in ihn, sie wird seine Muse ebenso wie seine Gefährtin auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen. Doch während Kandinsky schon bald als Meister der Abstraktion und Begründer des Blauen Reiters zu Weltruhm gelangt, ringt Ella zeitlebens mit ihrer Rolle als Frau in der Kunst. Und dann bricht Krieg aus, und ihre Liebe droht tragisch zu scheitern ... Nach der wahren Geschichte der großen Malerin Gabriele Münter, die mit ihrer Hingabe an die Kunst und an die Liebe allen Gefahren ihrer Zeit trotzte. Mary Basson arbeitet im Milwaukee Art Museum, das die größte Gabriele-Münter-Sammlung Nordamerikas beherbergt. Münters Malerei faszinierte sie so sehr, dass sie sich auf die Spur ihrer Geschichte begab und nach München und zum Gelben Haus in Murnau am Fuße der Alpen reiste.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 448
    Erscheinungsdatum: 04.12.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841214102
    Verlag: Aufbau Verlag
    Originaltitel: Saving Kandinsky
    Größe: 2511 kBytes
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Die Malerin

1
Die Farben der Berge

KOCHEL, ANFANG SOMMER 1902

Das Licht der Morgensonne breitete sich rosig über die Berghänge aus. Ella blieb stehen und lauschte. Hatte sie sich den Pfiff seiner Trillerpfeife nur eingebildet? Sie lehnte ihr Fahrrad an einen Baum und wartete. Ihr Blick fiel auf den Phlox zu ihren Füßen, den der Wind zerzauste. Im frühen Licht des Tages waren die Blüten zartlila, gegen Mittag leuchteten sie blau, und wenn es dämmerte, färbten sie sich dunkelviolett. Aber niemand trillerte, es waren auch keine Schritte zu hören. Er musste hinter ihr sein, sich leise lachend verbergen. Ella fuhr herum, dachte, sie würde noch einen Zipfel von ihm erhaschen. Doch da waren nur die leere Wegbiegung, Lavendelbüsche auf dem sonnenglänzenden Hang, moosbewachsene Felsen. Nun gut, der Tag hatte mehr als einen Pfiff zu bieten. Sie stellte ihre Staffelei zwischen kleinen Büscheln Edelweiß auf. Die Sonne stieg höher und tauchte die Landschaft in pfirsichfarbenes Licht. Schon wenig später nahmen die Schattierungen des Sommermorgens Ellas Aufmerksamkeit so gefangen, dass kein Raum blieb, um nach Pfiffen zu lauschen. Sie begann mit der Arbeit.

Unten, jenseits der Felsen, glänzte der Kochelsee silbrig, als hätte die Sonne ihn poliert. Eine leichte Bö löste sich, fuhr durch die Heliotrope am Ufer und weiter den Hang hinauf unter Ellas Hut. Sie verknotete das Band unter ihrem Kinn und befestigte ihr Zeichenpapier mit einer Klammer an der Staffelei. Sie wollte die Formen der Wolken zwischen zwei Bergen wiedergeben. Dunkelgrün erhoben die Berge sich über dem hellen See, doch auf diesem Bild würden sie nur in groben Zügen mit kräftigen Schrägstrichen skizziert werden. Ella ging es vor allem um die Wolken. Sie sollten zu etwas Leichtem, Vergänglichem werden. Deshalb durften sie auch keine festen Formen haben, sondern mussten Luftgebilden gleichen, so schwerelos, dass man sie wegpusten konnte. Wolkenblasen. Nein, das auch nicht. Noch formloser. Vielleicht lag es an ihren Augen, aber die Wolken wollten ihr einfach nicht gelingen. Sie stiegen kaum merklich höher, verdichteten sich, wurden wieder lichter, zerfaserten. Und noch immer hatte sie keinen Pfiff vernommen. Sie richtete ihr Gehör mal auf den Hang, mal in den Wald hinein. Der Pfiff der Trillerpfeife blieb aus.

Als das Licht des Tages allmählich verblasste und die späte Nachmittagssonne sämtliche Wolken vertrieben hatte, rollte Ella das Zeichenpapier zusammen, legte die Zeichenkohle in das Blechkästchen und wischte ihre geschwärzten Finger am Gras sauber. Sie streifte ihren Kittel ab, drehte ihn von innen nach außen und faltete den Stoff ordentlich zusammen. Dann schob sie die Staffelei zusammen, vorsichtig, um die zerbrechlichen Giraffenbeine nicht zu beschädigen, und packte alles in ihren Rucksack. Mit ihm auf dem Rücken radelte sie zum Gasthof zurück.

Gepfiffen hatte niemand.

Als Ella im Gasthof ankam, war der Speiseraum mit den dunklen hölzernen Deckenstreben leer. Doch kaum saß sie an ihrem gewohnten Platz, da stürmten die anderen Schüler herein. Laut klappernd hantierten sie mit Gläsern, Wasserkaraffen und Besteck.

"Gabriele", sagte einer der jungen Männer. "Wir haben Sie heute gar nicht gesehen."

"Dieses Fräulein Münter", schaltete sich ein anderer ein und lächelte anzüglich. "Nie weiß man, wo sie steckt."

"Ich war an einem Hang über dem See." Sie wandte sich zu ihrem Tischnachbarn um und achtete darauf, nicht zu interessiert zu klingen. "War Professor K bei Ihnen?"

"Nein, er ist zum Bahnhof gefahren, um seine Frau Gemahlin abzuholen. Wussten Sie das nicht? Im Moment ist sie dabei, oben in ihrem Zimmer den Koffer auszupacken."

In Ella verkrampfte sich etwas. Nein , wollte sie sagen. Bitte nicht . Ihr Tischnachbar musste etwas missverstanden haben. Oder sie hatte sich verhört.

"Seine Frau Gemahlin?" Sie umklammerte ihre Serviette.

"Ja, sie bleibt den ganz

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