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Die Marie vom Hafen von Simenon, Georges (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.04.2019
  • Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
eBook (ePUB)
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Die Marie vom Hafen

Ein Fischerdorf in der Normandie. Nach dem Tod ihres Vaters beschließt die siebzehnjährige Marie, jetzt Vollwaise, in Port-en-Bassin zu bleiben und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Als Kellnerin im Café de la Mer zieht die verschlossene Schönheit nicht nur ihren Geliebten Marcel in den Bann. Auch der Liebhaber ihrer Schwester Odile, Café- und Kinobesitzer Henri de Chatelard, verfällt ihr schon bald. Und die Marie bleibt nicht lange unempfänglich für die Werbungsversuche ihres unwahrscheinlichen Verehrers ... "Ich schwöre: eine der drei schönsten Liebesgeschichten." Jakob Arjouni Georges Simenon, geboren am 13. Februar 1903 im belgischen Lüttich, gestorben am 4. September 1989 in Lausanne, gilt als der "meistgelesene, meistübersetzte, meistverfilmte, in einem Wort: der erfolgreichste Schriftsteller des 20. Jahrhunderts" ( Die Zeit ). Seine erstaunliche literarische Produktivität (75 Maigret-Romane, 117 weitere Romane und mehr als 150 Erzählungen), viele Ortswechsel und unzählige Frauen bestimmten sein Leben. Rastlos bereiste er die Welt, immer auf der Suche nach dem, "was bei allen Menschen gleich ist". Das macht seine Bücher bis heute so zeitlos.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 01.04.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455005196
    Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
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Die Marie vom Hafen

1

E s war Dienstag, und die fünf oder sechs Kutter, die während der ganzen Woche vor der englischen Küste fischten, waren am Morgen zurückgekommen. Wie gewohnt hatten sie in der Nähe des Fischmarkts im Vorhafen festgemacht, und erst jetzt, bei Flut, öffnete man ihnen die Drehbrücke.

Der Oktober ließ die Tage schneller schwinden, und seine Nipptiden bespülten kaum den Fuß der Klippen. Der Kanal war auf Höhe der Brücke verengt durch die niedrigen Häuser von Port-en-Bessin mit ihren grauen Fassaden und den harten Schieferdächern.

Wie immer um diese Zeit waren die Alten zur Stelle und umrahmten die Brücke mit ihren blauen, mit dunkleren Flicken besetzten Silhouetten.

Es regnete nicht. Ein leichter Wind wehte von Nordosten, der Himmel war gleichmäßig grau.

Eins nach dem anderen fuhren die großen Holzschiffe dicht am Kai, ja scheinbar dicht an den Häusern entlang, um sich ganz hinten im Hafenbecken zusammenzudrängen. Die Männer standen reglos und geduldig an Deck. Sie schauten zu den Alten an Land. Die Alten schauten zu ihnen hinüber. Sie waren Väter, Söhne oder Cousins, aber vor lauter Verwandtschaft hatten sie sich nichts zu sagen und nickten einander nicht einmal zu.

Auch Frauen waren da, schwarz in ihren Umschlagtüchern, lackierte Holzschuhe an den Füßen, und liefen wie Ameisen hintereinander her in die kleinen Läden, wo gerade die Lampen angingen.

Man hörte die Kugeln auf dem Billardtisch des Café de la Marine klappern, und das gelbe Licht der Markise war voller Verheißung von Kaffee mit einem Schuss Calvados.

Es blieb noch eine knappe Stunde Tageslicht und Dämmerung; die Brücke war wieder geschlossen, die Schiffe vertäut, die Alten standen wieder reglos an ihrem Platz, ans Geländer gelehnt, es wurde noch etwas gearbeitet, Ordnung geschaffen, Leinen wurden aufgeschossen, Luken und Klappen geschlossen.

Neben den wuchtigen Kuttern bildeten die Schaluppen eine dichtere, beweglichere Masse, in der hier und da ein Mann ein Netz flickte, an seinem Motor bastelte oder manchmal einfach nur seine Pfeife rauchte, zufrieden, an Bord seines Schiffs zu sein.

Der dicke Charles mit seinem Holzbein kletterte über die Reling. Der Großvater folgte ihm ruhig, fast feierlich. Charles hielt jedem Fischer ein nicht sehr sauberes Blatt Papier und einen Kopierstiftstummel hin. Er wusste, wer lesen konnte und wer nicht. Zu denen, die es nicht konnten, sagte er nur: "Für die Marie vom armen Jules ..."

Man zündet die Lampen immer zu früh an. Sie brannten, obwohl der Himmel noch weiß war, sodass sie nur ein trauriges Licht geben konnten.

"Wie viel gibt man denn?", wurde meistens gefragt.

"Nach deinem Gutdünken ... Louis hat zwanzig Franc gegeben ... Manche zwei und manche fünf ..."

"Trag mich mit fünf Franc ein ..."

Der Großvater folgte unbewegt, wie ein Ministrant. Man hatte ihm gesagt, sie müssten zu zweit sein, damit niemand Schwindeleien unterstellen konnte.

"Wenn noch jemand zum Tragen gebraucht wird ...", wurde auch gesagt.

Es handelte sich um Jules, der am nächsten Morgen beerdigt wurde. Er war noch da, in seinem Haus am Fuß der Klippe, wo Licht brannte und alte Frauen ein und aus gingen.

Der dicke Charles zog sein Holzbein nach. Großvater folgte. Sie kamen zur Brücke zurück und streckten ihr Blatt Papier jetzt den Alten hin, die Invalidenrente bezogen.

"Für die Marie vom armen Jules ..."

Und während die Männer, da sie nichts Besseres zu tun hatten, einer nach dem anderen in die Cafés traten, sich an die lackierten Tische setzten und die Beine ausstreckten, senkte sich endlich sanft die Nacht.

Es war, als gäbe es weder Morgen noch Mittag noch Abend, denn alles lag im selben Quadersteingrau da, alles außer den weißen Schaumschäfchen auf dem Meer und den schwarzen, harten Schieferdächern, di

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